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Offener Brief an die GRÜNE LIGA

Berlin, den 28. Januar 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Umweltfestival ist eine bedeutende Institution in Berlin. Wir schätzen sehr, dass die GRÜNE LIGA damit alljährlich einen Raum für zehntausende Menschen schafft, um mit Organisationen und Initiativen in Kontakt zu treten und sich über ein ökologisches Leben zu informieren. Vielen Dank für Ihre langjährige Arbeit zur Förderung umweltfreundlicher Lebensweisen.

Da umweltfreundliches Leben auch uns ein Anliegen ist, waren wir enttäuscht, dass es auch 2019 beim Umweltfestival Imbiss-Stände gab, die Bratwürste aus Fleisch und andere Tierprodukte verkauften. Schließlich geht ein erheblicher Anteil aller Treibhausgasemissionen auf das Konto der Erzeugung von tierischen Produkten für die menschliche Ernährung. Expert_innen sprechen von bis zu 14,5% aller Emissionen.*

Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise ist der Konsum tierischer Produkte schon aus ökologischen Gründen nicht zu rechtfertigen, von tierethischen, menschenrechtlichen und gesundheitlichen Kritikpunkten ganz abgesehen.

Doch nicht nur die Treibhausgase schädigen die Umwelt, sondern die Erzeugung tierischer Nahrungsmittel geht einher mit einem enormen Ressourcenverbrauch, den Sie – genau wie wir – eindämmen wollen. Auch die Haltung von Tieren in der biologischen Landwirtschaft verbraucht Wasser und Land in immensen Ausmaßen und zu einem Vielfachen von dem, was die Erzeugung pflanzlicher Nahrung benötigt. Dabei wird Trinkwasser durch die Klimakrise immer knapper. Und durch den hohen Landverbrauch werden Lebensräume für Tiere zerstört, Arten werden zum Aussterben gebracht, ganze Ökosysteme sind in Gefahr, Menschen werden durch Land Grabbing von ihrem Land vertrieben. Es ist inakzeptabel, dass gerade auf einem Festival, das sich dem Umweltschutz verschrieben hat, tierische Produkte verkauft werden.

Auch dass beim Umweltfestival Tiere ausgestellt wurden, hat uns betroffen gemacht. Tiere als Objekte zur Schau zu stellen, lehnen wir ab. Umso mehr, wenn sie direkt neben getöteten Artgenoss_innen stehen, deren Fleisch auf dem Grill gebraten wird. Oder wenn die zur Schau gestellten Hühner zur Miete feilgeboten werden. Wie hier Respekt vor Tieren als Lebewesen im Sinne einer umfassenden Umwelterziehung, die eines Ihrer erklärten Ziele ist, vermittelt werden soll, ist für uns nicht nachvollziehbar.

Am Stand von Berlin-Vegan brachten mehrere Besucher_innen ihre Fassungslosigkeit angesichts dieser Zurschaustellung zum Ausdruck. Zudem wurde in diesen Zurschaustellungen ein beschönigendes Bild der Tierhaltung vermittelt. Wie auf den Schautafeln am Schweinegehege korrekt angegeben wurde, haben Schweine in der Biohaltung 50% mehr Platz als in der konventionellen Tierhaltung. Das sind bei ausgewachsenen Schweinen 1,3 m² Stallfläche plus 1 m² Auslauf pro Tier. Im auf dem Fest gezeigten Gehege hatten die Schweine ein Vielfaches dieser Fläche. Das täuschte die Besucher_innen über die tatsächlichen Lebensbedingungen von Schweinen in der Biohaltung.

Bereits 2019 haben Sie mit „schmackhaften vegetarischen Burgern“ geworben, was uns sehr gefreut hat. Wir fordern Sie nun auf, den wissenschaftlich belegten Fakten und den immer größer werdenden Teilen der Umweltbewegung zu folgen und das nächste Umweltfestival als ein veganes und somit tatsächlich umweltfreundliches Festival zu realisieren. Sollten Sie dabei Unterstützung wünschen, stehen wir Ihnen sehr gerne mit unserer Expertise zur Seite oder vermitteln weitere kompetente Ansprechpersonen.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen,
das Team von Berlin-Vegan

Unterzeichnende

  • Aktion Fair Play
  • Aktiver Tierschutz Berlin
  • Anarchistisches Kollektiv Glitzerkatapult
  • Animal Climate Action
  • Animal Equality
  • Animal Save Movement
  • Animals United – AG Berlin
  • Ärzte gegen Tierversuche – AG Berlin
  • Berlin-Vegan
  • BerTA
  • Bund gegen Missbrauch der Tiere – Geschäftsstelle Berlin
  • Bündnis – Berlin gegen Tierversuche
  • Burg Nagezahn
  • Direct Action Everywhere
  • Goldmund
  • Hof Windkind
  • Le Pique-Nique de Romy GmbH
  • Liberation Berlin
  • Matabooks
  • Ministry of Cultures
  • Nandu e.V.
  • Peta Zwei Berlin – Freiwilliges Streetteam
  • plantAge eG
  • plantAge – der Verein e.V.
  • ProVeg – Berlin-Friedrichshain
  • Tierschutzpartei Berlin
  • Tierschutzverein für Berlin
  • Tierversuchsgegner Berlin-Brandenburg
  • Vegane Events
  • V-Partei³, Landesverband Berlin

*Gerber, P. J., H. Steinfeld, B. Henderson, A. Mottet, C. Opio, J. Dijkman, A. Falcucci, and G. Tempio. 2013. Tackling climate change through livestock: a global assessment of emissions and mitigation opportunities. Rome: FAO. http://www.fao.org/3/a-i3437e.pdf