Berlin-Vegan: FAQ

Häufige Fragen & Antworten zu Fleisch bzw. Veganismus

Folgende Behauptungen und Antworten wurden basierend auf zahllosen Diskussionen mit FleischesserInnen, VegetarierInnen oder Metzgern zusammengetragen. Grundsätzlich lässt sich bei Diskussionen zwischen VeganerInnen aus ethischen Gründen und uneinsichtigen FleischesserInnen die Tendenz ausmachen, dass die FleischesserInnen ein viel negativeres Menschenbild als VeganerInnen haben. Auch das Töten losgelöst vom Kontext des Fleischkonsums (z. B. im Krieg) wird von FleischesserInnen viel öfter befürwortet als von VeganerInnen.

Interessant ist, dass teilweise Menschen den Fleischkonsum verteidigen, obwohl sie selber angeblich - meist wegen gesundheitlicher Probleme - kein Fleisch essen. Sie sind der lebende Beweis, dass Fleisch schadet, können sich aber von der traditionellen Rollenvorstellung nicht lösen. Und am Allermeisten fällt auf, dass plötzlich ca. 70 % der Menschen, die man mit Bildern aus Schlachthäusern oder Massentierhaltungen konfrontiert, behaupten, dass sie sowieso schon vegetarisch leben. Werden die Milliarden Tiere weltweit etwa fast nur noch zum Eigenbedarf der Metzger geschlachtet oder meldet sich dann doch einmal das schlechte Gewissen der LeichenesserInnen?!

Der Kernpunkt des veganen Standpunktes in einer Diskussion sollte der gewaltvolle Tod eines Tieres sein. Alle Argumente der FleischesserInnen können letztendlich darauf zurück geführt werden. Schließlich muss einE FleischesserIn einsehen, dass er/sie absichtlich Lebewesen tötet, obwohl er/sie es nicht will, oder muss zugeben, dass ihm/ihr der Mord an einem Tier vollkommen gleichgültig ist.

"Die Tiere werden doch sowieso geschlachtet"

Antwort: Ja, die Tiere, die im Kühlregal liegen, sind schon tot, aber die Nachfrage regelt bekanntlich das Angebot. Wenn niemand mehr Fleisch kaufen würde, würden auch keine Tiere geschlachtet werden, um die Regale aufzufüllen.

"Ich töte die Tiere ja nicht selber!"

Antwort: Auftragsmord ist genauso schlimm. Wenn eine Person jemandem Geld zahlt, damit diese einen Menschen umbringt, wird diese Person genauso zur Rechenschaft gezogen wie die mordende Person selbst. Warum sollte das nicht ebenso für Tiere gelten? Wenn einE FleischesserIn sich damit entschuldigt, dass er/sie die Tiere nicht selber töte, und er/sie die Tiere deshalb ja essen könne, kann diese Begründung nicht akzeptiert werden. Es geht um den Tod des Tieres, nicht um die Hand, die es getötet hat.

Eine Gegenfrage wäre auch: Könntest Du die Tiere überhaupt selbst töten? Damit ist nicht mal die handwerkliche Fähigkeit gemeint, sondern das Überschreiten einer moralischen Grenze. Wer es nicht über das Herz bringen würde, ein süßes Kaninchen umzubringen, gesteht damit ja indirekt ein, dass moralisch etwas nicht in Ordnung sein kann. Und ehrlich gesagt: Wer damit keine Probleme hätte, erscheint mehr als suspekt und herzlos.

