Berlin-Vegan: Walfang gehört nicht zu Ihren beiden fortschrittlichen Ländern

Walfang gehört nicht zu Ihren beiden fortschrittlichen Ländern

info(at)botschaft-japan.de, emb.berlin(at)mfa.no

Herr Toshiyuki TAKANO
Botschaft von Japan
Hiroshimastraße 6
10785 BerlinKöniglich

Norwegische Botschaft
Bjørn Tore Godal
Rauchstr. 1
10787 Berlin


Sehr geehrte Botschafter von Japan und Norwegen,

auch ich protestiere vehement gegen die unfassbaren, unverantwortlichen und in höchstem Maße egoistischen Initiativen Ihrer beiden Länder für die Aufweichung und möglichst baldige Abschaffung des Walfangverbotes. Ihr Vorgehen hat in allen wirklich zivilisierten Ländern (Ihre beiden Länder sind dies anscheinend nicht) einen Aufschrei des Entsetzens ausgelöst!

Bei der internationalen Walfangkommission (IWC) kam es auf Initiative Ihres Landes Japan, das durch Entwicklungshilfe arme Länder unterstützt und sich so deren Stimme sichert (=Bestechung?!), zu einer schlimmen Niederlage für die Wale. Ihr Land Japan will das seit 20 Jahren bestehende Moratorium beseitigen. Mit 33 zu 32 Stimmen wurde bei der IWC beschlossen, Wale in Zukunft „kontrolliert zu töten“ und auch Buckelwale stehen auf der Abschussliste. Neben Ihren beiden Ländern sowie Russland und Dänemark stimmten natürlich nur arme Länder aus Afrika und der Karibik dem Ende des Moratoriums zu.

Entwicklungshilfe von Ihren in Geld nur so schwimmenden beiden Staaten haben die Trikontstaaten tatsächlich sehr nötig, jedoch nicht als Belohnung für solch niederträchtige Abstimmungen. Dies ist zutiefst verwerflich und Sie in Norwegen und Japan sollten sich alle nicht nur dafür schämen, sondern natürlich auch dafür, Ihre ganzen Nationen dadurch so sehr in Misskredit zu bringen und vor allem für Ihr skrupelloses Abschlachten dieser so friedlichen, intelligenten, wichtigen und mittlerweile dank Ihrer tatkräftigen Hilfe auch fast ausgestorbenen Meeressäuger für Kommerz, Pseudowissenschaft und Gaumenkitzel. Ich kann gar keine passenden Worte finden, um meiner Abscheu gegenüber Ihrer so unendlich großen Tier- und Umweltverachtung Ausdruck zu verleihen und werde selbstverständlich Ihre beiden Länder touristisch boykottieren, bis endlich kein einziger Wal mehr von Ihren Ländern abgemetzelt wird!

Mit tier- und umweltfreundlichen Grüßen,

  

-------- Original-Nachricht --------

 

Datum: Tue, 24 Oct 2006 14:49:04 +0200

 

Von: Botschaft von Japan pr607(at)botschaft-japan.d;

 

Re: Jährliches Massaker an Delfinen in Japan

Sehr geehrte xx,

Ihren Protest gegen die Wal- und Delfinjagd in Japan haben wir aufmerksam zur Kenntnis ge­nommen. Bei der Botschaft sind eine Reihe ähnlicher Zuschriften eingegangen, weshalb ich die Posi­tion meines Landes in bezug auf diese Angelegenheit kurz darstellen möchte.

1. Zum Fang von Delfinen allgemein

In einigen Küstenregionen Japans (z.B. in Izu in der Präfektur Shizuoka, in Taichi in der Präfektur Wakayama und in Sanriku in der Präfektur Iwate) wird der Fang von Delfinen betrieben, weil in dieser Region traditionell der Brauch besteht, Delfinfleisch zu essen. Die Del­fine sind eine der erneuerbaren Meeresressourcen und Japan betreibt den Fang dieser Tiere im Rahmen angemessener Kontrollmaßnahmen.

