Berlin-Vegan: Ethik und Moral, Veganismus und Weltanschauungen

Ethik und Moral, Veganismus und Weltanschauungen

Vortrag von Barbara Hohensee anlässlich der veganen Schnupperwochen des Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan, im Januar 2010.

Ein­lei­tung

Mein The­ma lau­tet Ethik und Mo­ral, Ve­ga­nis­mus und Welt­an­schau­un­gen. In den 45 Mi­nu­ten, die mir zur Ver­fü­gung ste­hen, wird es mir mög­li­cher­wei­se ge­lin­gen, Euch zu er­schöp­fen. Ei­ne er­schöp­fen­de Be­hand­lung des The­mas ist mir in die­ser Zeit nicht mög­lich, wie in der Vor­be­rei­tung im­mer kla­rer wur­de. Ich ha­be mei­ne Ent­wür­fe, die im­mer abs­trak­ter und un­ver­ständ­li­cher wur­den, schließ­lich frus­triert zur Sei­te ge­legt.
Ich möch­te Euch statt­des­sen zu­nächst er­zäh­len, wie ich zum Ve­ga­nis­mus kam. Bis vor et­wa 8 Jah­ren er­nähr­te ich mich om­ni­vor, aß al­so auch Fleisch. Das war kei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung, son­dern so­zu­sa­gen ei­ne fa­mi­liä­re Tra­di­ti­on. Ich hat­te ge­lernt, dass Fleisch, das mir durch­aus schmeck­te, zu ei­ner ge­sun­den Er­näh­rung ge­hört, und die­se Be­haup­tung nicht wei­ter hin­ter­fragt. Da­bei hielt ich mich für tier­freund­lich, leb­te mit ge­lieb­ten Kat­zen zu­sam­men und war schon län­ger Mit­glied in ei­nem Tier­schutz­ver­ein.
An­fang 2002 hör­te ich im Ra­dio Be­rich­te über ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, mit der ei­nem mus­li­mi­schen Metz­ger das Schäch­ten, al­so das be­täu­bungs­lo­se Tö­ten von Scha­fen und Rin­dern, ge­stat­tet wur­de. Die Aus­wir­kun­gen auf die be­trof­fe­nen Tie­re wur­den sehr nüch­tern, aber de­tail­liert be­schrie­ben. Ich ver­setz­te mich in die La­ge die­ser Tie­re und war völ­lig fas­sungs­los und ver­zwei­felt. Ich konn­te nicht ver­ste­hen, dass ei­ne sol­che Pra­xis, die ge­gen tier­schüt­ze­ri­sche Grund­sät­ze zu ver­sto­ßen schien, er­laubt sein soll­te.
Da­mit be­gann mei­ne kur­ze Kar­rie­re als klas­si­sche Tier­schüt­ze­rin. Ich woll­te nun­mehr ak­tiv Tier­schutz be­trei­ben, schrieb Le­ser­brie­fe und in­for­mier­te mich über die mehr oder we­ni­ger le­ga­le Be­hand­lung der Tie­re in un­se­ren Mas­sen­tier­hal­tun­gen und Schlacht­häu­sern. Die Kon­se­quenz war, dass ich die Res­te von Fleisch, die sich im Kühl­schrank be­fan­den, nicht mehr es­sen konn­te. Der in­ne­re Wi­der­wil­le war zu stark.
Ich er­nähr­te mich al­so ve­ge­ta­risch und er­fuhr im­mer mehr über die Le­bens- und Tö­tungs­be­din­gun­gen der so ge­nann­ten Nutz­tie­re, zum Bei­spiel der sog. Le­ge­hen­nen (in­klu­si­ve der Ver­nich­tung der Ein­tags­kü­ken) und der sog. Milch­kü­he (in­klu­si­ve der Tö­tung und Ver­wer­tung der männ­li­chen Käl­ber). Die­se Be­din­gun­gen schie­nen mir un­ak­zep­ta­bel, und ich woll­te sie als Kon­su­ment nicht wei­ter un­ter­stüt­zen. Al­so wur­de ich nach ei­ni­gen Mo­na­ten Ve­ga­ne­rin. Mei­ne Sor­ge, kaum noch Ab­wechs­lung auf dem Tel­ler zu ha­ben, er­wies sich schnell als un­be­grün­det. Ei­ne Vor­stel­lung von der über­ra­schen­den Viel­fäl­tig­keit der Mög­lich­kei­ten rein pflanz­li­cher Er­näh­rung habt ihr ja in­zwi­schen be­kom­men.

Bio­lo­gi­sche Zu­ord­nun­gen

Ich stell­te mir die Fra­ge, wa­rum es in Ord­nung sein sol­le, zum Bei­spiel Kü­he und Schwei­ne, nicht aber Hun­de und Kat­zen zu tö­ten und zu ver­zeh­ren. Auf die­se Fra­ge konn­te mir der klas­si­sche Tier­schutz kei­ne be­frie­di­gen­de Ant­wort ge­ben. Der Satz „das ha­ben wir schon im­mer ge­macht“ ist kein Ar­gu­ment, zu­mal sich mit ihm auch die scheuß­lichs­ten Ver­hal­tens­wei­sen ge­gen­über un­se­ren Mit­men­schen schein­bar recht­fer­ti­gen lie­ßen.
Auf der an­de­ren Sei­te zei­gen die zahl­lo­sen Miss­stän­de in der Be­hand­lung der so ge­nann­ten Nutz­tie­re, dass der klas­si­sche Tier­schutz nicht aus­reicht, um auch nur die ele­men­tars­ten In­ter­es­sen der Tie­re zu wah­ren. Wer hier­an zwei­felt, soll­te das Buch des ehe­ma­li­gen Ve­te­ri­när­di­rek­tors Fo­cke „Tier­schutz in Deutsch­land. Ein Eti­ket­ten­schwin­del“ le­sen. In­zwi­schen nei­ge ich der Auf­fas­sung zu, dass un­ser Tier­schutz­ge­setz, das bei kon­se­quen­ter An­wen­dung die Si­tua­ti­on un­zäh­li­ger Tie­re im­mer­hin er­heb­lich ver­bes­sern wür­de, in der Tat ein Eti­ket­ten­schwin­del ist, weil es im all­ge­mei­nen Ein­ver­ständ­nis der Han­deln­den (Tier­aus­beu­ter, Tier­ärz­te, Be­hör­den, Po­li­ti­ker) prak­tisch kaum um­ge­setzt wird. Man könn­te sa­gen, dass das Tier­schutz­ge­setz den Schlaf der Ver­brau­cher schützt, die al­lein durch sei­ne Exis­tenz und die lo­ben­den Sonn­tags­wor­te von Po­li­ti­kern, die es bes­ser wis­sen oder bes­ser wis­sen müss­ten, in der ir­ri­gen Vor­stel­lung ge­hal­ten wer­den, es sei al­les in Ord­nung.
Auch dies ge­schieht al­ler­dings, zu­min­dest bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad, im all­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis. Das je­den­falls ist die Er­fah­rung, die ich in zahl­rei­chen Ge­sprä­chen mit Freun­den oder Be­kann­ten ge­macht ha­be. Tier­quä­le­rei leh­nen sie, selbst­ver­ständ­lich, al­le auf das Schärfs­te ab. De­tails über die tat­säch­lich statt­fin­den­de Be­hand­lung der Tie­re möch­ten sie lie­ber nicht er­fah­ren. Kon­se­quen­zen für das ei­ge­ne Ver­hal­ten wer­den kaum ge­zo­gen. Oh­ne­hin be­teu­ern fast al­le, kaum noch Fleisch oder al­len­falls Bio­fleisch zu es­sen. Dass das nicht stimmt, be­wei­sen ih­re Be­stel­lun­gen im Re­stau­rant. Ent­schei­dend ist, dass vie­le Men­schen Angst vor Ver­än­de­run­gen ha­ben, ins­be­son­de­re, wenn sie die­se als ein­schrän­kend emp­fin­den. Auch wol­len sie kein Leid emp­fin­den, und sei es in Form von Mit-Leid.
Um bes­ser ar­gu­men­tie­ren zu kön­nen, ha­be ich mich in­ten­siv mit den ge­schicht­li­chen, re­li­giö­sen und phi­lo­so­phi­schen Grund­la­gen un­se­res Ver­hält­nis­ses zu den Tie­ren be­fasst. Be­vor ich euch aber mei­nen gro­ben Über­blick über ver­schie­de­ne An­sät­ze vor­stel­le, ei­ne ge­rech­te­re Be­hand­lung der Tie­re zu be­grün­den, möch­te ich da­vor war­nen, den prak­ti­schen Ein­fluss sol­cher Ide­en zu über­schät­zen.
Bis­her ha­be ich ein­fach von Men­schen und Tie­ren ge­spro­chen und mich da­bei ei­ner ge­bräuch­li­chen Ab­gren­zung be­dient. Bio­lo­gisch ist klar, dass Men­schen auch Tie­re sind. Wir ge­hö­ren laut Grzi­meks En­zy­klo­pä­die der Säu­ge­tie­re zu den Her­ren­tie­ren oder Pri­ma­ten, Un­ter­ord­nung Halb­welt- oder Schmal­na­sen­af­fen, mit nur ei­ner heu­te le­ben­den Gat­tung (Ho­mo) und ei­ner Art (ho­mo sa­pi­ens). Rich­tig wä­re es al­so die Be­zeich­nung „die an­de­ren Tie­re“, aber das ist sprach­lich schwer durch­zu­hal­ten.

