Die unendliche und grausame Geschichte der Sklavenhaltung
Sklaven"haltung" existierte schon lange vor der Kolonialisierung Amerikas und Afrikas und gibt es heute und auf unabsehbare Zeit immer noch, indem weltweit weiterhin viele Milliarden Tiere als (besonders billige) Sklaven für uns Menschen gehalten werden, denn als solches muss es leider bezeichnet werden.
Quelle: KH Deschner „Kriminalgeschichte des Christentums“. Der Beitrag ist eine kurze, keineswegs vollständige Zusammenfassung zu dem Thema
Sklavenhaltung gab es schon immer. Zuerst war es schlicht die Macht des Stärkeren, dann kam die geistliche Begründung hinzu. Man vergisst zu leicht, dass die ersten Anfänge der Christenheit weitgehend aus all den Unterdrückten bestand, die in der neuen Religion eine Hoffnung auf Änderung für sich erblickten. Doch ihre Hoffnung sank in dem Maße, wie sich der römisch-katholische Klerus immer stärker ausbildete und mit ihm seine Theologie, die nur einen Zweck verfolgte: Die eigene Macht zu stärken.
Zu Beginn des Christentums war allen Christen der priesterliche Weg frei. Doch Papst Leo I. (440-461, im Jahre 1754 (!) durch Papst Benedikt XIV. zum Kirchenlehrer und zum „Großen“ ernannt!) besaß eine Papstidee. Sie ging davon aus, dass der römische Bischof der Nachfolger des Apostel Petrus ist, dass er deshalb dieselbe Befugnis habe, die Christus dem Apostel verlieh. In Wirklichkeit war Leo eine schroff unevangelische Figur. In einem Brief v. 10.10. 443 an diverse Bischöfe erregt es ihn, dass man „allethalben Sklaven zu Presbytern weihe, und er verbietet entschieden die Ernennung von Geistlichen, die „keine angemessene Geburt“ empfiehlt. Jetzt untersagt der Papst die Erhebung eines „schäbigen Sklaven“ (servilis vilitas) zum Priester, da auch vor Gott nicht erprobt sei, wer nicht einmal bei seinem Herrn sich erproben konnte. Papst Leo I., der Kirchenlehrer, „der Große“, macht somit die Würde der Geburt zur Voraussetzung für die geistliche Laufbahn. Er verdammt die Sklavenordination als ein Verstoß gegen die Heiligkeit des priesterlichen Amtes und die Rechte der Herren! Damit passte sich die Kirche der spätrömischen Sklavenhaltergesellschaft an, die sie ja selbst wie kaum jemand sonst repräsentierte. Der christliche Staat nahm das gern zur Kenntnis. Nur wenige Jahre später – der Zusammenhang ist greifbar – erläßt der christl. Kaiser Valentinian III. Ein Ordinationsverbot für Sklaven, Kolonen und Angehörige der Zwangskorporationen!
Im frommen Abendland kursieren überhaupt, kaum zufällig, z.B. sehr verzerrte, falsche Vorstellungen über die Hunnen (und andere Völker!) Natürlich haben die Hunnen ganze Völker in blutigen Kämpfen niedergerungen, dann aber die Unterjochten durchaus nicht rechtlos versklavt, wie so häufig die Christen (bei deren Bauern auch die Türken manchmal beliebter waren als ihre christlichen Herren!)
Im Jahr 527 beschloss der christl. Kaiser Justin ein „Ketzer“-gesetz, dass praktisch allen Nichtkatholiken die bürgerliche Existenz entzog. Denn: „ Denen, die Gott nicht in der rechten Weise verehren, sollen auch die menschlichen Güter vorenthalten werden“ Als „Häretiker“ aber galt jeder, der nicht zur katholischen Kirche gehörte, damit auch alle anderen christlichen Bewegungen, Juden und Heiden sowieso. Heiden besassen für Papst Gregor I. (590-604) weder ein göttliches noch ein menschliches Recht. Heiden gab er – die Dinge, wie in seinen Kreisen bis heute Brauch, auf den Kopf stellend – als Verfolger der Katholiken aus!
Kirche und Staat (jeweilige christl. Fürsten/Kaiser) kooperierten auf schönste miteinander, mit der Folge der Macht- und Besitzkonzentration nach oben. Bezeichend die weitere Entmachtung des Volkes innerhalb der Kirche selbst. War bisher, mindestens in vorkonstantinischer Zeit und noch danach, das Volk an der Bischofswahl beteiligt, beschränkte man diese jetzt auf die Vornehmen (!) der Stadt.
Rat Gregor des Großen: Zwangsbekehrungen von Juden und Heiden durch Erhöhung des Steuerdrucks! Sklaven auspeitschen, die Freien einkerkern! Denn das Foltern ist eine „Kur“, eine Art Taufvorbereitung, eine Bagatelle verglichen mit der Hölle! Gegen christliche Sklaven, die Kirche war einer der größten Sklavenhalter, da sie genug billiges Menschenmaterial zur Bewirtschaftung ihrer Güter brauchte, hatte Gregor der Große nichts. Im Gegenteil, die hielt er haufenweise selbst. Über christliche Sklaven in jüdischen Diensten war er aber empört.
