Berlin-Vegan: Grundlegende Kritik an Experimentierkästen mit lebens- und leidensfähigen Wesen

Grundlegende Kritik an Experimentierkästen mit lebens- und leidensfähigen Wesen

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Achim Gralke
Programmleitung Kinder- & Jugendbuch, Kinderspiele, Experimentierkästen, Kalender
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Sehr geehrte Damen und Herren des Kosmos-Verlages,
Sehr geehrter Herr Gralke,

in Ihrem Verlagsprogramm findet sich eine große Anzahl von Experimentierkästen für Kinder, die sehr wichtig und wertvoll für deren Entwicklung sind. Nicht nur graduell, sondern grundlegend anders muß jedoch die Verwendung von zunächst ruhendem Leben, aus dem sich fühlende(!) Lebewesen entwickeln, in Experimentierkästen bewertet werden. Zur Grundlage dieser Bewertung dient mir der Experimentierkasten „Salzkrebschen - Experimente auf den Spuren des Lebens“ (19,99 EUR, Ab 8 Jahre, EAN: 4002051662615, Art.-Nr.: 66261) – weitere unten- , den ich in einer Buchhandlung gefunden und begutachtet habe.

Zunächst einmal befindet sich das Leben in diesem Kasten in einem Ruhezustand in Form von getrockneten Eiern, die mit Hilfe von entsprechend aufbereitetem Wasser „zum Leben erweckt“ werden sollen. Dieser zweifellos für Kinder (und zugegebenermaßen auch für Erwachsene) beeindruckende Vorgang wiegt jedoch nicht die verheerenden Folgen für die ethisch-moralische und seelische Entwicklung der Kinder auf, die sich auf diesen Experimentierkasten eingelassen haben.

Im beigefügten Anleitungsheft wird in einer altersgerechten Sprache die Entwicklung der Salzkrebschen erklärt, doch schon nach wenigen Seiten dazu aufgefordert, mit den Salzkrebschen Experimente zu machen, zB. wie sie in einem abgedunkelten Zimmer auf einen Lichtstrahl reagieren. Dieses fraglos für Salzkrebschen schmerzlose Experiment hat jedoch den Haken, daß hierbei eine erste kleine Hemmschwelle eingerissen wird, nämlich die der (wenn auch schmerzlosen) Experimente (!) mit fühlenden Wesen. Ein weiteres Experiment beinhaltet die Versuchsanweisungen, die Eier der Salzkrebschen größerer Hitze und Kälte auszusetzen. Das Ergebnis: aus den Eiern kann immer noch Leben erweckt werden. Angesichts dieser staunend machenden Erkenntnis und der offensichtlichen Robustheit der Salzkrebscheneier, die Kinder diesen Alters als „gleich“ den Salzkrebschen selber empfinden, besteht die logische Folge darin, daß die Kinder versucht sein werden, auch die lebenden Salzkrebschen großer Hitze und Kälte auszusetzen, was diese jedoch nicht überleben würden. Im Anleitungsheft steht keine Warnung geschrieben, daß die Salzkrebschen von solchen Experimenten zu verschonen sind und vor allem nicht, warum!

Jetzt werden Sie sicherlich einwenden, daß doch wohl jedes Kind weiß, was mit Lebewesen passiert, die großer Hitze oder Kälte ausgesetzt werden. Eine ehrliche Betrachtung der Sachlage läßt auch Sie den Unterschied erkennen, ob Kinder, die „von Natur aus“ willens sind, alles auszuprobieren, einen Warnhinweis bekommen, fühlendes Leben zu verschonen oder jene „berühmten“ Amerikaner, die einen Warnhinweis auf der Mikrowelle brauchen, daß darin keine nassen Haustiere getrocknet werden dürfen.
Abgesehen von dem Elend des vernichteten Lebens, stellt sich hier auch die Frage, welche Folgen ein solches Experiment für die kindliche Seele hat. Mit Sicherheit wird das Kind um die toten Salzkrebschen trauern. Was jedoch viel verheerender ist, ist die Tatsache, daß dem Kind die Qual der Tiere (im Gegensatz zu deren Tod) verborgen bleibt; zu klein sind die Tierchen, als daß sie den Kindern einen erkennbaren Hinweis darauf geben können, daß sie leiden. Schmerzensschreie, wie etwa bei Landsäugetieren sind ebenfalls nicht zu vernehmen.

Die Kinder mit ihrer in dieser Hinsicht noch kaum entwickelten Wahrnehmung, zu verstehen, daß auch da Schmerz sein kann, wo keine Schreie und kein Blut sind, dahingehend zu manipulieren, daß sie ihre anfänglichen Bedenken angesichts des Todes der Salzkrebschen  zugunsten ihres Entdeckerdranges bald über Bord werfen werden und weitere Tierexperimente, Tierversuche machen, deren Vielfältigkeiten am allerwenigsten die kindliche Kreativität eine Grenze setzt,  ist ein schwerwiegender Verstoß gegen den Grundsatz, Kinder zu ethisch verantwortungsvollen Menschen zu erziehen.