Ho­mo sa­pi­ens ist ent­ge­gen frü­her ganz herr­schen­der, aber auch heu­te noch ver­tre­te­ner An­schau­ung nicht in ers­ter Li­nie ver­nunft­ge­steu­ert. Als an­schau­li­ches Bei­spiel hier­für könn­te ei­gent­lich der trau­ri­ge, die Zu­kunft der ei­ge­nen Gat­tung ge­fähr­den­de Zu­stand die­ses von uns be­herrsch­ten Pla­ne­ten aus­rei­chen. In­zwi­schen ist aber auch wis­sen­schaft­lich er­wie­sen, dass un­se­re Ent­schei­dun­gen in viel stär­ke­rem Ma­ße durch un­se­re Ge­füh­le be­ein­flusst wer­den, als man dies frü­her an­nahm. Die­se Er­kennt­nis mag man­chen Men­schen nar­ziss­tisch krän­ken, so dass es zu Ab­wehr­re­ak­tio­nen kommt, wie sie et­wa ge­gen­über der Evo­lu­ti­ons­theo­rie zu be­ob­ach­ten wa­ren und sind. Wie es scheint, wächst ak­tu­ell die Be­we­gung der Krea­tio­nis­ten, die die Schöp­fungs­ge­schich­te im ers­ten Buch Mo­se für ei­ne wört­lich zu­tref­fen­de Be­schrei­bung der tat­säch­li­chen Ent­ste­hung des Le­bens hal­ten. Vie­le se­hen sich lie­ber als Got­tes Eben­bild, denn als na­hen Ver­wand­ten der Schim­pan­sen.

Grund­la­gen des Mensch-Tier-Ver­hält­nis­ses

Die Grund­la­gen des Mensch-Tier-Ver­hält­nis­ses sind in grau­er Vor­zeit ent­stan­den. Der durch­schnitt­li­che Stein­zeit­jä­ger wird, ver­mu­te ich, schon des­we­gen nicht dar­über nach­ge­dacht ha­ben, ob es ethisch rich­tig ist, ei­nen Hirsch zu tö­ten, weil von dem Jagd­er­folg sein und das Über­le­ben sei­ner Sip­pe ab­hän­gen konn­te. Auch der Hal­ter von Scha­fen oder Zie­gen in Ge­gen­den mit kar­ger Ve­ge­ta­ti­on mag auf das Schlach­ten und Es­sen von Tie­ren an­ge­wie­sen ge­we­sen sein. Hier­aus ent­ste­hen Ge­wohn­hei­ten, die selbst­ver­ständ­lich fort­ge­führt wer­den, auch wenn sich die tat­säch­li­chen Um­stän­de ge­än­dert ha­ben.
Sol­che Tra­di­tio­nen be­ru­hen häu­fig nicht auf be­wuss­ten Ent­schei­dun­gen, die nach sorg­fäl­ti­ger Ab­wä­gung der für und ge­gen be­stimm­te Hand­lun­gen spre­chen­den Grün­de ge­trof­fen wur­den. Viel­mehr be­nutzt ho­mo sa­pi­ens sei­ne Ver­nunft­be­ga­bung häu­fig da­zu, be­stimm­te Hand­lun­gen oder Zu­stän­de, an de­nen ihm ge­le­gen ist, nach­träg­lich zu recht­fer­ti­gen. So ging es letzt­lich auch mir mit dem Ve­ge­ta­ris­mus und dann dem Ve­ga­nis­mus. Die Ent­schei­dun­gen zur Ver­än­de­rung mei­nes Kon­sum­ver­hal­tens wa­ren be­reits ge­trof­fen, be­vor ich mich dar­um be­müh­te, hier­für nach­voll­zieh­ba­re Be­grün­dun­gen zu fin­den. Der ei­gent­li­che ethi­sche Im­puls ging vom Mit­ge­fühl aus. Nach mei­nen Er­fah­run­gen ist das der ty­pi­sche Ver­lauf. Es ist sehr schwie­rig, ei­nen ge­wohn­heits­mä­ßi­gen Fleisch­es­ser mit dem Gleich­heits­grund­satz oder un­ter Hin­weis auf an­de­re Sub­jek­te ei­nes Le­bens vom Ve­ga­nis­mus zu über­zeu­gen.
Da­mit soll kei­nes­wegs der Sinn phi­lo­so­phi­scher Be­grün­dun­gen für ei­ne grund­le­gend an­de­re Be­hand­lung der Tie­re in Fra­ge ge­stellt wer­den. Die un­ter­schied­li­chen An­sät­ze, aus de­nen sich teil­wei­se auch Schluss­fol­ge­run­gen über das Mensch-Tier-Ver­hält­nis hin­aus er­ge­ben, sind wich­tig und hilf­reich, so­wohl in der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Drit­ten als auch zur Über­prü­fung des ei­ge­nen Stand­punk­tes. Dass aber al­lein die in­tel­lek­tu­el­le Er­kennt­nis ei­nes Un­rechts, mag die Be­grün­dung auch lo­gisch noch so zwin­gend sein, vie­le Men­schen zu von ih­nen als grund­le­gend emp­fun­de­nen Än­de­run­gen ih­res Ver­hal­tens mo­ti­vie­ren kann, möch­te ich be­zwei­feln.

Plut­arch

Ich zi­tie­re nun Plut­arch, ei­nen grie­chi­schen His­to­ri­ker und Phi­lo­so­phen, der zwi­schen 45 und 120 nach Chr. leb­te:

„Du fragst mich, aus wel­chem Grund Py­tha­go­ras sich des Fleisch­es­sens ent­hal­ten ha­be? Ich da­ge­gen möch­te wis­sen, wel­che Lei­den­schaft, wel­che Ge­müts­stim­mung oder wel­cher ver­nünf­ti­ge Grund den Men­schen be­stimm­te, der zu­erst Blut mit dem Mun­de be­rühr­te und das Fleisch ei­nes to­ten Tie­res an sei­ne Lip­pen brach­te, wel­cher to­te Kör­per und Lei­chen als Zu­kost und Le­cker­bis­sen auf die Ti­sche setz­te und, um es ganz aus­zu­spre­chen, Glie­der, wel­che kurz zu­vor noch brüll­ten und kreisch­ten, sich be­weg­ten und sa­hen - wie das Au­ge das Schlach­ten, Ab­zie­hen und Zer­stü­cken an­se­hen, wie der Ge­ruch die Aus­düns­tung er­tra­gen konn­te, wie es dem Gau­men nicht vor der Ver­un­rei­ni­gung ekel­te, wenn er frem­de Ge­schwü­re be­rühr­te und Blut und Ei­ter aus töd­li­chen Wun­den sog. Viel­leicht las­sen sich je­ne Men­schen, wel­che zu­erst sich ent­schlos­sen ha­ben Fleisch zu es­sen, mit der Not ent­schul­di­gen... Was Wun­der al­so, wenn wir der Na­tur zu­wi­der, zum Fleisch der Tie­re grif­fen, zu ei­ner Zeit, da man Schlamm ver­schluck­te und Baum­rin­de nag­te, und wo es ein Glück war, frisch­kei­men­des Gras oder ei­ne saf­ti­ge Wur­zel zu fin­den., wo man für den Ge­nuss ei­ner Ei­chel oder Bu­chel vor Freu­den um den Baum tanz­te... Ihr aber, die ihr jetzt lebt, de­nen al­les Nö­ti­ge in sol­chem Über­fluss zu Ge­bo­te steht, wel­che Wut, wel­cher Wahn­sinn treibt euch zur Mord­lust? Was ver­leum­det ihr die Er­de, als ob sie euch nicht näh­ren könn­te? ... Nichts kann uns rüh­ren; nicht die blü­hen­de Far­be, nicht der Reiz der me­lo­di­schen Stim­me, nicht die geis­ti­ge Ge­wandt­heit, nicht die rein­li­che Le­bens­art, nicht die aus­neh­men­de Klug­heit der ar­men Tie­re. Um ei­nes Stück­chen Fleischs wil­len rau­ben wir ih­nen Son­ne, Licht und Le­ben, für die sie doch ge­schaf­fen sind. Dass nun aber das Fleisch­es­sen dem Men­schen nicht na­tür­lich ist, geht fürs Ers­te aus der Ein­rich­tung sei­nes Kör­pers her­vor. Denn mit kei­nem der auf Fleisch­es­sen an­ge­wie­se­nen Tie­re hat der mensch­li­che Leib ei­ne Ähn­lich­keit. Er be­sitzt nicht die Krüm­mung des Schna­bels, nicht die Schär­fe der Klau­en, nicht die Schnei­de der Zäh­ne, nicht die Stär­ke des Ma­gens und die in­ne­re Wär­me, wel­che die schwe­ren Fleisch­spei­sen ver­wan­deln und ver­dau­en kann. Im Ge­gen­teil hat die Na­tur durch die Glät­te der Zäh­ne, die Klein­heit des Mun­des, die Weich­heit der Zun­ge und die Schwä­che der Ver­dau­ungs­kräf­te von Hau­se aus das Fleisch­es­sen ver­schwo­ren. Be­stehst Du den­noch dar­auf, dass Du zu sol­cher Er­näh­rungs­wei­se ge­schaf­fen seist, so tö­te zu­erst selbst, was Du ver­zeh­ren willst, aber durch Dei­ne an­ge­bo­re­nen Waf­fen, nicht mit dem Schlacht­mes­ser, nicht mit Keu­le und Beil. Wie die Wöl­fe und Lö­wen selbst tö­ten was sie ver­zeh­ren, so er­wür­ge ein­mal ei­nen Stier mit ei­nem Ge­biss, zer­rei­ße ein Schwein, ein Lamm, ei­nen Ha­sen mit dem Ra­chen und ver­schlin­ge wie je­ne Dei­ne Beu­te halb le­bend!... Frei­lich ist es schwer, zu Bäu­chen zu re­den, die kei­ne Oh­ren ha­ben...“

Plut­arch wi­der­legt hier wort­ge­wal­tig die An­sicht, es sei für Men­schen na­tür­lich, Fleisch zu es­sen.