"Menschen haben schon immer Fleisch gegessen"

Antwort: Wir stammen von den größtenteils nur Früchte essenden Menschenaffen ab, wie besonders und bestechend deutlich die hier verlinkte Vergleichstabelle als pdf zeigt. Die meisten Menschen wollen auf die Zeit hinaus, in der unsere Vorfahren Mammuts gejagt haben. Solch ein Tier wurde aber sehr selten gefangen und eine Jagd konnte bis zu einem Monat dauern. Einige FleischesserInnen bemerken, dass im Winter in einem deutschen Wald nie genug Essbares gefunden werden könnte. Das stimmt. Zeitweise, vor allem im Winter, und in einigen Regionen ist es schlicht nicht möglich, immer genug Pflanzen zu finden. Dies war auch einer der Gründe für die niedrige Lebenserwartung von 20-25 Jahren. Aber heutzutage ist die Technik und Wissenschaft so weit ausgereift, dass wir ohne weiteres und ohne Probleme in der Lage sind, uns nur von Pflanzen zu ernähren. Die Evolution stoppt nicht und wer will sich schon zurückentwickeln und mit einem Speer auf Bärenjagd gehen?

Es war eine Erfindung der Menschen, Tiere einzufangen, zu zähmen und zu züchten, damit Fleisch immer genügend vorhanden war. Genauso war es auch eine Erfindung, Gewächshäuser zu bauen, in der Pflanzen zu jeder Jahreszeit gedeihen konnten. Die Züchtung ergiebigerer Getreidesorten, die Einführung der Dreifelderwirtschaft und später der maschinellen Bearbeitung ermöglichte es, auf dem gleichen Feld mehr Erträge zu erzielen. Genauso wie wir gelernt haben, Fleisch zu verarbeiten und durch Feuer überhaupt erst genießbar zu machen, haben wir gelernt, pflanzliche Kost so herzustellen, dass sie überall auf der Erde zur Verfügung stehen kann und genug Nährstoffe enthält. Der vermeintliche „Verzicht“ auf Fleisch und die Umstellung auf rein pflanzliche Kost wäre keine Rückentwicklung, sondern im Gegenteil ein Beitrag zur kulturellen Entwicklung des Menschen. Der Mensch war es auch, der Tierschutzgesetze verabschiedet hat, die besagen, dass es strafbar ist, Tiere unnötig zu quälen. Wenn wir uns aber ohne Probleme vegan ernähren können, ist das Töten eines Tieres zum Essen nicht unnötige Quälerei?

"Reicht es als Kompromiss nicht, wenn wir alle weniger Fleisch essen?"

Antwort: Den Tieren, die trotzdem getötet werden, reicht es garantiert nicht. Es ist klar, dass eine Umstellung der Ernährungsweise nicht von heute auf morgen geschehen kann. Wer aber den Tod von unschuldigen Tieren nicht mit sich vereinbaren kann, dem ist nicht mit der Einschränkung des Fleischkonsums geholfen.

"Kühe werden doch extra zum Schlachten gezüchtet und gehalten!"

Antwort: Früher wurden auch SklavInnen gehalten, nur um sie arbeiten zu lassen. Ist das ein Argument? Hier kann der Einwurf erfolgen, dass SklavInnen im Gegensatz zu Tieren nicht "gezüchtet" wurden. Das ist richtig, lässt aber die Tatsache außer Betracht, dass die Tiere irgendwann getötet werden, selbst wenn sie nicht gezüchtet worden wären. Sich Lebewesen nur zu halten, um sie zu töten, ist moralisch nicht vertretbar. Außerdem werden in einigen asiatischen Ländern Hunde und Katzen und manchmal in Europa auch Pferde nur zum Schlachten gehalten. Würdest du trotzdem Hunde, Katzen oder Pferde essen? In einigen Länder und Religionen sind Kühe auch heilig, werden also nicht gegessen.

"Wenn wir die Kühe und Schweine nicht schlachten würden, würden sie uns doch überbevölkern"

Antwort: So dumm dieses Argument auch klingt, manche Leute argumentieren immer noch damit. Doch sie scheinen zu vergessen, dass, wenn keineR mehr Tiere essen würde, sie gar nicht erst "gezüchtet" werden müssten. Eine anspruchsvollere Formulierung des gleichen Arguments lautet: "Durch den Veganismus werden viele Tierarten, die eine Existenznische in der Obhut des Menschen gefunden haben, ihre Existenzgrundlage verlieren." Sprich, wenn wir uns nicht mehr um die Schlachttiere kümmern würden, würden sie sterben. Das ist paradox, weil sie ansonsten geschlachtet worden wären. Wir können Tiere trotzdem in unsere Obhut nehmen, ohne sie zu töten oder einzupferchen. Der Mensch war dafür aber nie das Paradebeispiel, sondern eher das Gegenteil. Ganze Tierarten wurden und werden durch den Menschen ausgerottet.