Ich möchte nochmals betonen, daß es sich hier einmal um die Vernichtung fühlenden Lebens und zweitens um die bewußt herbeigeführte Verrohung von Kindern handelt, wenn auch „nur“ mit kleinen Salzkrebschen. Hier wird eine Hemmschwelle, sich an fühlenden Wesen zu vergreifen aufgeweicht, statt sie zu festigen. Wie bereits erwähnt, habe ich nur diesen einen Kasten begutachtet, befürchte aber für die anderen derartigen Experimentierkästen ähnliche „Anleitungen“. Nicht zuletzt störe nicht nur ich mich an der Bezeichnung „Experimentierkasten“, impliziert dieser Begriff doch schon von vornherein, daß mit den fühlenden Wesen, die da entstehen, Experimente gemacht werden sollen.

Der zweite Kritikpunkt, den ich anbringe, ist der, der deutlich macht, daß es hier nicht mit einer Änderung des Anleitungsbuches getan ist, sondern der so grundlegend ist, daß er einen sofortigen Verkaufstop erfordert. Mit dem Kauf eines solchen Experimentierkastens wird Leben erworben, das ruhend ist, (jedoch erweckt werden soll.) Darin liegt die niedrige Hemmschwelle für den Kauf (und die Weitergabe vom Erwachsenen ans Kind) begründet, die bei anderen Tieren, zum Beispiel Hunden oder Katzen angesichts des massiven Elends ausgesetzter Tiere zu erhöhen versucht wird. Den Käufern ist nicht so recht bewußt, daß es sich hier um fühlende Wesen handelt, die aus der Gabe der Eier ins vorbereitete Wasser hervorgehen und daß auch hier die Hemmschwelle zum verantwortungslosen Umgang mit fühlendem Leben abgesenkt werden soll.

Ich will diesen harten Vorwurf näher erläutern:  Normal entwickelte Kinder lieben Tiere. Wenn man sie fragt, ob man Tiere quälen darf, werden sie es verneinen. Nur sind diese Kinder noch weniger als die Erwachsenen, die (ihren) Kindern wertvolles Wissen vermitteln wollen, in der Lage, zu erkennen, in welche Zwangslage sie hineinmanövriert werden, wenn sie aufgefordert werden, diese Eier ins vorbereitete Wasser zu geben. Die Kinder werden im weitesten Sinne Hautierhalter, die „ihre“ Tiere gern haben, auch wenn sie nicht mit ihnen kuscheln können und werden alles tun, daß es den Tieren nach ihrem Verständnis gut geht, soweit nicht, wie oben beschrieben, erhaltenswerte Hemmschwellen eingerissen werden. Das Dilemma beginnt da, wo die gut gepflegten Tiere beginnen, sich unkontrolliert zu ermehren. Zunächst mag das Kind versucht sein, einen größeren Lebensraum für „seine“ Tiere bereitzustellen, was nur eine zeitliche Verschiebung der „Endlösung“ bedeutet. Irgendwann wird jeder Lebensraum zu klein und das Kind wird sich gezwungen sehen, die Tiere, die ihm ans Herz gewachsen sind, auszuliefern an Fraßfeinde (Fische in Aquarien, so die empathielose Empfehlung im Anleitungsheftchen), oder auszusetzen in Seen oder Flüssen, sofern ihm das Aufgefressenwerden für seine Schützlinge als zu grausam erscheint. Beides bedeutet für die geliebten Tiere den Tod, auf jeden Fall den zunächst vielleicht teilweisen Verlust, der in letzter Konsequenz jedoch endgültig sein wird, weil das „Problem“ der Weitervermehrung ja nicht gelöst werden kann, was die Qual für das Kind verlängert.

Die Kinder werden also bewußt in eine Lage versetzt, die sie letztlich zwingt, geliebte Lebewesen preiszugeben und aus der sie sich nicht befreien können. Welch gravierende  Auswirkungen dieser Vorgang auf die kindliche Seele hat, ist nicht schwer zu erraten. Selbstverständlich werden die nächsten Bezugspersonen (zB. Eltern) versucht sein, das Kind zu trösten und ihm das Gefühl zu geben, alles sei nicht so schlimm und verstärken damit die pädagogisch absolut zu vermeidende Tendenz, daß Kindern in diesem Alter nicht von selber bewußt werden kann, daß auch da Leid vorhanden sein kann, wo kein Schrei und kein Blut sind.

Als staatlich anerkannte Erzieherin und Tierschutzlehrerin fordere ich Sie aus den genannten Gründen auf, einen sofortigen Verkaufstop für alle Experimentierkästen mit potenziell lebens- und leidensfähigen Wesen zu verfügen. In jedem Fall erwarte ich jedoch Ihre aussagekräftige Stellungnahme zu diesem Sachverhalt.

Mit tierfreundlichen Grüßen

Stephanie Johanna Goldbach
Berlin-Charlottenburg

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Inhalt:
Fantasie-Aquarium mit 4 Schiebetoren, Sand, Muschelsand, Glow-in-the-dark-Steine, Lupendach; Kombipack: Eier, Futter, Conditioner; Thermometer, Saugflasche & Löffel zur Reinigung, Anleitungsheft


Salzkrebschen Experimente auf den Spuren des Lebens 19,99 EUR  Ab 8 Jahre,
EAN: 4002051662615, Art.-Nr.: 66261
Warum werden Salzkrebschen eigentlich Urzeitkrebse genannt ?
Wieso sind die trockenen Eier „ewig“ haltbar ?
Wie entwickelt sich aus einem Ei ein erwachsener Salzkrebs ?
Erlebe die Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Salzkrebs!

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(Quelle: http://www.kosmos.de/ )