Py­tha­go­ras/Por­phy­ri­os

Auf Py­tha­go­ras, der ca. 570 vor Chr. auf Sa­mos ge­bo­ren wur­de, be­ruft sich auch Por­phy­ri­os, ein scharf­sin­ni­ger Kri­ti­ker des Chris­ten­tums, der im drit­ten Jahr­hun­dert nach Chr. leb­te.

„Wohl­an, so wol­len wir die gan­ze py­tha­go­rei­sche An­sicht ver­tre­ten, wo­nach al­les Le­ben­di­ge, was emp­fin­det und Er­in­ne­rung hat, auch ein ver­nünf­ti­ges We­sen ist. Ist das be­wie­sen, so steht dann ja auch fest, dass die Ge­rech­tig­keit sich auf sie er­stre­cken muss. Wer al­so die Wahr­heit über­haupt er­ken­nen will, wird hier­nach zu­ge­ben, dass die Tie­re ver­nunft­be­gabt sind. Wer frei­lich die Wahr­heit nicht se­hen, die Na­tur der Tie­re nicht er­ken­nen will, nun, der wird eben sei­ner Selbst­sucht – ih­nen ge­gen­über – den Zü­gel schie­ßen las­sen. Al­le, die die Wahr­heit über sie zu er­for­schen be­müht wa­ren, sie er­kann­ten auch, dass die Tie­re ver­nunft­be­gabt sind. Und nun be­trach­te ih­re See­len­af­fek­te, ob sie nicht ganz wie die uns­ri­gen sind! Vor al­lem die Emp­fin­dung! Ist nicht un­ser Schme­cken der Spei­sen, un­ser Se­hen der Din­ge, un­ser Rie­chen der Düf­te, un­ser Hö­ren der Tö­ne, un­ser Ge­fühl für Wär­me und Käl­te und so wei­ter ganz so wie bei den Tie­ren? Kommt das den Tie­ren nicht zu, weil sie kei­ne Men­schen sind, oder ha­ben sie des­halb nicht Teil an der Ver­nunft? - Dann müss­ten auch die Göt­ter kei­ne Ver­nunft ha­ben, weil sie kei­ne Men­schen sind, oder viel­mehr wir nicht, da die Göt­ter ja doch ver­nunft­be­gab­te We­sen sind! Im Ge­gen­teil aber, die Tie­re über­tref­fen an Sin­nen­schär­fe uns bei wei­tem! Da nun, wie un­se­re Geg­ner be­haup­ten, Ge­rech­tig­keit nur ge­gen­über ver­nünf­ti­gen We­sen statt­ha­ben kann, wa­rum sind wir nicht auch ge­gen die Tier­welt ge­recht? Tie­re ha­ben Ge­fühl, emp­fin­den Schmerz, ken­nen die Furcht und die Ver­let­zung: ge­gen sie kann man al­so un­ge­recht sein. Die Pflan­zen aber ha­ben kein Ge­fühl, für sie gibt es al­so auch nichts Frem­des, nichts Bö­ses, nichts Ver­let­zen­des, kei­ne Un­ge­rech­tig­keit, denn das Ge­fühl ist das Prin­zip al­ler Zu- und Ab­nei­gung; Die Zu­nei­gung ist aber nach den Stoi­kern wie­der die Vor­aus­set­zung al­ler Ge­rech­tig­keit. “

Nach Por­phy­ri­os sind Le­be­we­sen, die emp­fin­den und Er­in­ne­rung ha­ben, ver­nünf­ti­ge We­sen bzw. ver­nunft­be­gabt, so dass die Ge­rech­tig­keit sich auf sie er­stre­cken muss. Die Ar­gu­men­ta­ti­on wirkt, ab­ge­se­hen von der Be­zug­nah­me auf die Göt­ter, sehr mo­dern.