Ich möchte Ihnen gern den Hintergrund für das Bestehen dieser Tradition erläutern. In Japan kommt der Nutzung der Ressourcen des Meeres seit alters her große Bedeutung zu. Da das Land größtenteils aus Bergen besteht und landwirtschaftliche Nutzflächen nur begrenzt zur Verfügung stehen, spielte die Tierzucht traditionell eine sehr untergeordnete Rolle. Die Japaner sind daher für die Versorgung mit lebensnotwendigem tierischen Eiweiß in hohem Maße von Meeresprodukten abhängig, die in den Küstengewässern reichhaltig vorhanden sind. Dazu gehören seit langem auch Wale und Kleinwale einschließlich Delfine. Archäologische Funde belegen die Nutzung dieser Tiere in Japan seit mindestens 5000 Jahren. Im Gegensatz zum industriellen Walfang, wie ihn westliche Nationen früher betrieben (Bedarf an Walöl für industrielle Zwecke), wurden in Japan Wale und Delfine stets als Nahrungsmit­tel für Menschen gejagt.

Konkret werden in Japan die Delfinarten gegenwärtig in drei Kategorien eingeteilt: (1) Delfinarten, deren Fang streng verboten ist, (2) Delfinarten, über deren Bestand z.B. keine aus­reichenden Informationen vorliegen, und bei denen deswegen vor einem Fang das Amt für Fischereiwesen der japanischen Regierung konsultiert werden muss sowie (3) Delfinarten, deren Fang aufgrund der gesetzlichen Vorschriften und innerhalb der festgelegten Quoten erlaubt ist.

Der Fang von Delfinen der letzten Kategorie darf allein mit Genehmigung des zuständigen Gouverneurs der Präfektur oder des regionalen Koordinierungsausschusses für Fischereiwesen durchgeführt werden und es bestehen hierfür genau festgelegte Quoten. Die Überwachung dieser Quoten erfolgt durch Beamte der Präfektur, die beim Anlanden des Fangs anwesend sind sowie z.B. die Lieferscheine für die örtlichen Fischmärkte prüfen. Nähert sich die jährliche Fangmenge der festgelegten Quote, wird der Fang per Verordnung gestoppt.

Die Festlegung der jährlichen Quoten geschieht entsprechend den Untersuchungsergebnissen von Zählungen nach visuellem Verfahren, die jährlich durchgeführt werden; die Quoten entsprechen je nach Delfinart ca. ein bis fünf Prozent des geschätzten Bestandes. Die Zäh­lungen nach visuellem Verfahren orientieren sich an den Methoden, die das Wissenschaft­liche Komitee der IWC anwendet. Konkret wurde in diesem Jahr für Kleinwale (einschließlich Delfinarten) eine Quote von insgesamt 21.120 Exemplaren festgelegt. Die Zahl der tatsäch­lich gefangenen Exemplare liegt in der Regel unter diesem Wert. Sie belief sich für 2002 auf 18.212 und für 2003 auf 16.927.

Delfine, die als unbeabsichtigter Beifang in Netze geraten oder an Küsten stranden, sollen nicht gefangen werden, sondern sind entsprechend einer Anweisung der japanischen Regierung ins offene Meer zurückzuführen. Konkret betreibt die Regierung im Rahmen des Pro­gramms „Save the marine mammal“ Aufklärungsarbeit über Rettungsmethoden für Delfine und leistet einen Zuschuss zu den durch die Rettung entstandenen Kosten. Insgesamt wer­den hierfür Finanzmittel in Höhe von zwanzig Millionen Yen (ca. 160.000 Euro) pro Jahr auf­gewendet.

Werden Kleinwale gefangen, für die keine Quoten bestehen, so werden gegen den betreffenden Fischer Maßnahmen aufgrund der bestehenden Verordnungen ergriffen wie z.B. ein Fischereiverbot für einen bestimmten Zeitraum.