"Ich alleine kann doch keine Tiere retten"

Antwort: Und ob Du das kannst! Ein Beispiel: Der typische Amerikaner hat bis zu seinem 72. Lebensjahr ungefähr 11 Kühe, 3 Lämmer und Schafe, 23 Schweine, 45 Truthähne, 1.100 Hühner und 862 Pfund Fisch gegessen. Also würden durch Dein Leben als VeganerIn garantiert einige Tiere weniger geschlachtet werden müssen. Sicher hast du auch schon mal zu Weihnachten eine Gans gehabt. Wenn alle Familienmitglieder diese eine Mahlzeit auf die Gans verzichten würden, würde eine Gans weniger geschlachtet werden.

"Ihr tragt doch auch Lederschuhe"

Antwort: Nein, tun wir nicht, zumindest nicht die überwiegende Mehrzahl in unseres Veganbündnisses. Denn für VeganerInnen ist es selbstverständlich, kein Leder mehr zu tragen, da dies Tierhaut ist. Wir tragen Stoff- oder Kunstlederschuhe, in diesem Bereich gibt es eine riesengroße und tolle Auswahl.

"Zu bestimmten Anlässen ist Fleisch oder Fisch essen einfach Tradition"

Antwort: Viele Familien essen zu Weihnachten Gans und Neujahr einen Karpfen oder Forelle usw. verzehren in den USA zu Thanksgiving jährlich unzählige Truthähnen. Doch noch Anfang des 20. Jahrhunderts war es dort auch "Tradition", dass Frauen nicht wählen durften und selbst die Sklaverei ist noch nicht allzu lange her. In Europa wurde früher LügnerInnen die Zunge herausgeschnitten und Mitte des 18. Jahrhunderts fielen viele rothaarige Frauen den Hexenverfolgern zum Opfer. Bis vor wenigen Jahren war es in Spanien legal, einmal im Jahr zu einem religiösen Anlass einen Ziegenbock vom Kirchturm zu werfen! Selbst wenn das heute verboten ist, wird es doch teilweise noch praktiziert. Möchte jemand ernsthaft behaupten, dass diese Traditionen es würdig sind, aufrecht erhalten zu werden? Wieso also nicht auf die Gans oder Forelle verzichten?

"Tiere fressen doch auch andere Tiere!"

Antwort: Du willst Dich also mit Raubtieren wie Löwen und Tigern vergleichen? Wer will schon selbst gefressen werden, ein Mensch ist im Vergleich zu Raubtieren langsam und wäre damit ein freier Wildbahn ein Opfer. Wir haben weder Reisszähne noch Krallen, um unsere Opfer zu zerfetzen. Eher im Gegenteil, denn unsere rechteckigen Mahlzähne sind für das Zermahlen von Getreide und anderer pflanzlicher Kost geradezu geschaffen. Außerdem ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Darmlänge für das Verdauen von bestimmter Nahrung sehr entscheidend ist. Unser relativ langer Darm eines Pflanzenfressers ist ebenso ungeeignet für die Verdauung von schnell faulendem Fleisch wie der kurze Darm des Tigers für die Verdauung eines Frischkornmüslis. Hier mag Widerspruch kommen, der sich zum Beispiel so liest: "Unser Darm ist nur bedingt geeignet, um Pflanzen zu verdauen. Ohne die Coli-Bakterien in unserem Darm wäre das fast gar nicht möglich. Für den Menschen ist es leichter, Fleisch zu verdauen, da die Anordnung der Aminosäuren in den Nährstoffen der des Menschen sehr ähnlich ist. Deshalb ist auch der Aufwand zur Umwandlung in körpereigene Nährstoffe geringer."