Chris­ten­tum

Von den gro­ßen mo­no­the­is­ti­schen Re­li­gio­nen möch­te ich nur das Chris­ten­tum be­han­deln, das das ethisch-mo­ra­li­sche Ge­dan­ken­gut un­se­rer Kul­tur ganz maß­geb­lich ge­prägt hat.
Die fun­da­men­ta­le und ver­bind­li­che Grund­la­ge des Glau­bens al­ler Chris­ten ist die Bi­bel in ih­ren kon­fes­sio­nel­len Aus­ge­stal­tun­gen. Die Bi­bel gilt in ih­ren bei­den Tei­len (sog. AT und NT) als das un­ver­än­der­li­che Wort Got­tes. Tat­säch­lich wur­den Tex­te der Bi­bel von den Amts­kir­chen häu­fig ver­än­dert. Freie Chris­ten ori­en­tie­ren sich in ih­rem Glau­ben nur an Tei­len der Bi­bel, so z.B. an den 10 Ge­bo­ten.
Nach der pries­ter­li­chen Schöp­fungs­ge­schich­te schafft Gott die Tie­re und an­schlie­ßend die Men­schen als sein Eben­bild (Ab­bild). Gott be­fiehlt den ers­ten Men­schen, sie soll­ten die Er­de be­völ­kern und sich al­le Tie­re (in Was­ser, Luft und auf der Er­de) un­ter­wer­fen (1;28). Dann weist Gott Men­schen zur Er­näh­rung Sa­men und sa­men­hal­ti­ge Früch­te, und al­len Tie­ren al­le grü­nen Pflan­zen zu (Gen.1;29,30), und Gott ist mit sei­ner Schöp­fung sehr zu­frie­den.
Wir hal­ten kurz fest: Men­schen er­fah­ren von Gott kei­ne Pri­vi­le­gie­rung hin­sicht­lich der Er­näh­rung. Sie sol­len sich eben­so ve­gan er­näh­ren wie al­le an­de­ren Tie­re. Pri­vi­le­giert wer­den Men­schen durch die Got­tes­eben­bild­lich­keit und den ih­nen er­teil­ten Herr­schafts­auf­trag über al­le Tie­re. Da­mit wird nicht nur die Hier­ar­chie­stel­lung des Men­schen über al­le Tie­re deut­lich, son­dern zu­gleich auch die dar­in lie­gen­de Hö­her­wer­tig­keit des di­rekt un­ter Gott ste­hen­den Men­schen. Die so­zi­al un­ter ihm ste­hen­den Tie­re soll sich der Mensch nach Got­tes Wil­len un­ter­wer­fen. Die Wort­wahl „un­ter­wer­fen“(Ein­heits­über­set­zung der Hl.Schrift, 1980) drückt da­bei das gott­ge­woll­te Ge­walt­ver­hält­nis des Men­schen ge­gen­über al­len Tie­ren aus. Die­se Ver­knüp­fung ei­ner ab­so­lut fried­li­chen, weil ge­walt­frei­en Er­näh­rung mit ei­nem Un­ter­wer­fungs­auf­trag ir­ri­tiert. Der Trap­pis­ten­mönch Quinn ver­mu­tet in sei­nem Buch „Is­ma­el“, dass in den Schöp­fungs­my­thos ei­ner Vieh­züch­ter­ge­sell­schaft Tei­le ei­nes Schöp­fungs­my­thos ei­ner fried­li­chen Kul­tur auf­ge­nom­men wur­den, nach­dem man die­se Kul­tur im We­ge des Landraubs zu­vor aus­ge­löscht oder an­der­wei­tig ab­sor­biert hat­te.
In jün­ge­rer Zeit ver­su­chen Theo­lo­gen, z.B. über den Ethos der Mit­ge­schöpf­lich­keit (Blan­ke), die Ge­ne­sis durch In­ter­pre­ta­tio­nen tier­freund­lich zu ge­stal­ten und den Un­ter­wer­fungs­auf­trag ge­gen­über den Tie­ren in ei­ne eher die Tie­re be­schüt­zen­de Funk­ti­on um­zu­deu­ten. Durch die stär­ke­re Be­wusst­ma­chung, dass Tie­re Mit­ge­schöp­fe sind, wird ih­nen ein hö­he­rer Ei­gen­wert ein­ge­räumt, den es zu be­rück­sich­ti­gen gilt. Da­durch er­öff­net sich die Mög­lich­keit, sie ge­recht zu be­han­deln. Das Stre­ben nach Ge­rech­tig­keit ist ei­ne Ur­sehn­sucht des Men­schen, und als Fra­ge nach dem Schutz der Schwa­chen vor der Will­kür der Mäch­ti­gen seit dem Al­ter­tum ak­tu­ell und all­ge­mein als sehr ho­hes mo­ra­li­sches Gut an­er­kannt. Die Schwie­rig­keit beim Ethos der Mit­ge­schöpf­lich­keit liegt nun aber dar­in, dass zwar der mo­ra­lisch zu be­rück­sich­ti­gen­de Ei­gen­wert der Tie­re als Mit­ge­schöpf er­höht wur­de, dass aber der Ei­gen­wert der Tie­re hin­ter dem Ei­gen­wert des got­tes­eben­bild­li­chen Men­schen weit zu­rück­bleibt. Folg­lich bleibt die Be­rück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen der Tie­re hin­ter der Be­rück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen der Men­schen zu­rück. Den Be­mü­hun­gen ver­ein­zel­ter Theo­lo­gen um ei­ne Ethik, die Tie­re voll in die Mo­ral­kon­zep­te ei­ner nur zwi­schen den Men­schen be­ste­hen­den Hu­ma­ni­täts­pflicht ein­be­zieht, sind da­durch Gren­zen ge­setzt. Al­bert Schweit­zer ver­warf Wert­stu­fen zwi­schen emp­fin­den­den Le­be­we­sen in wei­ser Vor­aus­sicht, wo­hin ein sol­ches Den­ken füh­ren kann. Sein Ethos der Ehr­furcht vor dem Le­ben hat sich je­doch nicht durch­set­zen kön­nen. Rai­ner Ha­gen­cord will ei­ne stär­ke­re mo­ra­li­sche Be­rück­sich­ti­gung der Tie­re über ih­re un­mit­tel­ba­re Be­zo­gen­heit auf ih­ren Schöp­fer er­rei­chen. Zwar sei das Tier nicht wie der Mensch ver­nunft­be­gabt, aber eben man­gels ei­nes frei­en Wil­lens di­rekt auf sei­nen Schöp­fer und des­sen Wil­len be­zo­gen. Den ho­hen Ei­gen­wert, den das Tier da­durch er­hal­te, ha­be der Mensch zu be­rück­sich­ti­gen.
Die­se und an­de­re tier­freund­li­che christ­li­che Kon­zep­te ha­ben es aber auch noch mit dem der Schöp­fungs­ge­schich­te nach­fol­gen­den Ge­sche­hen zu tun. Denn nach dem Sün­den­fall und der Sint­flut er­laubt Gott den Men­schen das Fleisch­es­sen: „Al­les Le­ben­di­ge, das sich regt, soll euch zur Nah­rung die­nen. Al­les über­ge­be ich euch wie die grü­nen Pflan­zen. Nur Fleisch, in­dem noch Blut ist, dürft ihr nicht es­sen“ (Gen.9;2-4). Hier­in kann spitz­fin­dig ein Ver­bot des Fleisch­es­sens ge­se­hen wer­den, weil es kei­ne Schlach­tungs­art gibt, die zu ei­nem völ­li­gen Blut­ent­zug führt. Prak­tisch hat die zi­tier­te Stel­le aber da­zu ge­führt, dass die an sich schon grau­sa­me Schlach­tung un­ter be­son­ders grau­sa­men Me­tho­den durch­ge­führt wird, da­mit mög­lichst viel Blut aus dem noch le­ben­den Kör­per her­aus­ge­pumpt wird (z.B. durch Kopf­über­auf­hän­gen der Tie­re an ei­nem Bein nach dem Kehl­schnitt). An­de­re Men­schen es­sen ein­fach nur die Kör­per­tei­le, die am ehes­ten vom Blut leer­ge­pumpt wur­den, so den vor­de­ren Teil des Tor­sos.
Im NT schreibt Pau­lus in ei­nem Brief an die Rö­mer: „Ich bin über­zeugt, dass die Lei­den (ge­meint sind nur die ei­ge­nen und die der Pau­lus nach­fol­gen­den Men­schen!) nichts be­deu­ten im Ver­gleich zu der Herr­lich­keit, die an uns (Nicht al­le Men­schen! Ge­schwei­ge denn Tie­re!) of­fen­bar wer­den soll. Denn die gan­ze Schöp­fung war­tet sehn­süch­tig auf das Of­fen­bar­wer­den der Söh­ne(!) Got­tes (Röm.8; 18-19). Was Pau­lus da­mit meint, sagt er an an­de­ren Stel­len: „Im Ge­setz des Mo­se steht doch: Du sollst dem Och­sen zum Dre­schen kei­nen Maul­korb an­le­gen. Liegt denn Gott et­was an dem Och­sen? Sagt er das nicht of­fen­sicht­lich un­se­ret­we­gen? Ja, un­se­ret­we­gen wur­de es ge­schrie­ben. Denn der Pflü­ger wie der Dre­scher sol­len ih­re Ar­beit in der Er­war­tung tun, ih­ren Teil zu er­hal­ten.“(1.Kor. 9; 9-10). Der Och­se kann se­hen, wo er bleibt!
Freie Chris­ten ent­zie­hen sich die­sen und ver­gleich­bar tier­ver­ach­ten­den Aus­sa­gen, in­dem sie Tie­re in das Tö­tungs­ver­bot des De­ka­log (10 Ge­bo­te) mit ein­be­zie­hen. Oder sie wer­den durch ei­nen von ih­nen ge­glaub­ten Re­inkar­na­ti­ons­ge­dan­ken zur mo­ra­li­schen Be­rück­sich­ti­gung des Le­bens­rechts der an­de­ren Tie­re mo­ti­viert und er­näh­ren sich des­halb ve­ge­ta­risch/ve­gan, wie die frei­en Chris­ten in gnos­ti­schen Strö­mun­gen oder dua­lis­ti­schen Be­we­gun­gen dies ta­ten. Die Mar­cio­ni­ten, die Ma­nich­ä­er, die Pri­scil­lia­ner, die Bo­go­mi­len (Got­tes­freun­de), die Al­bi­gen­ser und die Ka­tha­rer (Rei­nen!) lehn­ten die Macht­kir­che rund­um ab und er­nähr­ten sich we­gen ih­res Glau­bens an die Wie­der­ge­burt in Tie­ren oder Men­schen streng ve­ge­ta­risch und ge­nos­sen we­der Fleisch, noch Ei­er, noch Milch oder Kä­se - über­haupt kei­ne Zeu­gungs­pro­duk­te. Fi­sche aß man, weil man sie aus dem Was­ser ent­stan­den dach­te. Im von der Amts­kir­che aus­ge­beu­te­ten Volk wa­ren Al­bi­gen­ser wie Ka­tha­rer we­gen ih­res be­schei­de­nen Auf­tre­tens hoch ge­schätzt und ge­wan­nen mit ih­ren Leh­ren zu­neh­mend An­hän­ger und Ein­fluss auch auf den Adel. Da­mit ge­fähr­de­ten sie die Macht der Kir­che eben­so wie die Ein­nah­men, die aus die­ser Macht flos­sen. Im 13.Jahr­hun­dert wur­den die Al­bi­gen­ser und die Ka­tha­rer un­ter Papst In­no­zenz III. schließ­lich als Hä­re­ti­ker (Ket­zer!) mit ei­nem Kreuz­zug be­dacht, sys­te­ma­tisch ge­hetzt, ge­fol­tert und auf den Schei­ter­hau­fen ge­bracht (Nach­zu­le­sen bei KH De­schner: „Kri­mi­nal­ge­schich­te des Chris­ten­tums“).
Es gab und gibt al­so ve­ge­ta­risch, so­gar ve­gan le­ben­de Chris­ten, aber kei­nen ve­ge­ta­ri­schen Papst und auch kei­nen ve­ge­ta­risch le­ben­den Re­for­ma­tor. Das Tier hat nach dem Wil­len der Mäch­ti­gen ei­ne min­der­wer­ti­ge oder gar kei­ne See­le, kein Fort­le­ben nach dem To­de, kein Recht auf Le­ben und Schutz. Es kann auch gar kei­ne See­le ha­ben, da­mit man es ge­wis­sen­los ja­gen, züch­ten, schäch­ten, schlach­ten und vi­vi­sek­tie­ren kann. Man sagt: Tie­re sind „Schöp­fung“ und meint da­mit: sie sind dem Men­schen als Ma­te­ri­al preis­ge­ge­ben. Krea­tur ist gleich Nutz­vieh. Wenn man ein be­son­ders grau­sa­mes Mas­sa­ker cha­rak­te­ri­sie­ren will, sagt man: Die Men­schen wur­den ab­ge­schlach­tet wie das Vieh. Aber für die Tie­re ist es kein Mas­sa­ker – nach dem Sprach­ge­brauch der Men­schen.
Die ent­schei­den­den Stel­len im ka­tho­li­schen Er­wach­se­nen­ka­te­chis­mus, 1993 un­ter Kar­di­nal Ratz­in­ger aus­ge­ar­bei­tet, lau­ten:
„Nr.2417 Gott hat die Tie­re un­ter die Herr­schaft des Men­schen ge­stellt, den er nach sei­nem Bild ge­schaf­fen hat. So­mit darf man sich die Tie­re zur Er­näh­rung und zur Her­stel­lung von Klei­dern be­die­nen. Man darf sie zäh­men, um sie dem Men­schen bei der Ar­beit und in der Frei­zeit dienst­bar zu ma­chen. Me­di­zi­ni­sche und wis­sen­schaft­li­che Tier­ver­su­che sind in ver­nünf­ti­gen Gren­zen sitt­lich zu­läs­sig, weil sie da­zu bei­tra­gen, mensch­li­ches Le­ben zu hei­len und zu ret­ten.
Nr. 2418 Es wi­der­spricht der Wür­de des Men­schen, Tie­re nutz­los lei­den zu las­sen und zu tö­ten. Auch ist es un­wür­dig, für sie Geld aus­zu­ge­ben, das in ers­ter Li­nie mensch­li­che Not lin­dern soll­te. Man darf Tie­re gern ha­ben, soll ih­nen aber nicht die Lie­be zu­wen­den, die ein­zig Men­schen ge­bührt.“

Papst Be­ne­dikt XVI, vor­mals Kar­di­nal Ratz­in­ger, aß kürz­lich ei­nen als be­son­de­ren Le­cker­bis­sen gel­ten­den Ka­paun. Ein Ka­paun ist ein jun­ges Mast­hähn­chen, dem zu­vor ge­walt­sam und oh­ne Be­täu­bung die Ho­den ent­fernt wur­den.
Wir hal­ten fest: Das Ver­hält­nis zwi­schen Gott, Men­schen und Tie­ren ist in der Bi­bel fest­ge­schrie­ben. In die­sem ge­schlos­se­nen hier­ar­chi­schen Sys­tem mit ein­deu­ti­gen Wert­zu­wei­sun­gen lässt sich die Ab­schaf­fung der Aus­beu­tung der un­ter dem Men­schen ste­hen­den Tie­re nicht schlüs­sig be­grün­den. Das Kir­chen­chris­ten­tum kann nur ein mo­ra­li­sches Ge­walt­min­de­rungs­kon­zept ge­gen­über den Tie­ren ver­tre­ten. Tie­re ste­hen nach den zen­tra­len Aus­sa­gen der Bi­bel un­ver­rück­bar un­ter dem Men­schen, und so­lan­ge und so­weit Tie­re von der Kir­che ge­gen die Aus­sa­gen der Bi­bel nicht als Le­be­we­sen mit ei­nem dem Men­schen ver­gleich­ba­ren Wert an­ge­se­hen wer­den – wo­mit die Eben­bild­lich­keit be­sei­tigt und sich die Kir­che ih­re ei­ge­ne Glau­bens­grund­la­ge zer­stö­ren wür­de - kön­nen Tie­re kei­ne mo­ra­li­sche Be­rück­sich­ti­gung in ei­ner dem Men­schen ver­gleich­ba­ren Wei­se er­lan­gen.