Weitere Strafen können verhängt werden.

2. Zur Verbesserung der Tötungsmethoden

Ich verstehe, dass die angewandten Tötungsmethoden als grausam bezeichnet werden. Auch die japanische Regierung ist der Auffassung, dass nicht nur bei Delfinen, sondern beim notwendigen Töten aller Tiere ein unnötig langes Leiden vermieden werden sollte. Deshalb bemühen sich die Fischer, die für das Töten der Delfine erforderliche Zeitspanne so kurz wie möglich zu halten. Zugleich hat das Amt für Fischereiwesen Experten ins Ausland entsandt, um alternative Fang- und Tötungsmethoden zu entwickeln und einzuführen. Über diese effizienteren Methoden werden die Fischer nun unterrichtet.

Bezüglich der Frage des wissenschaftlichen Walfangs möchte ich Ihnen versichern, dass Japan mit großem Nachdruck den internatio­nalen Schutz bedrohter Walarten wie z.B. der Blauwale unterstützt. Während einige der insgesamt rund achtzig Walarten vom Aussterben bedroht sind, gibt es andererseits auch Walarten wie den Minkwal, deren Bestände sich ausreichend erholt haben. Japan engagiert sich einerseits für den Schutz der Walarten, deren Bestände abnehmen, zugleich aber setzt es sich für die nachhaltige Nutzung nur der Arten ein, die in ausreichenden Beständen vorkommen.

 

-------- Original-Nachricht --------

Datum: Fri, 13 Oct 2006 14:13:11 +0200

Von: Botschaft von Japan pr607(at)botschaft-japan.de;

Re: Stoppen Sie Japans Walfang!

Sehr geehrte xx,

Ihr Schreiben zur Frage des japanischen Walfangs haben wir erhalten und begrüßen Ihr Engagement für die Wale sehr. Was den Schutz bedrohter Walarten betrifft, teilen wir Ihren Standpunkt uneingeschränkt. Japan unterstützt mit großem Nachdruck den internationalen Schutz bedrohter Walarten wie z.B. der Blauwale. Während einige der insgesamt rund achtzig Walarten vom Aussterben bedroht sind, gibt es andererseits auch Walarten wie den Minkwal, deren Bestände sich ausreichend erholt haben. Japan engagiert sich einerseits für den Schutz der Walarten, deren Bestände abnehmen, zugleich aber setzt es sich für die nachhaltige Nutzung nur der Arten ein, die in ausreichenden Beständen vorkommen.

Im Rahmen des japanischen Walfangs zu Forschungszwecken im Nordwestpazifik wurden im letzten Jahr (2005) maximal

·         220 Minkwale (hundert im offenen Meer, 120 in Küstengewässern),

·         100 Seiwale,

·         50 Brydewale sowie

·         10 Pottwale gefangen.

Für das Südpolarmeer gelten entsprechend folgende Zahlen:

·         850 Minkwale (+/- 10 %),

·         10 Finnwale

Jedoch bedeutet dieser Fang im Ausmaß von 0,01% - 0,8% des gegenwärtigen Bestands keinerlei Risiko für diese Walarten. Vielmehr hat der Wissenschaftliche Ausschuss der Internationalen Walfangkommission (IWC) festgestellt, dass der Bestand einiger dieser Arten jährlich um mehr als zehn Prozent zunimmt.

Im Forschungsgebiet Nordwestpazifik belaufen sich die geschätzten Populationen der einzelnen Walarten wie folgt:

·         Minkwale: 25.000 Exemplare,

·         Seiwale: 28.000 Exemplare,

·         Brydewale: 22.000 Exemplare sowie

·         Pottwale: 102.000 Exemplare

Für das Südpolarmeer werden die Bestände wie folgt geschätzt:

·         Minkwale: 761.000 Exemplare

·         Finnwale:   47.000 Exemplare

(Nebenbei erwähnt hat der U.S. National Marine Service in einer Untersuchung aus dem Jahr 2000 die Pottwal-Population weltweit auf zwei Millionen Exemplare geschätzt.) Die oben aufgeführten Arten sind daher unter keinen Umständen in ihrem Bestand gefährdet. Die meisten Walpopulationen verfügen über ein Wachstumspotential von ein bis sieben Prozent jährlich.