Widerspruch kommt auch manchmal schon bei der Bemerkung, dass Menschen keine Reisszähne mehr hätten. Zum Beispiel "Wir haben sehr wohl Reste von Reisszähnen (nämlich unsere Eckzähne), die wir als reine Pflanzenfresser so wohl nicht benötigt hätten." Aber es sind, wie gesagt, maximal Reste. Mit diesen Rudimenten wäre kein Mensch in der Lage, sich in die Haut einer Kuh oder gar eines Schweins zu bohren, dem Tier das Genick zu durchbeißen oder es an Blutverlust sterben zu lassen und sich danach das Fleisch portionsgerecht einzuverleiben. Interessant wäre auch, zu sehen, ob nicht schon die Menschenaffen solche rudimentären Reisszähne besitzen. Davon ausgehend, dass unsere Reisszähne im Vergleich zu denen der Menschenaffen, die trotz weniger Ausnahmen zum großen Teil vegan leben, einfach nur lächerlich sind, kann mensch annehmen, dass wir Menschen noch viel mehr für den Veganismus prädestiniert sind.

Außerdem jagen sich die Tiere ihre Mahlzeiten selber. Würdest Du immer noch Kühe essen, wenn Du ihr erst in die Augen schauen müsstest, ihr dann das Messer durch die Haut jagst und während ihren Todesschreien das Blut aus der Wunde spritzt? Hier kann der Einwand kommen, dass es in unserer "hochzivilisierten, arbeitsteilenden" Gesellschaft einfach nicht mehr nötig wäre. Der Einwand ist nur bedingt richtig, da es ja um das Schlachten des Tieres und nicht um das Teilen der Arbeit geht. Du erntest dein Gemüse auch nicht selber. Die Arbeitsteilung kann komplett vegan betrieben werden, das Schlachten erfordert aber immer ein Tier, das stirbt. Ein anderer Einwand ist das Vorhandensein von Aasfressern, die Fleisch essen, es aber nicht selber töten. Das ist in der Tierwelt nur ein statistisch zu vernachlässigender Teil.

Desweiteren ist es sehr verwunderlich, dass gerade die Menschen, für die der Mensch dem Tier gegenüber höhergestellt ist, sich plötzlich mit fleischfressenden Tieren vergleichen und sich somit doch wieder auf eine Stufe begeben. Wenn der Mensch sich durch andere Tiere durch mehr (?) Intelligenz unterscheidet, wieso sollte er dann nicht einsehen, dass Fleisch für seine tägliche Ernährung unnötig ist und deshalb davon ablassen? Jeder Mensch ist eine freie Persönlichkeit, die ab einem gewissen Alter selbständig denken und handeln können sollte. Fleisch nur deshalb zu essen, weil dies einige Tiere tun, ist kein schönes Beispiel für die kulturelle und soziale Weiterentwicklung des Menschen. Einerseits versuchen einige Menschen, ihren Fleischkonsum damit zu begründen, dass sie als Menschen das Recht dazu haben, weil sie angeblich viel fortgeschrittener sind, aber anderseits wollen sie sich wieder auf die Tierwelt berufen, dass die es ja genauso machen. Einige Tiere wälzen sich auch im Schlamm oder essen Würmer. Nur deshalb brauchen wir es doch nicht genauso zu machen!

Außerdem fressen nicht alle Tiere andere Tiere. Der überwiegende Teil der Tiere besteht aus Pflanzenfressern, leben also vegan. Außerdem ernähren sich die Fleischfresser auch selber wiederum nur von Pflanzenfressern, ohne diese könnten sie also gar nicht existieren. Andersherum wäre das aber gut möglich. Hinzu kommt, dass fleischfressende Tiere gar keine andere Möglichkeit haben, außer Tiere zu essen. 1. sie jagen aus Instinkt, 2. weil die Umgebung selber manchmal nicht genug Pflanzen hergibt, und 3. weil das Verdauungssystem dafür nicht geschaffen ist und sie die Nährstoffe der Pflanzen nicht verarbeiten könnten. Wenn Menschen sagen, der Mensch sei Allesfresser, kann also alles essen, so mag das richtig sein. Er kann alles essen, muss aber nicht. Wir haben uns so weit entwickelt, dass wir ohne Probleme auch ohne tierische Nahrung auskommen können.