Bud­dhis­mus

Theo­re­tisch vor­bild­lich da­ge­gen der Bud­dhis­mus, der in sein Tö­tungs­ver­bot die nicht­mensch­li­chen Tie­re mit ein­schließt. Be­reits Bud­dha ver­langt Glück und Frie­den für je­de Krea­tur, dar­um Un­ter­las­sen je­der Ver­let­zung und Tö­tung, jeg­li­cher Ge­walt­tä­tig­keit ge­gen­über al­len We­sen, die, ob Pflan­ze, Tier oder Mensch vor Ge­walt zit­tern. Tat-twam-asi: Das bist Du! Auch Du-Evi­denz ge­nannt! Dem­ge­mäß hebt der Bud­dhis­mus das Tier auf die Stu­fe des mensch­li­chen, gött­li­chen, bil­ligt ihm die­sel­be Bud­dha-We­sen­heit wie dem Gläu­bi­gen zu. Das ver­hin­dert in der Pra­xis aber nicht, dass den­noch von Bud­dhis­ten, selbst von Mön­chen, Fleisch ge­ges­sen wird. Heuch­le­risch über­lässt man das ver­bo­te­ne ei­gen­hän­di­ge Tö­ten ger­ne An­de­ren.
Ähn­lich wie der Bud­dhist denkt der Hin­du und sym­bo­li­siert es durch die kul­ti­sche Ver­eh­rung der Kuh, die ihm hei­lig ist, und die ge­mol­ken und halb­ver­hun­gert über­all in den Städ­ten zu se­hen ist. Hüh­ner­fleisch ver­schmäht er aber nicht, wie mir ein In­di­en­ken­ner mit­teil­te. Tra­di­tio­nell be­dingt wür­den sich auch eher Frau­en und Kin­der an die ve­ge­ta­ri­sche Kü­che hal­ten als Män­ner. Zu­dem hat der Fleisch­ge­nuss des west­li­chen Life­styles ei­ne wei­te­re Ver­brei­tung ge­fun­den und be­ein­flusst auf die­se Wei­se ur­al­te prin­zi­pi­ell tier­freund­li­che Kul­tu­ren. Für Gan­dhi (mit dem Eh­ren­ti­tel Ma­hat­ma= Gro­ße See­le) zähl­te das Le­ben ei­nes Lamms nicht we­ni­ger als das Le­ben ei­nes Men­schen. Aber Gan­dhi war in je­der Be­zie­hung ei­ne Aus­nah­me­er­schei­nung. Ve­gan le­ben nur Min­der­hei­ten.

Kant

Der be­kann­te Phi­lo­soph Im­ma­nu­el Kant leb­te von 1724 bis 1804. Von sei­nem be­rühm­ten ka­te­go­ri­schen Im­pe­ra­tiv exis­tie­ren ver­schie­de­ne Fas­sun­gen. Ei­ne da­von lau­tet: „Hand­le stets so, dass die Ma­xi­me dei­nes Wol­lens je­der­zeit zu­gleich als Prin­zip ei­ner all­ge­mei­nen Ge­setz­ge­bung gel­ten könn­te.“ Kants Ethik ist ei­ne Ge­sin­nungs­ethik. Maß­stab für die Be­wer­tung ei­ner Hand­lung sind näm­lich ih­re Mo­ti­ve. Ethi­sche Re­geln müs­sen im­mer und un­ter al­len Um­stän­den ein­ge­hal­ten wer­den. Für Kant ist so­gar Mit­leid ein fal­scher Be­weg­grund, weil es will­kür­lich ist und kei­ner Ein­sicht in die Not­wen­dig­keit ent­spricht. Nie­mand kann sich auf Mit­leid ver­las­sen. Wer da­ge­gen aus dem Ge­fühl der mo­ra­li­schen Pflicht her­aus han­delt, der han­delt mo­ra­lisch, egal, wie das Er­geb­nis aus­fällt.

Nach Kant be­fin­den sich auf der ei­nen Sei­te ver­nunft­be­gab­te Men­schen, auf der an­de­ren Sei­te ver­nunft­lo­se Tie­re. Im Ori­gi­nal hört sich das so an:

„Der vier­te und letz­te Schritt, den die den Men­schen über die Ge­sell­schaft mit den Tie­ren gänz­lich er­he­ben­de Ver­nunft tat, war: dass er (wie­wohl nur dun­kel) be­griff, er sei ei­gent­lich Zweck der Na­tur, und nichts, was auf Er­den lebt, kön­ne hier­in ei­nen Mit­be­wer­ber für ihn ab­ge­ben. Das ers­te­mal, dass er zum Scha­fe sag­te: den Pelz, den du trägst, hat dir die Na­tur nicht für dich, son­dern für mich ge­ge­ben, ihm ihn ab­zog und sich selbst an­leg­te: ward er ei­nes Vor­rech­tes in­ne, wel­ches er ver­mö­ge sei­ner Na­tur über al­le Tie­re hat­te, die er nun nicht mehr als sei­ne Mit­ge­nos­sen an der Schöp­fung, son­dern als sei­nem Wil­len über­las­se­ne Mit­tel und Werk­zeu­ge zu Er­rei­chung sei­ner be­lie­bi­gen Ab­sich­ten an­sah. Die­se Vor­stel­lung schließt (wie­wohl dun­kel) den Ge­dan­ken des Ge­gen­sat­zes ein: dass er so et­was zu kei­nem Men­schen sa­gen dür­fe, son­dern die­sen als glei­chen Teil­neh­mer an den Ge­schen­ken der Na­tur an­zu­se­hen ha­be, ei­ne Vor­be­rei­tung von wei­tem zu den Ein­schrän­kun­gen, die die Ver­nunft künf­tig dem Wil­len in An­se­hung sei­nes Mit­men­schen auf­er­le­gen soll­te, und wel­che weit mehr als Zu­nei­gung und Lie­be zu Er­rich­tung der Ge­sell­schaft not­wen­dig ist.“

Hier wird un­ter Be­ru­fung auf die mensch­li­che Ver­nunft der Gra­ben zwi­schen den Men­schen und Tie­ren be­fes­tigt oder gar ver­brei­tert. Tier­quä­le­rei­en lehn­te Kant ab, al­ler­dings we­ni­ger we­gen ih­rer Aus­wir­kun­gen auf die be­trof­fe­nen Tie­re als we­gen ih­rer Aus­wir­kun­gen auf die Men­schen, da da­durch „das Mit­ge­fühl an ih­rem Lei­den ab­ge­stumpft und ei­ne der Mo­ra­li­tät im Ver­hält­nis zu an­de­ren Men­schen sehr diensa­me na­tür­li­che An­la­ge ge­schwächt und nach und nach aus­ge­tilgt“ wer­de. Ge­gen­über Tie­ren be­ste­hen da­nach nur in­di­rek­te Pflich­ten. Dem fol­gend war im Straf­ge­setz­buch des 19. Jahr­hun­derts nur die öf­fent­li­che Tier­quä­le­rei straf­bar, und zwar we­gen der Ge­fahr der Ver­ro­hung der Men­schen.

