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Dennis Vahlenkamp (1988–2014) – Nachruf auf einen Erdling

Erdlingshof, so nannten Dennis und Johannes den Hof, den sie mit anderen Erdlingen, menschlichen und nichtmenschlichen Tieren teilten. „Gnadenhof“ wird so etwas von anderen auch genannt, als sei es eine besondere Gnade von uns Menschen, Tieren das zuzugestehen, was wir Menschen als unser unveräußerliches Recht ansehen: Leben in Freiheit und Würde – aber eben nur für uns. Nicht für Tiere.

Dennis und Johannes sahen das anders. Wir alle sind Erdlinge, mit der gleichen Sehnsucht nach Glück, nach Freiheit, nach Leben. Nach Liebe, Freundschaft und Mitgefühl. Das wollte der Name Erdlingshof ausdrücken. Auf ihm fanden solche Erdlinge ein Zuhause, die der Schlachtung und Ausbeutung durch den Menschen entronnen waren, die aber ohne Schutz und Fürsorge der Menschen nicht überleben könnten. Ein Verlustgeschäft, aus wirtschaftlicher Hinsicht. Aber wer sagt, dass nur wir Menschen ein Recht auf Leben haben, ohne für irgendjemand Nutzen zu erwirtschaften?

Dennis Vahlenkamp mit Schwein Totoro, Foto: Erdlingshof

Dennis Vahlenkamp mit Schwein Totoro, Foto: Erdlingshof

Natürlich sind Gnadenhöfe wie der Erdlingshof ein Verlustgeschäft. Nutztiere als Haustiere zu halten ist nun mal kostenintensiv und wirtschaftlich gesehen sinnlos. Kinder zu haben beispielsweise auch. Viele Menschen finden solche Gnadenhöfe lächerlich, ein Tropfen auf den heißen Stein, angesichts der Millionen von Tieren, die jedes Jahr gezeugt, geboren, gequält und getötet werden, angesichts dieses Übermaßes an Leiden, mitten in Deutschland.

Aber hat nicht deshalb doch jeder Bewohner des Erdlingshofes, wie Du und ich, dennoch diese unstillbare Sehnsucht nach Leben? Patrik, Florian, Bonnie, Sepp und Erika und ihre Mitbewohner_innen auf dem Erdlingshof sind nur wenige, verglichen mit der Zahl ihrer namenlosen Artgenossen, die in den Tierfabriken Deutschlands, Europas und der Welt jedes Jahr leiden und sterben.

Doch für jeden von ihnen ist sein Leben kostbar, so wie für mich meins. Und jeder von ihnen kann uns daran erinnern, dass jede Wurstdose, jeder Milch- oder Eierkarton für das Leben, Leiden und Sterben eines ebensolchen charaktervollen, verspielten, intelligenten, verschmusten, gefräßigen, hinterlistigen, aber immer liebenswerten Erdlings steht – der nur eben nicht das Glück hatte, Mitbewohner der anderen Erdlinge auf dem Hof von Johannes und Dennis zu werden.

Menschen wie Dennis, die mit der Kraft ihres Mitgefühls und der Liebe zu ihren Mitgeschöpfen die Welt zu einem besseren, glücklicheren Ort machen, sind unersetzlich – und die Erinnerung an ihr Tun macht sie unsterblich.

Die Liebe freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf.
1. Kor. 13

Im Gedenken an Dennis rufen wir zu Spenden für den Erdlingshof und der Übernahme von Patenschaften auf – damit seine Arbeit fortgesetzt wird.