"Aber den VeganerInnenn fehlen doch bestimmt viele Nährstoffe?"

Antwort: Wieviele Nährstoffe kannst du aufzählen, die im Fleisch enthalten sind? Sicher nicht viele, denn es sind nicht viele. Das Muskelfleisch von Schlachttieren enthält durchschnittlich etwa 3-30% Fett, 21% Eiweiß, 1% Mineralsalze (z.B. Kochsalz, Kalzium, Phosphorsäure), 0,5% Kohlenhydrate, 70-75% Wasser und Vitamine.

Das Fett, das Eiweiß und die Kohlenhydrate können problemlos pflanzlich ersetzt werden. So enthält Schweinefleisch zum Beispiel nur Spuren von Kohlenhydraten, Reis aber fast 75% und Kartoffeln 20%. Im Durschschnitt ist tierisches Eiweiß im Gegensatz zu pflanzlichem hoch konzentriert. FleischesserInnen nehmen deshalb oft zuviel Eiweiß auf, was unter anderem die Bauchspeicheldrüse belastet, die das Enzym für die Eiweißverdauung herstellt und der Krebsentstehung entgegenwirkt. Sehr eiweißhaltig sind unter anderem alle Arten von Nüssen, Getreide und Sojamehl. Fett ist in pflanzlichen Ölen (Margarine) vorhanden.

Auch Mineralstoffe sind in pflanzlicher Kost ausreichend vorhanden. Kalzium ist in Tofu 4x mehr vorhanden als in Kuhmilch und auch in Nüssen oder getrockneten Früchten ist Kalzium vorhanden. Vitamin A, B1, B2, C, E und K sind in Obst und Gemüse (Spinat, Karotten), teilweise auch in Getreide (Weizen, Roggen) mehr als ausreichend vorhanden. Vitamin D kann der Körper selber unter Einwirkung von Sonnenlicht produzieren. Problematisch könnte die Versorgung mit B12 und Eisen werden. Allerdings benötigt der Körper davon nur sehr geringe Mengen, die er auch lange speichern kann. Die natürliche Quellen sind Mikroorganismen, die allerdings bei einer chemischen Landwirtschaft meist abgetötet werden. Obst und Gemüse aus biologischem Anbau sind deshalb vorzuziehen. Viel Eisen ist aber zum Beispiel in Paprika oder Brokkoli enthalten. Gleichzeitig erhöht Vitamin C die Möglichkeit des Körpers, Eisen aus der Nahrung zu gewinnen. Auch Jodmangel braucht heute unter anderem durch das häufigere Einsetzen von Jodsalz nicht mehr befürchtet werden.

Außerdem beweist die immer größer werdende Schar der weltweiten VeganerInnen täglich das Gegenteil und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie eine längere Lebenserwartung haben. Eine ausgewogene und gut bedachte vegane Kost ist sogar für Kinder und Schwangere sehr gut möglich.

"Fleisch ist ein Stück Lebenskraft bzw. Du musst Fleisch essen/Milch trinken, damit du gesund bleibst und groß und stark wirst"

Antwort: Es ist erstaunlich, wie oft dieses Argument kommt (der verdummenden Werbung der Tierausbeutungsindustrie sei dank), den mittlerweile müsste sich durch viele Studien die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass Fleisch durch den hohen Fettanteil (zudem Cholesterinanteil von durchschnittlich 20 %, Pflanzen hingegen enthalten gar kein Cholesterin) einer der Hauptgründe für Herzinfarkt, Bluthochdruck und Übergewicht ist. Bei Milch sieht es auch nicht besser aus. Jedes Krebsforschungsinstitut wird bestätigen, dass VegetarierInnen und erst recht VeganerInnen eine viel niedrigere Krebserkrankungs- und -todesrate haben. Fleisch ist nur ein Stück Lebenskraft, solange es lebt.