Scho­pen­hau­er

Der Phi­lo­soph Scho­pen­hau­er leb­te von 1788- 1860. Er stellt die Schmerz- und Lei­dens­fä­hig­keit ei­nes Le­be­we­sens (ob Mensch oder Tier) in den Mit­tel­punkt sei­ner mo­ra­li­schen Be­rück­sich­ti­gung. Schmer­zen und Lei­den sind bei Men­schen und Tie­ren ver­gleich­bar, es spricht so­gar viel da­für, dass sie bei Tie­ren grö­ßer sind, weil sie stär­ke­re Sin­nes­wahr­neh­mun­gen und kei­ne dem Men­schen ver­gleich­ba­re re­flek­to­ri­sche Ver­ar­bei­tungs­mög­lich­keit ha­ben. Die Ver­mei­dung von Schmer­zen und Lei­den ist zu­dem ein zen­tra­les An­lie­gen je­des emp­fin­den­den Le­be­we­sens. Scho­pen­hau­er kri­ti­siert stark den seit Kant gel­ten­den Ver­nunft­be­griff, in­dem er des­sen Schwä­chen her­aus­stellt. So sei die Kon­zep­ti­on Kants von un­be­ding­ten Ver­pflich­tun­gen und Ver­nunft­ge­set­zen letzt­lich der re­li­giö­sen Mo­ral ent­nom­men und hän­ge nach Strei­chung ei­ner gött­li­chen Nor­m­au­to­ri­tät, aus der sich die mensch­li­che Ver­nunft als sein Eben­bild ab­lei­tet, in der Luft. Zu­dem ver­dre­he Kant den Mo­ral­be­griff, wenn er mo­ra­li­sches Han­deln un­ter ein Pflich­ten-Ge­setz stel­len wür­de, denn Mo­ral zeich­ne sich viel mehr durch ei­nen mo­ra­li­schen Im­puls und frei­wil­li­ges Han­deln aus. An­sons­ten wä­re es kei­ne Mo­ral mehr. Zu­dem sei mo­ra­li­sches Han­deln nicht ei­gen­nüt­zig, son­dern al­tru­is­tisch. Sein Mo­tiv sei ge­ra­de nicht das ei­ge­ne Wohl, son­dern das Wohl und We­he an­de­rer Le­be­we­sen. Wer sich mit an­de­ren We­sen iden­ti­fi­zie­re und ihr Lei­den wie das ei­ge­ne füh­le, ha­be Mit­leid und be­wei­se so­mit auch, dass Mit­leids­hand­lun­gen mög­lich sind.
Der Mit­leids­mo­ral von Scho­pen­hau­er wird ent­ge­gen­ge­hal­ten, dass sich auf dem Af­fekt des Mit­leids - nicht je­der hat es, aber wohl kei­ner wür­de sich öf­fent­lich ger­ne als mit­leid­los hin­stel­len - kei­ne für je­den gel­ten­de Mo­ral auf­bau­en las­se. Doch hat Scho­pen­hau­er nicht be­haup­tet, dass Mit­leid in je­dem Fall er­regt wird. Viel­mehr kön­nen wir auf der Ba­sis, dass Mit­leid als po­si­ti­ves mensch­li­ches Ge­fühl be­wer­tet wird, die all­ge­mei­ne Ma­xi­me bil­den, nie­man­den Leid zu­zu­fü­gen, und die­se zu ei­nem fes­ten Vor­satz er­he­ben. Ab­so­lu­te Rech­te auf Lei­dens­frei­heit ei­nes In­di­vi­du­ums sta­tu­iert sie aber nicht.

Nel­son

Ei­ne Ge­rech­tig­keits­mo­ral, die Tie­re mit ein­be­zieht, wur­de z.B. vom Phi­lo­so­phen und Ju­ris­ten Leo­nard Nel­son (1882-1927) ver­tre­ten. In sei­nem Ap­pell an sei­ne so­zia­lis­ti­schen Ge­nos­sen sagt er:

„Ein Ar­bei­ter, der nicht nur ein ver­hin­der­ter Ka­pi­ta­list sein will, und dem es al­so Ernst ist mit dem Kampf ge­gen je­de Aus­beu­tung, der beugt sich nicht der ver­ächt­li­chen Ge­wohn­heit, harm­lo­se Tie­re aus­zu­beu­ten, der be­tei­ligt sich nicht an dem täg­li­chen mil­lio­nen­fa­chen Mord, der an Grau­sam­keit, Roh­heit und Feig­heit al­le Schreck­nis­se des Welt­kriegs in den Schat­ten stellt. Das sind An­ge­le­gen­hei­ten, Ge­nos­sen, die ent­zie­hen sich der Ab­stim­mung... Ent­we­der man will ge­gen die Aus­beu­tung kämp­fen, oder man lässt es blei­ben. Aber wer als So­zia­list über die­se For­de­run­gen lacht, der weiß nicht, was er tut. Der be­weist, dass er nie im Ernst be­dacht hat, was das Wort So­zia­lis­mus be­deu­tet.“

Es ge­hört zum We­sen der un­teil­ba­ren Ge­rech­tig­keit, sich nicht aus­ge­wähl­ten Grup­pen, son­dern al­len Grup­pen zu öff­nen, die un­ter ei­ner un­ge­rech­ter Be­hand­lung zu lei­den ha­ben. Nel­son greift da­mit den Ge­dan­ken der Ein­heit des Le­bens oder der Ver­wandt­schaft al­ler Le­ben­di­gen auf und for­dert über die dar­aus er­wach­sen­de So­li­da­ri­tät mit Tie­ren die Be­ach­tung des Le­bens­rechts der Tie­re und ih­rer In­ter­es­sen.

Frank­fur­ter Schu­le

Star­ke Im­pul­se ge­gen die Aus­beu­tung und Tö­tung von Tie­ren ge­hen ins­be­son­de­re aus der Frank­fur­ter Schu­le her­vor. Die Phi­lo­so­phen und So­zio­lo­gen Ador­no und Hork­hei­mer ana­ly­sie­ren im Rah­men der Kri­ti­schen Theo­rie die Mensch-Tier-Be­zie­hung als be­ste­hen­des Macht- und Ge­walt­ver­hält­nis. Da­bei be­inhal­tet die Ge­walt ge­gen Tie­re zu­gleich ei­ne Ge­walt ge­gen Men­schen, weil Vor­ur­teils- und Un­ter­drü­ckungs­mus­ter ei­ne ei­ge­ne Lo­gik und wech­sel­sei­ti­ge Ab­hän­gig­keits­wir­kun­gen ent­fal­ten, die an der Gren­ze zur ei­ge­nen Spe­zi­es nicht halt­ma­chen. Aus der mensch­li­chen Fä­hig­keit zu Per­spek­ti­ven­wech­sel und Em­pa­thie (Ein­füh­lungs­ver­mö­gen) er­gibt sich bei Hork­hei­mer die Aus­deh­nung der So­li­da­ri­tät auf Mit­glie­der an­de­rer Ar­ten, denn in „ent­schei­den­den Zü­gen sind wir das­sel­be wie Tie­re, ja wie al­les Le­ben­de, und mö­gen uns als sein na­tür­li­cher An­walt füh­len, wie der glück­lich be­frei­te Ge­fan­ge­ne ge­gen­über den Lei­dens­ge­nos­sen, die noch ein­ge­schlos­sen sind.“ Die­ses Prin­zip ei­ner über­grei­fen­den So­li­da­ri­tät über­schrei­tet eben auch die Gren­zen äu­ßer­li­cher Merk­mal­ka­te­go­ri­en, da­mit auch die der Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner be­stimm­ten Spe­zi­es. In der De­fi­ni­ti­ons­macht der Herr­schen­den, die sich zur Macht­aus­übung an nach­ran­gi­gen Se­kun­där­merk­ma­len oder an­de­ren ver­gleich­ba­ren Merk­ma­len ori­en­tie­ren, zeigt sich zu­gleich die Re­la­ti­vi­tät der Spe­zies­gren­zen. Der tra­di­tio­nel­le Mensch-Tier- Gra­ben ist ei­ne künst­li­che Zwei­tei­lung, denn tat­säch­lich ist der Mensch auch ein Tier, hat der Mensch nicht nur Ver­stand, son­dern auch Trie­be usw. Der tra­di­tio­nel­le Dua­lis­mus: hier Mensch, da Tier mit den ent­spre­chen­den Zu­ord­nun­gen / hier Geist, da Ma­te­rie / hier See­le, da Kör­per / hier Ver­nunft, da Trieb/ hier Den­ken, da Af­fek­te/ hier Mo­ral, da In­stinkt/ hier zi­vi­li­siert, da wild usw. dient der will­kür­li­chen Zu­schrei­bung von Wer­ten und der Zu­ord­nung von Tie­ren in die Welt der min­der­wer­ti­gen „Na­tur“. Die­se will­kür­li­chen Wer­te­zu­schrei­bun­gen wir­ken tie­fen­kul­tu­rell, da­mit un­be­wusst wei­ter. Um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken, müs­sen zwar die fak­ti­schen Spe­zies­dif­fe­ren­zen, aber auch die spe­zies­über­grei­fen­den vi­ta­len Ge­mein­sam­kei­ten ge­se­hen und be­rück­sich­tigt wer­den.
Aus der ge­rin­ge­ren ra­tio­na­len Kom­pe­tenz des Tie­res folgt so­mit nicht – wie tra­di­tio­nell üb­lich – die Le­gi­ti­ma­ti­on sei­ner Aus­beu­tung und Ver­nich­tung, son­dern der Ap­pell an die So­li­da­ri­tät mit den Schwä­che­ren auf der Ba­sis ei­ner re­fle­xiv ge­wor­de­nen „Son­der­stel­lung“ und „Pri­vi­le­giert­heit“ des Men­schen. Mit der „zu­fäl­li­gen“ Dis­kre­panz in der Aus­prä­gung der Ra­tio­na­li­tät bei Men­schen und Tie­ren kor­re­spon­die­ren die für das mensch­li­che In­di­vi­du­um eben­so „zu­fäl­li­gen“ – weil zeit- und ge­sell­schafts­be­ding­ten – Dif­fe­ren­zen in in­ne­rer und äu­ße­rer Frei­heit.

