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Tiere als Schwestern und Brüder – oder erneuerbare Ressource?

In zwei Berliner evangelischen Kirchen wurde in der vergangenen Woche eine „Messe“ im Namen des Hubertus gefeiert, des unfreiwilligen „Patrons“ der Jäger. Aber was hat Kirche mit Jagd zu tun? Und was hat es mit der Hubertuslegende wirklich auf sich?

„Hubertus, warum verfolgst du mich?“ fragt Christus in Gestalt eines Hirschs den Jäger. Und Hubertus fällt vor ihm auf die Knie und legt seine Waffen ab.

Christus, dessen Menschwerdung die Kirche an Weihnachten feiert, wird in dieser Legende zum jagdbaren Tier, und er klagt den Jäger an, der ihn verfolgt. Hubertus hatte Christus verstanden – doch bei der Jägerschaft und einigen wenigen Kirchen stößt seine Botschaft immer noch auf taube Ohren.

Im Namen desselben Hubertus, der die Jagd beendete, die Waffen niederlegte und Menschen und Tieren Bruder wurde, wird noch hier und heute das blutbefleckte Handwerk mit frommem Beiwerk verbrämt, lassen Jäger ihre Waffen segnen und danken für ihre ausgeweidete Ernte getöteter Tiere.

Aber lassen sich denn Schlachter das Bolzenschussgerät segnen? Die Zeiten, in denen Waffen und Tötungsgerät kirchlichen Segen fanden, sind seit Generationen vorbei.

Es ist anachronistisch und blasphemisch, Jägern und ihrem blutigen Hobby in der Kirche ein Forum zu geben. Nicht nur Wildtiere leiden durch das Tun der Jäger. Durch Jagdwaffen sterben auch in Deutschland jedes Jahr zahlreiche Haustiere und Dutzende von Menschen. Gerade eben wurde in Berlin ein Fall verhandelt, bei dem ein Jäger im Rentenalter nicht einsehen wollte, warum ihm nach der tödlichen Verwechslung eines Islandponys mit einem Wildschwein der Jagdschein entzogen wurde. Auch Fälle, in denen Jäger vor Gericht der Grausamkeit gegen Tiere überführt werden, häufen sich. Doch würden sie ihrem Vorbild folgen, würden sie die Jagd sofort aufgeben. Würden die Kirchen Hubertus ernst nehmen, Hubertusmessen wären Vergangenheit.

Im Evangelium bezeichnet sich Christus als den Bettler, der uns Menschen entgegentritt. In der Hubertuslegende tritt Christus Hubertus als Hirsch entgegen. Christus ist nicht nur Mensch unter Menschen geworden, in der Geschichte des Hubertus wird er zum jagdbaren, zum wehrlosen Tier. „Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: ‚Wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.'“ (Matth. 25,45).

Kirche feiert das Leben, und predigt Gewaltlosigkeit – gegen Mensch und Tier. Das lehrt nicht nur die Hubertuslegende, die davon berichtet, wie ein Jäger aufhörte, Jäger zu sein. Auch viele andere Heilige der Kirchengeschichte, von irischen Einsiedlermönchen bis zu Franz von Assisi, haben Tiere als Schwestern und Brüder behandelt, nicht als erneuerbare Ressourcen. Hingegen gibt es weder in der Bibel noch in den Heiligenlegenden ein Vorbild für einen Jäger, der zum Spaß jagt und Tiere tötet. In allen maßgeblichen Schriften der Kirche, vom Alten Testament über Paulus bis zu Franziskus oder dem Theologen Albert Schweitzer, werden Tiere wie Menschen als Teil der Schöpfung gesehen, nicht als Lustobjekt der Jäger.

Die hobbymäßige Jagd auf Tiere lässt sich mit dieser Tradition nicht vereinbaren. Schluss mit Hubertusmessen! Zu Ende mit der Jagd!

Wir waren bei beiden Berliner Hubertusmessen dieses Jahr vor Ort und haben mit Flyern, Bannern, Transparenten und Texten versucht zu zeigen, dass das blutige Hobby der Jäger nichts ist, das kirchlichen Segen verdient. Mit dabei waren jeweils nicht nur Berliner_innen verschiedener Tierrechtsgruppen, mit oder ganz ohne jeden Bezug zu den christlichen Kirchen, sondern sogar Unterstützer_innen aus dem Land Brandenburg, Hannover und Baden. Vielen Dank Euch allen!