"Die Tiere werden doch kurz und schmerzlos geschlachtet"

Antwort: Wieso müssen dann viele Kühe mit Elektroschocks zur Schlachtung getrieben werden, wenn diese Prozedur schmerzlos wäre? Glaubst Du ernsthaft, dass Tiere keinen Schmerz spüren, wenn sie getötet werden? Wie erklärst Du Dir dann die Todesschreie? Soll das ein Halleluja sein? Und selbst wenn der Schlachtakt relativ kurz sein sollte, was längst nicht immer der Fall ist, folgt danach immer noch der Tod. Wenn Du wählen könntest zwischen einem kurzen "schmerzlosen" Tod und dem Leben, was würdest Du nehmen?

Ein Schlachter, der einsah, dass Tiere doch Schmerzen empfinden, benutzte einen anderen Argumentationsansatz: "Weshalb soll die Fähigkeit, Schmerzen empfinden zu können, Wesen in eine höher zu bewertende Stellung befördern? Ich glaube, dass diese Fähigkeit von der Evolution nur aus pragmatischen Gründen etabliert wurde." Das heißt für ihn, egal ob Schmerz oder nicht, getötet wird trotzdem. Da unterscheiden sich VeganerInnen von Schlachtern. Wir wollen eben keinem Individuum Schmerz zufügen, ob das Wesen dadurch nun höhergestellt ist oder nicht. Wir möchten die Ameise auch nicht über den Menschen stellen, aber werden trotzdem nicht absichtlich eine Ameise zertreten.

Ein Imker behauptet: "Bienen können keine Schmerzen empfinden. Meine persönlichen Beobachtungen deuten darauf hin. Wenn einer Biene der komplette Hinterleib abreißt, wird sie anschließend trotzdem noch unbeeindruckt am süßen Honig naschen." Ob die Biene ohne Hinterleib am Honig ganz "unbeeindruckt" nascht, möchte ich bezweifeln. Sehen man einer Biene an, dass sie lacht? Wenn nein, wie will man dann sagen können, dass die gleiche Biene NICHT weint bzw. Schmerzen fühlt?

"Dafür töten VegenarInnen ja die armen Pflanzen!"

Antwort: FleischesserInnen töten aber über den Umweg Tier (da die Kuh oder das Schwein jede Menge Pflanzen erst zu sich nehmen muss, bis dann am Ende Leichenteile für den/die gewissenloseN FleischesserIn dabei rauskommen) 10x mehr Pflanzen als VeganerInnen, die die Pflanzen direkt zu sich nehmen. Somit könnte durch rein pflanzliche Ernährung auch sehr viel Hunger in den Entwicklungsländern beseitigt werden. Die Natur hat die Früchte zum Verzehr geschaffen, da diese als Transportmittel für die Verbreitung der Samen genutzt werden.

Andere FleischesserInnen versuchen, dieses Thema philosophisch zu sehen, um ihren Fleischkonsum zu rechtfertigen. Dann kommen Sätze wie: "Es ist aberwitzig, dass der Wert eines Tieres höher stände als der Wert einer Pflanze. Keine Lebensform hat einen besonderen Wert, auch die der Tiere nicht (damit auch das Leben des Menschen nicht). Das Leben an sich ist das Ergebnis zwangsläufiger Entwicklungen, welche die Gesetze der Evolution vorschreiben. Kern der Lebens- und Entwicklungsgrundlage aller Tiere ist der Verzehr anderer Lebewesen." Klingt interessant? Ist aber unlogisch. Diese Argumentationslinie setzt voraus, dass Menschen, Tiere und Pflanzen gleich seien, es demnach auch egal sein kann, was wir essen. Doch dann könnten wir ja ebensogut andere Menschen essen, wenn keine Lebensform einen Wert an sich hätte.