Die Kirchengüter waren, das zeigt die päpstliche Korrespondenz Gregors, ein einziger Sumpf von Ausbeutung, Bestechung, Unterdrückung, Schwindel. Die elenden Bauern, richtiger Landsklaven, die man schon durch eine dreimal jährlich erhobene Reichsbodensteuer, ferner durch die Pachtgelder und Abgaben an die Alleinseligmachende schröpfte, wurden noch durch die verschiedensten Mittel und Methoden der Kirchenbüttel zusätzlich bedrückt: durch Erpressung weiterer Gelder, zum Beispiel, durch stark erhöhte Gebühren für eine Heiratserlaubnis, durch falsche oder geänderte Kornmaße. Selbst wenn auf dem Seeweg nach Rom bei Schiffbruch Getreide verlorenging, waren offenbar die Bauern schuld, mussten es die Kolonen neu liefern. Gregor nannte sich den „Kassenverwalter der Armen“ und den gewaltigen päpstlichen Besitz „das Eigentum der Armen“. Über das Almosengeben ging das alles in der Regel nicht hinaus. Schade, daß wir aus guten, das heißt bösen Gründen nicht wissen, was der Klerus im Lauf seiner ganzen Sieg- und Heilsgeschichte für die Armen ausgab und was für sich! Zum Bewirtschaften seiner Güter brauchte Gregor natürlich ganze Heere von Sklaven, an den Boden gebundene Kolonen. Freie Kirchenbauern fanden sich selten. Es versteht sich von selbst, dass der Papst an der Sklaverei nicht gerüttelt hat – woher hätte er, der Verwalter des Gutes der Armen, dann auch das Geld für die Armen nehmen sollen! Von der Erhaltung der „Arbeitsplätze“, schon seinerzeit die Sorge jeden Unternehmers, ganz zu schweigen.
Gewiss erinnert Gregor – denn seine Kirche wird seit je, vielleicht das größte aller ihrer Wunder, den Reichen und den Armen gerecht, beiden zugleich! – auch die Herren daran, dass die Sklaven ja als Menschen, der Natur nach, ihresgleichen seien, wie die Herren geschaffen. Aber so gleich auch die Menschen geschaffen sind, ganz gleich, die Verhältnisse waren nunmal anders. Ergo musste man, nach Gregor, die Sklaven so ermahnen, „daß sie zu jeder Zeit die Niedrigkeit ihres Standes beachten“ und dass sie „Gott beleidigen, wenn sie durch anmaßendes Verhalten gegen seine Ordnung verstoßen“. Die Sklaven müssen sich, lehrt der hl. Papst, als “Diener der Herren betrachten“ und die Herren als „Mitdiener unter Dienern“. Schön gesagt. Ist das keine nützliche Religion? Von Natur, lehrt Gregor, seien „alle Menschen gleich“, aber eine „geheimnisvolle Fügung“ stufe „die einen niedriger ein als die anderen“, schaffe die „Verschiedenheit der Stände“, und zwar als „eine Folge der Sünde“. Fazit: „Da nun jeder Mensch nicht in gleicher Weise durch das Leben geht, soll der eine über den anderen herrschen.“ Fazit: Gott und die Kirche – in praxi für den hohen Klerus stets daselbe! – waren für die Erhaltung der Sklaverei.
Und von Britannien über Gallien nach Italien gab es seinerzeit einen ständigen christlichen Sklavenhandel. Die Römische Kirche brauchte Sklaven, die Klöster brauchten Sklaven – sie alle kauften, brauchten und verbrauchten Sklaven wie ihr Vieh. Und noch einem Feind wie dem Langobardenkönig Agilulf konnte der Papst versichern, dass die Arbeit dieser Unfreien doch beiden Parteien zustatten käme! (Welch modernes Denken wieder – über alle Grenzen hinweg.) Entliefen die Ärmsten ihrem Elend, was oft genug vorkam, so drang der Heilige Vater natürlich auf Rückgabe an ihre Herren. Er stellte den entsprungenen Sklaven eines römischen Klosters ebenso nach wie dem durchgebrannten Bäcker seines eigenen Bruders. Doch da der Papst auch großzügig war, wollte er Vergehen der „coloni“ nicht durch Besitzentziehng, sondern durch Verprügeln bestraft sehen und schenkte „regelmässig seinen Freunden Sklaven“. So tätigt Gregor noch große Geschäfte. Er macht den Heiligen Petrus zu einem immer reicheren Mann. Er hebt die Profite seines Besitzes beträchtlich und begründet entscheidend die folgenreiche Territorialherrschaft des Papsttums. Er versorgt durch seine sizilianischen Latifundien Rom mit Getreide, er bezahlt die kaiserlichen Truppen der partes Romanae, er kümmert sich um Nachschub und Verteidigung, ja, befehligt in Krisenzeiten die römische Garnison. Derart leitet der „Säckelmeister des Kaisers“, der „Kassenverwalter der Armen“, wie er sich selbst nennt, der „Konsul Gottes“, wie ihn seine Grabschrift feiert, die Entwicklung zum Kirchenstaat ein mit einer kaum übersehbaren Folge von Fehden, Kriegen und Betrug. Doch ist das Papsttum schon jetzt eine sehr weltliche Macht, Gregors Verhalten gegenüber Byzanz bereits bemerkenswert. ...
