Berlin-Vegan: Einführung Tierrechte

Einführung Tierrechte

Seit sich unsere Gesellschaft über die Reglementierung des menschlichen Verhaltens gegenüber anderen Tieren Gedanken machte, beschränkte sich die Aufmerksamkeit auf das Verbot absichtlicher, gewollter, bösartiger und offensichtlicher Grausamkeit. In der Tradition Kants, der Rohheit gegen Tiere deshalb für verwerflich erklärte, weil sie zur Rohheit gegen Menschen führe, fand diese minimalistische Ethik ihren Ausdruck in Gesetzen gegen die grausame Behandlung von Tieren, die außer zum Schutz der Tiere auch und vor allem erlassen wurden, um Sadisten und Psychopathen bestrafen zu können.

Die durch uns Menschen verursachten Leiden der Tiere in der heutigen Gesellschaft sind jedoch mehrheitlich nicht die Folge pathologischer Grausamkeiten. Sie ergeben sich aus der ganz "normalen" Verwendung der Tiere aus gesellschaftlich anerkannten Motiven, sei es der angebliche medizinische Fortschritt zum Wohl des Menschen, Bestrebungen nach mehr Produktivität und Wirtschaftlichkeit oder das Bedürfnis nach Spaß und Kurzweil. Da den Menschen doch irgendwann zu dämmern begann, dass Leiden dabei die Regel und nicht etwa die Ausnahme sind, fand man den Kompromiss, Tieren solle kein "unnötiges" Leid zugefügt werden.

Tatsächlich aber hat die Gewalt gegen Tiere in der westlichen angeblich so zivilisierten Welt des beginnenden 21. Jh. einen nie da gewesenen negativen Höhepunkt erreicht. Noch nie war der Gebrauch von Tieren für alle möglichen Interessen so skrupellos wie heute. Zu Tausenden in kleinen und großen Zirkussen zur Zwangsarbeit verdonnert, zu Hunderttausenden in Knästen namens Zoo der Freiheit beraubt, um uns zu unterhalten; zu Millionen und Milliarden zu lebenslanger Bewegungslosigkeit in den Mastställen verdammt, Hühner in der Batterie, Kühe in Boxen an Ketten, Schweine mit Gurten so festgezurrt, dass sie sich bei einem Jucken noch nicht einmal kratzen können - eine chinesische Foltermethode aus finsterer Tyrannenzeit. 

Vor dem Hintergrund des gnadenlosesten Feldzugs der Menschheit im Tarnmantel tierlieber und tierschützerisch gesinnter Zivilisation hat sich weltweit die Tierrechtsbewegung aus VeganerInnen gegründet, zu der unser Berliner Veganbündniss sich ebenfalls zählt. Die Idee war, mit Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit die Wahrheit über das Elend der Tiere gnadenlos und ohne jegliche Schönfärberei aufzudecken und zu -zeigen. Die alte Schutzidee, Tieren, die wir benutzen, ein Leben zu ermöglichen, das ihrem Wesen entspricht, wurde endgültig aufgegeben. Wir TierrechtlerInnen wollen gegen die Selbstverständlichkeiten antreten, in Tieren überhaupt Gegenstände zum Benutzen zu sehen. Man ändert Ungerechtigkeiten nicht, indem man sie in ein Schema einordnet. Dieser Ansatz in der Geschichte der menschlichen Sorge um das Wohl der Tiere hat in den USA und Großbritannien bereits eine breite Basis der Zustimmung erfahren und ist weltweit auf dem Vormarsch.

Hierzulande mag die Forderung nach Grundrechten für Tiere und (analog zu anderen Befreiungsbewegungen in der Geschichte der Menschheit) nach Befreiung der Tiere aus der Tyrannei des Menschen noch ungewohnt klingen. Eine Ethik, die sich auf eine Reglementierung des Unrechts beschränkt, zielt aber nicht auf das Wesentliche. Ohne das Zugeständnis fundamentaler Eigenrechte werden die Bedürfnisse der Tiere nicht wirklich ernst genommen werden. Bis diese Erkenntnis Allgemeingut wird, ist es ein langer Weg. Doch wir werden unser hochgestecktes Ziel nicht aus den Augen verlieren, dabei aber auch keine Gelegenheit auf dem Weg dahin versäumen, akutes Leiden zu vermindern. Im Gegensatz zu anderen unterdrückten Gruppen können die Tiere nicht für ihre Rechte kämpfen und sprechen keine Sprache, die wir verstehen würden. Doch es gab in der Geschichte schon immer machtlose Unterdrückte, für die sich andere einsetzen mussten.

Moral erfordert ein Zusammenwirken von Vernunft und Emotionen und bezieht ihre Kraft durch Sympathie, aus dem Mitgefühl mit anderen Wesen. Dieses Mitgefühl zwingt uns, auf die Not der Entrechteten mit Taten zu reagieren. Was elementare Rechte betrifft gibt es keinen "Extremismus". Wer begriffen hat, dass Tiere wie wir den gleichen Anspruch auf Schutz ihres Interesses am Leben, an Freiheit und an körperlicher und psychischer Unversehrtheit haben, dem muss die Forderung nach Mäßigung, Kompromissen und Toleranz wie blanker Hohn erscheinen.

Wir wissen, dass grundsätzliche rechtliche Veränderungen unerträglich viel Zeit in Anspruch nehmen, zumal mit enormer Macht und vor allem Geld ausgestattete Interessengruppen dagegen stehen. Deshalb sehen wir unsere wesentlichste Aufgabe darin, die breite Öffentlichkeit mit unseren Forderungen vertraut zu machen und sie zu begeistern für die Idee nach mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft, die die entrechteten Tiere unbedingt mit einbezieht. Wir werden nicht ablassen im Kampf für die Tiere, auch, wenn unsere Gegner übermächtig erscheinen. Wir wissen, wenn moralischer Fortschritt seinen Lauf nimmt, werden die Hindernisse vielfältig sein und der Widerstand derjenigen, dessen Interessen bedroht sind, groß sein. Doch die Tiere sind auf uns, die wir ihr Elend erkannt haben, angewiesen, sonst wird sich auch in 100 oder 1.000 Jahren nichts geändert haben. Helft mit, das Schweigen zu brechen - für eine gerechtere Welt.

Haustiere? Grundlagenartikel!
Das erste Foto zeigt das Auge einer Kuh und es wirkt sehr traurig. Das zweite Foto zeigt einen Tiertransporter, in dem man die darin eingesperrten Tiere hinter den dicken Gitterstäben nur schwer ausmachen kann.