Aber zurück zu obigem Einwand, dass Leben das Ergebnis zwangsläufiger Entwicklungen sein. Schon in der Schule wurde gelehrt, dass die Evolution nicht zwangsläufig, sondern zufällig geschieht. Auch nach Darwins Theorien, auf die anscheinend angespielt werden soll, ist der Kern des Lebens nicht der Verzehr anderer Lebewesen, sondern das Überleben. Wenn dies fleischlos geschehen kann, so spricht nach seiner Theorie nichts dagegen. Übrigens existieren auch andere Theorien (z. B. Kropotkin), dass die Grundlage des Zusammenlebens Solidarität und nicht Rivalität sei.

"Ich mag einfach den Geschmack von Fleisch"

Antwort: Es gibt genügend vegane Produkte, die durch raffinierte Würzung haargenau wie Fleisch schmecken. Wer also unbedingt ab und zu seinen Gaumen mit Leberwurst kitzeln muss, kann das längst auch vegan tun. Mit veganen Würstchen (Tofu, Seitan etc.) braucht selbst auf den Grillabend nicht verzichtet zu werden. Es muss auch bedacht werden, dass Fleisch seinen typischen Geschmack erst durch Würzung und Zubereitung (die Fette und Öle) erhält. Gemüse, Obst und Nüsse können generell problemlos roh gegessen werden (meist mit mehr Geschmack als nach kochen, backen etc.). Der springende Punkt ist natürlich, dass der Geschmack nicht das Töten rechtfertigt.

"Vegane Ersatzprodukte wie Tofu sind zu teuer!"

Antwort: Teilweise mag dies stimmen, doch eine der Ursachen dafür ist, dass es immer noch relativ wenig Leute sind, die VeganerInnen sind, und vor allem die Massentierhaltung für Fleisch, Milch und Eier natürlich mit unendlich vielen EU-Subventionen aus unser aller Steuern gefördet wird. Durch das Gesetz der Angebot und Nachfrage würden die Preise schnell fallen, wenn die Zahl der VeganerInnen steigt, denn dann kann in größeren Mengen produziert werden. Im Kontrast dazu ist Fleisch nur so billig durch die Massentierhaltung und die automatisch damit verbundene Tierquälerei. Sog. Öko-Fleisch von Bio-Bauern, die keine Massentierhaltung betreiben, ist wesentlich teurer. In der Nachkriegszeit lebten viele Menschen notgedrungen vegetarisch, da Fleisch für sie unerschwinglich war.

"Fische sind aber keine richtigen Tiere und spüren keinen Schmerz"

Antwort: Nein? Was sind sie dann? In welche Kategorie würden Sie sie einordnen: Menschen, Tiere oder Pflanzen? Wahrings Dt. Wörterbuch definiert Fleisch als "Weichteile des [...] tierischen Körpers, die essbaren Teile des tierischen Körpers.“ Fische sind Wirbeltiere wie der Mensch,  somit ist auch Fisch Fleisch und damit für VegetarierInnen und erst recht VeganerInnen nicht akzeptabel. Nur weil Fische nicht schreien können, heißt das noch lange nicht, dass sie keinen Schmerz spüren. Sie haben genauso wie alle anderen Tiere Nervenzellen, die Schmerz übertragen. Außerdem werden beim Fang von Fischen mit Treibnetzen auch viele Delphine, Wale, Tümmler, Robben, Schildkröten, Haie und Seevögel getötet. Von den Aalen aus Fischfarmen sterben 50% vor der Schlachtung. Für einen gekauften Aal mussten also zwei Aale sterben.

"Wenn Du kein Fleisch isst, nimmst du den Bauern, Metzgern etc. die Lebensgrundlage!"