Sehr kurz zusammengefasst. Infolge des Anwachsens der Papstmacht und der intriganten Verbrüderung und Anbiederung mit und an die jeweils stärksten Herrscher (wobei man da aus Geschäftsgründen so oft die Seiten wechselt wie andere ihre Unterwäsche!) zieht dieses Gedankengut auch im Merowingerreich, dann im Karolingerreich ein. Wieder genau nach altem Muster. Zunächst bekehrt man die Fürsten/Könige, soweit sie nicht schon christlich sind. Bekehrung der heidnischen Volkes durch Prügel, Folter und Kerker. Missionen und Massaker ohne Ende. Vernichtung oder Versklavung der besiegten und unterworfenen Völker, denn Krieg wurde zu dieser Zeit ohne Unterlass geführt.
Das stetig wachsende Kirchenland (Schenkungen der weltlichen Herrscher)– eine enorme Einkunftsquelle - war unveräußerlich (!). Güterschenkungen fielen übrigens nicht der Gesamtkirche zu, sondern gewissen Einrichtungen, Diözesen etwa, Abteien. Und natürlich waren auch die den Klöstern zufließenden Landschenkungen „als gutswirtschaftliche Sklavenbetriebe organisiert“. Allein das Kloster St. Gallen verfügte gegen Ende der Karolingerzeit über fast 2000 Zinsbauern. Schenkungen an die Kathedrale teilte der Bischof mit seinen Priestern: Von Schenkungen an die Pfarrkirchen erhielt er „nur ein Drittel“; aber Weinberge oder Ländereien bekam er ganz, ebenfalls alle Sklaven. Man hat vermutet, dass es im Merowingerreich mehr Sklaven gab als im 4. Jahrhundert. Die Burgunder etwa gelangten zu einem großen Sklavenbestand wohl erst lange nachdem sie Christen geworden, vor allem durch die Kriegszüge nach Italien, durch Abtretung römischen Grundbesitzes, durch strafweise Verknechtung im Hausdienst und in der Landwirtschaft. Zwar verwandte sich die Kirche in gewisser Hinsicht für die Sklaven. Für deren Sonntagsruhe zum Beispiel, was pastorale Gründe hatte, als (auch) eigensüchtige. Oder indem sie einem Sklaven Asyl anbot, das er freilich bei bloßer Versicherung seines Herrn, ihn weder zu töten noch zu mißhandeln, wieder verlassen mußte, notfalls mit Gewalt. Auch schützte sie ihn nicht mehr, wenn er Genugtuung verweigerte oder floh. Und christliche Sklaven eines Juden konnte der Bischof selbst behalten. Auch am Eigentumsrecht des Herrn rüttelte eine Kirche nicht, die selber Sklaven haufenweise hielt – ein grundlegendes Element ihres Eigentums. Ihre gewaltigen Domänen liessen sich nur mit gewaltigen Sklavenscharen bewirtschaften. Und ein Sklave wurde, zumindest in der Karolingerzeit, in der Regel schon als Sklave geboren. Er galt rechtlich nicht mehr als eine Sache; er konnte verkauft, und zwar auch von seiner Ehefrau getrennt verkauft werden. Nicht einmal durch die Priesterweihe wurde ein Sklave frei. Auch durch die Ehe nicht. Und jedes Sklavenkind blieb Sklave, war auch nur ein Elternteil versklavt. Auch kam es zu neuer Verknechtung, neuer Unfreiheit. Ja, die sog. obnoxiatio ermöglichte die Versklavung eines Armen um Gottes willen, d.h. natürlich zugunsten der Kirche, der er dann gehörte. Hatte sie selbst aber Sklaven befreit und losgekauft, wurden ihr diese tributpflichtig. Noch die eigenen Sklaven des Bischofs mußten, ließ er sie frei, im Kirchendienst bleiben. Äbte durften dem Kloster geschenkte Sklaven überhaupt nicht befreien, hielten es die Konzilsväter von Epaon (517) für ungerecht, dass Mönche die tägliche Feldarbeit leisten, während die Sklaven der Faulheit frönten.
Verdienstvoller Weise erinnert der Historiker Bosl einmal daran, „alle“ daran, „daß die Geschichte der Unterschichten und der Unfreiheit bzw. Leibeigenschaft für über 98 % unserer Menschen ihre eigene Geschichte und die ihrer Familie ist“, da „fast 99 % aller heutigen Deutschen und Europäer von Leibeigenen abstammen“.
Übrigens verurteilte die rk-Kirche die Sklaverei offiziell erst ca. im Jahre 1963 (!!!)