Bent­ham

Der zum Bei­spiel von Kant ver­tre­te­nen Ge­sin­nungs­ethik ent­ge­gen ge­setzt ist der im an­gel­säch­si­schen Sprach­raum weit ver­brei­te­te Uti­li­ta­ris­mus. Nach ihm sind nicht die Mo­ti­ve ei­ner Hand­lung, son­dern de­ren Fol­gen maß­ge­bend für die ethi­sche Be­wer­tung. Das pri­mä­re Ziel des Uti­li­ta­ris­mus ist die Ver­rin­ge­rung des Ge­samt­lei­dens auf der Welt und da­mit die Er­hö­hung des Ge­samt­glücks. Wes­sen Glück es ist, ist da­bei un­er­heb­lich. Tie­re kön­nen so­mit pro­blem­los in die ethi­sche Be­trach­tung ein­be­zo­gen wer­den.
Der Ju­rist, So­zi­al­phi­lo­soph und Uti­li­ta­rist Bent­ham, der von 1748-1832 leb­te, sag­te:

„Der Tag mag kom­men, an dem der Rest der be­leb­ten Schöp­fung je­ne Rech­te er­wer­ben wird, die ihm nur von der Hand der Ty­ran­nei vor­ent­hal­ten wer­den konn­ten. Die Fran­zo­sen ha­ben be­reits ent­deckt, dass die Schwär­ze der Haut kein Grund ist, ein mensch­li­ches We­sen hilf­los der Lau­ne ei­nes Pei­ni­gers aus­zu­lie­fern. Viel­leicht wird ei­nes Ta­ges er­kannt wer­den, dass die An­zahl der Bei­ne, die Be­haa­rung der Haut oder die En­dung des Kreuz­beins eben­so we­nig Grün­de da­für sind, ein emp­fin­den­des We­sen sei­nem Schick­sal zu über­las­sen. Was soll­te sonst die un­über­schreit­ba­re Li­nie aus­ma­chen? Ist es die Fä­hig­keit des Ver­stan­des oder viel­leicht die Fä­hig­keit der Re­de? Ein voll aus­ge­wach­se­nes Pferd aber oder ein Hund ist un­gleich ver­stän­di­ger und mit­teil­sa­mer als ein ei­nen Tag oder ei­ne Wo­che al­ter Säug­ling oder so­gar als ein Säug­ling von ei­nem Mo­nat. Doch selbst wenn es an­ders wä­re, was wür­de das aus­ma­chen? Die Fra­ge ist nicht: Kön­nen sie den­ken? Kön­nen sie spre­chen? Son­dern: Kön­nen sie lei­den?“

Sin­ger

Der Phi­lo­soph und Uti­li­ta­rist Pe­ter Sin­ger hat mit sei­nem 1975 er­schie­nen Buch „Ani­mal Li­be­ra­ti­on“ dem ethisch mo­ti­vier­ten Ve­ga­nis­mus neu­en Auf­trieb ge­ge­ben. Dar­in ar­gu­men­tiert er, es gä­be kei­ne mo­ra­li­sche Recht­fer­ti­gung, das Leid ei­nes We­sens, gleich wel­cher Na­tur es sei, nicht in Be­tracht zu zie­hen. Spe­zi­el­le „nicht­mensch­li­che Tie­re“ von die­sem Gleich­heits­prin­zip aus­zu­schlie­ßen sei so will­kür­lich, wie Men­schen an­de­rer Haut­far­be, Kul­tur, Re­li­gi­on oder Ge­schlecht aus­zu­neh­men.
„Die Fä­hig­keit zu lei­den, oder ge­nau­er ge­sagt zu Leid oder Freu­de bzw. Glück – ist nicht ei­ne un­ter vie­len Ei­gen­schaf­ten wie die Fä­hig­keit zur Spra­che oder zur hö­he­ren Ma­the­ma­tik“, sagt Sin­ger, „die Fä­hig­keit zu Lei­den und Freu­de ist ei­ne Vor­be­din­gung, um über­haupt In­ter­es­sen ha­ben zu kön­nen, ei­ne Be­din­gung die er­füllt sein muss, da­mit wir über­haupt sinn­voll von In­ter­es­sen spre­chen kön­nen …Der klas­si­sche Uti­li­ta­rist be­trach­tet ei­ne Hand­lung als rich­tig, wenn sie eben­so­viel oder mehr Zu­wachs an Glück für al­le Be­trof­fe­nen pro­du­ziert als je­de an­de­re Hand­lung, und als falsch, wenn sie das nicht tut.“ Der Uti­li­ta­rist for­dert von je­dem Han­deln­den, dass er un­ter sonst glei­chen Um­stän­den zwi­schen sei­nem ei­ge­nen Glück und dem der an­de­ren kei­nen Un­ter­schied macht; er hat zu ur­tei­len wie ein un­par­tei­ischer Rich­ter oder ein wohl­wol­len­der Zu­schau­er. Sin­ger stützt sich auf die grund­le­gen­de Re­gel der Ge­rech­tig­keit, glei­ches sei auch als gleich zu be­ur­tei­len. Über­tra­gen auf die Mensch-Tier-Be­zie­hung be­deu­tet das: Wenn das Wohl der Men­schen et­was in sich Gu­tes und För­de­rungs­wür­di­ges dar­stellt, dann ist es dies nicht nur für uns Men­schen, son­dern für je­des an­de­re Le­be­we­sen auch. Und wen die­ser Ge­dan­ke über­zeugt hat, für den ist die so oft ge­hör­te The­se, dass der Mensch ei­nen grund­sätz­li­chen Vor­rang vor dem Tier ha­be, nicht mehr ak­zep­ta­bel. Es muss je­doch ge­währ­leis­tet sein, dass bei der im U. ge­for­der­ten Ab­wä­gung der Fol­gen nicht je­de be­lie­bi­ge Hand­lung durch den Hin­weis auf den da­durch ein­tre­ten­den oder doch er­war­te­ten Nut­zen ei­ner Mehr­heit ge­recht­fer­tigt wer­den kann. Gä­be es ei­ne sol­che Gren­ze nicht, was könn­te man dann da­ge­gen ein­wen­den, das Le­ben ei­nes Och­sen zu op­fern, da­mit sich an sei­nem Fleisch vie­le Men­schen er­freu­en kön­nen? Die­se Ge­fahr soll nach Sin­ger der Prä­fe­renz-Uti­li­ta­ris­mus, der den Uti­li­ta­ris­mus mit dem Gleich­heits­grund­satz ver­bin­det, aus­schlie­ßen. Da­nach sind glei­che In­ter­es­sen gleich zu ge­wich­ten, un­glei­ches ent­spre­chend an­ders. Die ba­na­le Freu­de meh­re­rer Men­schen an ei­nem Stück Fleisch des Och­sen recht­fer­tigt es nicht, das Le­ben des Och­sen ge­rin­ger zu wer­ten als das Ge­schmacks­er­leb­nis der Vie­len. Denn das In­ter­es­se am Le­ben steht hö­her als das Ge­schmacks­in­ter­es­se Vie­ler. Sin­ger sagt: Die ein­fachs­te Mög­lich­keit für das In­di­vi­du­um mo­ra­lisch zu le­ben be­deu­tet auf ei­ne Wei­se zu le­ben, die man zu be­grün­den be­reit ist, und zwar auf ei­ne uni­ver­sa­lis­ti­sche Wei­se. Denn wer sein Han­deln so be­grün­de, der kön­ne die ei­ge­nen In­ter­es­sen nicht ein­fach des­we­gen, weil sie die ei­ge­nen sind, hö­her ge­wich­ten als die In­ter­es­sen an­de­rer. Die Hand­lung des In­di­vi­du­ums, die ins­ge­samt die In­ter­es­sen der Be­trof­fe­nen ma­xi­miert, ist die mo­ra­lisch rich­ti­ge Hand­lung. Auch wenn ein­zel­ne oder ei­ne Grup­pe von Le­be­we­sen tat­säch­lich we­ni­ger be­gabt sein soll­ten, ist dar­aus nicht ab­zu­lei­ten, dass man sie schlech­ter be­han­deln darf. Da­zu bringt der Tier­rechts­phi­lo­soph Hel­mut F. Ka­plan ein Ar­gu­ment von Jef­frey M. Mas­son und Su­san Mc­Car­thy: „Ein Bär wird nie­mals Beet­ho­vens Neun­te kom­po­nie­ren, aber un­ser Nach­bar kann das auch nicht. Das ist noch längst kein Grund, dar­aus den Schluss zu zie­hen, wir dürf­ten mit die­sem Nach­barn Ex­pe­ri­men­te an­stel­len, dürf­ten fröh­li­che Jagd auf ihn ma­chen, dürf­ten ihn mun­ter ver­spei­sen.“