Antwort: Nicht alle Bauern verkaufen ausschließlich Fleisch und Fleischprodukte. Sie können ihre Produktion nach einer Übergangszeit problemlos auf pflanzliche Erzeugnisse umstellen. Zudem werden die Arbeitsplätze nicht vernichtet, sondern umgelagert. Die Menschen hungern ja dann nicht, sondern essen einfach etwas anderes. Außerdem wären nach dieser Argumentationslinie auch Kriege zu rechtfertigen, damit Söldner und Waffenfabrikanten Arbeit haben.

speziell zu Öko-Bauern Behauptung:

"Als Bio-Bewirtschafter bin ich auf den tierischen Dünger angewiesen. JedeR VeganerIn, der Bio-Produkte vorzieht, muss wissen, dass zur Erzeugung dieser (pflanzlichen) Nahrungsmittel Tiere gehalten werden mussten."

Antwort: Es gibt bio-veganen Anbau, der komplett ohne tierische Düngemittel auskommt. Zum Anderen könnte auch menschlicher Dung verwendet werden.

"Als Landwirt muss ich das produzieren, was auf dem Markt gefragt ist. Der Markt an pflanzlichen Nahrungsmitteln ist übersättigt. Bei den tiefen Weltmarktpreisen kann ich mit meiner kleinen Ackerfläche nicht mithalten."

Antwort: Wenn mehr Menschen vegan leben würden, würde sich auch die Nachfrage und folglich die Preise erhöhen. Außerdem ist das eine gesellschaftssystematische Frage. Es sind Lebensmittel im Überfluss vorhanden (Stichwort Milchseen, Butterberge), die aber aufgrund eines künstlichen Marktdrucks vernichtet werden, um die Preise hoch zu halten. Hier muss unbedingt die Kritik am kapitalistischen System ansetzen.

"Meine Tiere haben keinen Stress. Sie haben Beschäftigungsmöglichkeiten und Auslauf."

Antwort: Es ist schön, dass Ihre Schweine (wenn Lebewesen besessen werden können) keinen Stress, aber Auslauf haben. Doch getötet werden sie ja trotzdem vorsätzlich, dagegen richtet sich unsere Hauptkritik. Eine artgerechte Tierhaltung richtet sich nach den Bedürfnissen der Tiere, wie sie in der freien Wildbahn entstehen. Der vorzeitige Tod gehört garantiert nicht zu den Bedürfnissen eines Tieres. Deshalb kann eine Tierhaltung, dessen Ziel die Schlachtung ist, nie artgerecht sein.

"Ich liebe meine Tiere. Niemanden schmerzt es mehr als mich, sie zum Metzger zu bringen."

Antwort: Das klingt doch mehr als sarkastisch. Wen ich liebe, den töte ich nicht. Einige Bauern werfen an dieser Stelle ein, dass sie aber unter einem ökonomischen Druck stehen, sprich: irgendwie Geld verdienen müssen. Hier muss wieder die Kritik an diesem kapitalistischen System ansetzen, welches zulässt, dass Lebensmittel vernichtet werden, um mehr Profit mit dem Rest zu verdienen.

"Nur wenige Arten haben Existenznischen gefunden, in denen ein Überleben möglich ist, ohne andere Lebewesen zu verzehren. Zu ihnen gehören auch die Bienen. Sie bieten bei sorgfältiger Bewirtschaftung dem Menschen Honig, durch dessen Verzehr kein Tier Schmerzen erleiden muss."


Antwort:
Auch der Mensch hat eine Nische gefunden, in der er ohne Fleisch/Fisch leben könnte. Tiere sammeln Nahrung immer für einen bestimmten Zweck (Wintervorrat, Versorgung des Nachwuchses, ...). Für den Menschen sammeln Bienen den Honig garantiert nicht, sondern als Nahrung für sich selber. Die Bienenkönigin kann sich doch nur aus einem bestimmten Honigmix bilden, der ihr schon im frühen Stadium verabreicht wird.

Häufige Fragen:

Haustiere? Grundlagenartikel!
Das erste Bild zeigt die in schönem Licht ausgeleuchteten Reihen einer Legebatterie, das den schönen Schein bei dieser hässlichen Wirklichkeit wahren soll. Das zweite Bild zeigt viele kleine gelbe Küken, den denen die männlichen immer aussortiert werden.
In schönen Schein gerückte Legebatterie
Männliche Küken sind überflüssig und werden geschreddert