Re­gan

Das Kon­zept des Phi­lo­so­phen Tom Re­gan be­ruht hin­ge­gen auf an­de­ren Über­le­gun­gen. 1984 er­schien sein Haupt­werk „The ca­se for Ani­mals Rights“. Re­gan geht von der An­nah­me aus, dass Vö­gel und Säu­ge­tie­re, die ein Jahr oder äl­ter sind, über ein kom­ple­xes See­len­le­ben ver­fü­gen. Das ist so­wohl durch wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chun­gen als durch all­täg­li­ches Be­ob­ach­ten der­ar­tig ein­leuch­tend be­wie­sen, dass die Be­weis­last auf Sei­ten de­rer liegt, die Tie­ren ein kom­ple­xes See­len­le­ben ab­spre­chen möch­ten. Sie ha­ben Vor­lie­ben, und wenn wir sie ih­nen ver­weh­ren, frus­trie­ren wir nicht nur ih­re Be­dürf­nis­se, son­dern be­rau­ben sie auch der Be­frie­di­gung, ih­re Zie­le zu ver­fol­gen. Z.B. lei­det ein schwan­ge­res Schwein, dem ein vor­be­rei­te­ter Platz für die Ge­burt der Ge­burt der Fer­kel zur Ver­fü­gung ge­stellt wird, dar­un­ter, sich die­sen Platz nicht selbst su­chen und ge­stal­ten zu kön­nen. Wir kön­nen al­so Tie­ren in zwei­er­lei Hin­sicht scha­den, ent­we­der, in de­nen wir ih­nen et­was tun, z.B. Schmer­zen zu­fü­gen, oder in de­nen wir ih­nen et­was vor­ent­hal­ten, eben ein er­füll­tes Le­ben. Und das ist der sprin­gen­de Punkt. Na­tür­lich ist es sehr wich­tig, zu ver­mei­den, dass Tie­re lei­den, aber es gibt noch an­de­re Schä­den, die wir ih­nen zu­fü­gen kön­nen.
Re­gan spricht Tie­ren Rech­te zu. Er be­grün­det das da­mit, dass mo­ra­lisch Be­trof­fe­ne, al­so die­je­ni­gen, für und über die mo­ra­lisch Agie­ren­de ent­schei­den, selbst von mo­ra­li­schem Be­lang sind. Er sagt: „Wir ha­ben ei­ne di­rek­te pri­ma-fa­cie-Pflicht, In­di­vi­du­en kei­nen Scha­den zu­zu­fü­gen.“ Pri­ma-fa­cie, d.h. auf den ers­ten Blick, des­halb, weil sie nicht un­ter al­len Um­stän­den be­steht, z.B. nicht bei Not­wehr. Schließ­lich kön­nen die mo­ra­lisch Be­trof­fe­nen auch ge­schä­digt wer­den, auch sie ha­ben ein Wohl­er­ge­hen, das be­ein­träch­tigt wer­den kann, un­ab­hän­gig da­von, ob sie selbst mo­ra­li­sche Ent­schei­dun­gen tref­fen kön­nen. Tie­re sind mo­ra­lisch Be­trof­fe­ne. Ih­nen nur – wie bis­her - ei­nen in­di­rek­ten oder di­rek­ten mo­ra­li­schen Be­lang zwi­schen mo­ra­li­schen Ak­teu­ren zu­zu­spre­chen, sei nicht aus­rei­chend für die Er­fül­lung mensch­li­cher Pflich­ten ge­gen­über den Tie­ren, weil da­mit der Mo­ti­va­ti­on des Tä­ters zu viel Ge­wicht bei­ge­mes­sen wer­de.
Die Ein­stel­lung der Tä­ter, ob sie nun freund­lich oder grau­sam zu Tie­ren sei, än­de­re nichts am Schick­sal der Tie­re. Wel­che Ge­füh­le die Men­schen ha­ben, wenn sie grau­sam zu Tie­ren sei­en, sa­ge nichts dar­über aus, ob ihr Ver­hal­ten mo­ra­lisch rich­tig oder falsch sei. Das gilt auch ent­spre­chend für die For­de­rung, freund­lich oder gut zu Tie­ren zu sein. Die Ein­stel­lun­gen könn­ten nicht die Er­fül­lung der mensch­li­chen Pflich­ten ge­gen­über Tie­ren ge­währ­leis­ten. Der grund­le­gen­de Wech­sel in der Per­spek­ti­ve be­stün­de al­so dar­in, die In­di­vi­du­en selbst hin­rei­chend ernst zu neh­men und ih­nen ei­nen Wert zu­zu­schrei­ben. Die­ser in­hä­ren­te Wert, den Re­gan auch den Tie­ren zu­bil­ligt, ist un­ab­hän­gig von ih­ren Er­leb­nis­sen und den Er­leb­nis­sen an­de­rer. Er ist von al­len wei­te­ren Kri­te­ri­en un­ab­hän­gig, wie z.B. ob man die­ses We­sen liebt oder nicht, hasst oder nicht, oder ob es für ir­gend­je­mand von In­ter­es­se ist. Die­sen in­hä­ren­ten Wert hat es, weil es ein Sub­jekt des Le­bens ist, al­lein da­durch, dass es über ein kom­ple­xes See­len­le­ben ver­fügt. Sub­jek­te sind im­mer au­to­no­me We­sen, die ih­re Wün­sche und Zie­le selbst ak­tiv ver­fol­gen kön­nen und wol­len. Ver­bun­den mit die­sem in­hä­ren­ten Wert ist das Recht der We­sen, dass ihr Wert re­spek­tiert wird und sie die­sem Recht ent­spre­chend be­han­delt wer­den. Der Re­spekt die­sem Wert ge­gen­über ver­pflich­tet auch da­zu, den Tie­ren bei­zu­ste­hen, weil sie ih­re Rech­te nicht selbst ver­tei­di­gen und ein­kla­gen kön­nen. Re­gans Vor­stel­lung vom in­hä­ren­ten Wert ei­nes je­den le­ben­den We­sens be­deu­tet, für die völ­li­ge Ab­schaf­fung des Ge­brauchs von Tie­ren in der Wis­sen­schaft, die völ­li­ge Ab­schaf­fung der kom­mer­zi­el­len Tier­wirt­schaft und die völ­li­ge Be­en­di­gung der kom­mer­zi­el­len und Sport­jagd und Fal­len­stel­le­rei zu kämp­fen.
Der An­satz von Re­gan ist hin­sicht­lich der ein­heit­li­chen Al­ters­gren­ze, ab der ver­schie­dens­ten Tier­ar­ten ein kom­ple­xes See­len­le­ben zu­ge­spro­chen wird, nicht un­pro­ble­ma­tisch. Sein Ver­dienst liegt dar­in, dass er den an­de­ren Tie­ren un­ein­ge­schränkt ei­ge­ne Rech­te zu­bil­ligt. Der je­dem Le­be­we­sen al­lei­ne durch sein kom­ple­xes See­len­le­ben in­ne­woh­nen­de Wert, der sog. in­hä­ren­te Wert, ist - im Un­ter­schied zu Kants an ei­nen Welt­lo­gos an­ge­dock­te ab­so­lu­te Wert­set­zung der Ver­nunft­be­gabt­heit - ra­tio­nal, weil die Kom­ple­xi­tät ei­nes See­len­le­bens über­prüf­bar ist. Re­gan zieht mit sei­ner Be­grün­dung Tie­re aus dem Sta­tus her­aus, Mit­tel zu Zwe­cken des Men­schen zu sein, in­dem er über den in­hä­ren­ten Wert dar­legt, dass sie ein un­ver­füg­ba­rer Zweck an sich sind – nicht an­ders als der Mensch. Und so schließt sich der Kreis zu tier­freund­li­chen Den­kern der An­ti­ke, die eben­falls vor­wie­gend em­pi­risch ar­gu­men­tier­ten.

Ka­plan

Ei­ne Ethik, die vie­le Men­schen er­rei­chen soll, muss ein­fach zu ver­ste­hen und zu prak­ti­zie­ren sein. Hier­auf weist Hel­mut Ka­plan in sei­nem Buch „Die ethi­sche Welt­for­mel“ zu­tref­fend hin. Als ethi­sche Welt­for­mel bie­tet er die gol­de­ne Re­gel an, de­ren po­pu­lä­re For­mel wie folgt lau­tet: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch kei­nem an­dern zu.“ Et­was dif­fe­ren­zier­ter lässt sich for­mu­lie­ren: „Be­hand­le je­der­mann so, wie du selbst an sei­ner Stel­le wünsch­test be­han­delt zu wer­den.“
Die­se gol­de­ne Re­gel ist in der Tat ein Prin­zip, das in den al­ler­meis­ten re­al vor­kom­men­den Si­tua­tio­nen aus­ge­zeich­net funk­tio­niert. Ka­plan er­streckt sie auch auf die Tie­re. Dem Ein­wand, wir wüss­ten ja gar nicht, wie Tie­re be­han­delt wer­den woll­ten, be­geg­net er mit dem Hin­weis auf un­se­re heu­ti­gen Mög­lich­kei­ten, Zu­gang zu tier­li­chem Er­le­ben zu fin­den. Dass die Tie­re et­wa in den heu­ti­gen Tier­fa­bri­ken ei­ne an­de­re Be­hand­lung wünsch­ten, ist evi­dent.
Als ge­dank­li­ches Ex­pe­ri­ment nütz­lich sein kann die Vor­stel­lung, au­ßer­ir­di­sche We­sen, die uns Men­schen völ­lig über­le­gen sind, be­herrsch­ten die Er­de und könn­ten mit uns tun und las­sen, was sie woll­ten. Wel­che ih­rer Hand­lun­gen wä­ren wir be­reit hin­zu­neh­men, und wie wür­den wir zur Ver­tei­di­gung un­se­rer ele­men­ta­ren In­ter­es­sen ar­gu­men­tie­ren? Aus den Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen er­ge­ben sich mei­nes Er­ach­tens kla­re Hin­wei­se dar­auf, wie ein ge­rech­tes Mensch-Tier-Ver­hält­nis aus­se­hen könn­te.

Schluss­fol­ge­rung

Von Ge­rech­tig­keit im Um­gang mit den Tie­ren sind wir trotz all der dar­ge­stell­ten re­li­gi­ös und phi­lo­so­phisch be­grün­de­ten An­sät­ze weit ent­fernt. Ob sich hier­an in Zu­kunft et­was än­dern wird, ist un­ge­wiss. Tom Re­gan er­klär­te bei ei­nem Vor­trag in Ber­lin auf die Fra­ge, wel­ches ak­tu­ell die drei wich­tigs­ten Zie­le der Tier­rechts­be­we­gung wä­ren: ers­tens wach­sen, zwei­tens wach­sen, drit­tens wach­sen. Ich hal­te das für rich­tig.
Euch dan­ke ich für das In­ter­es­se am Ve­ga­nis­mus, das hof­fent­lich durch mei­nen Vor­trag nicht ge­lit­ten hat. Zur Ori­en­tie­rung sehr hilf­reich, ob­wohl nicht spe­zi­ell auf Ve­ga­nis­mus be­zo­gen, war für mich das fast schon klas­si­sche Buch „Lei­chen­schmaus“ von Hel­mut Ka­plan.


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11.03.10 19:39 Alter: 2 yrs
Kategorie: Tierrechte, Ernährung, Tierversuche, Bekleidung, Unterhaltung, Diverses Ernährung

Von: Barbara Hohensee