Beunruhigt sind wir über die Tatsache, dass bestimmte Nichtregierungsorganisationen (NGO) in dieser Angelegenheit falsche Informationen in der Öffentlichkeit verbreiten, so dass sich der Dialog zwischen uns und Ihnen schwieriger gestaltet. Beispielsweise stellt der oben genannte Walfang keinen kommerziellen Walfang dar (auch wenn einige NGO das Gegenteil behaupten). Die Forschungsaktivitäten umfassen sowohl letale als auch nicht-letale Untersu­chungsmethoden (z. B. Sichtungen); sie wurden mit großer Sorgfalt von Wissenschaftlern entwickelt, um die Walpopulationen sowie die ökologische Rolle dieser Arten zu studieren. Japan beschränkt die Zahl der zu fangenden Wale auf das kleinstmögliche Maß, um die wissenschaftlichen Daten zu erhalten, die durch Sichtungen nicht erlangt werden können. Die Planung dieser Forschung und ihre Re­sultate werden jedes Jahr vom wissenschaftlichen Komitee der Internationalen Walfangkommission (IWC) geprüft und stehen in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Internationalen Walfangübereinkommens (ICRW). Die IWC ist zu keiner Zeit zu dem Schluss gekommen, dass nicht-letale Methoden unsere Forschung ersetzen können.

Nichtsdestotrotz setzt sich Japan dafür ein, die nicht-letalen Methoden im Rahmen seiner Forschung auszuweiten. Der Walfang zu Forschungszwecken stellt keineswegs einen Verstoß oder den Missbrauch eines Schlupflochs in Bezug auf das betreffende internationale Übereinkommen dar. Es ist vielmehr legitimes Recht der Vertragsstaaten gemäß Artikel VIII des Internationalen Übereinkommens über die Kontrolle des Walfangs (ICRW). Walfleisch wird auf Märkten zum Verkauf angeboten, jedoch wird uns dies in Artikel VIII des ICRW vorgeschrieben. Durch den Verkauf von Walfleisch erzielt Japan keinerlei Profit. Ein nicht kom­merziellen Interessen verpflichtetes Forschungsinstitut, das mit der Ausführung des For­schungsprogramms betraut ist, veräußert die Nebenprodukte, um einen Teil seiner Forschungskosten zu decken. Der andere Teil der Kosten wird aus Regierungsmitteln gedeckt.

Es ist voreilig zu behaupten, die "Welt" sei gegen Walfang. Es stimmt, dass Länder, die gegen den Walfang sind, im Rahmen der IWC ein Verbot des Walfangs befürworten. Jedoch sind eine ganze Reihe von Ländern gegenteiliger Auffassung. Während der Zusammen­künfte in Bezug auf das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) 1997 und 2000 unterstützten etwa 40 - 50 Pro­zent der teilnehmenden Länder unsere Position.

Auch die Kritik von Organisationen wie Greenpeace und die Berichterstattung der Medien, Japan betreibe mittels Entwicklungshilfe den Kauf von Stimmen, entspricht keineswegs den Tatsachen. Japan gewährt vielmehr auch Ländern, die sich strikt gegen den Walfang aussprechen wie z.B. Indien, Argentinien oder Brasilien Wirtschaftshilfe. Ob ein Land Wirtschaftshilfe erhält oder nicht, wird nicht danach entschieden, ob dieses Land für oder gegen den Walfang eingestellt ist. Japan hat gegen die oben genannten falschen Medi­enberichte protestiert.

Schließlich möchten wir noch darauf hinweisen, dass Walfang nicht länger ein Thema der Arterhaltung darstellt wie noch in den siebziger Jahren, als verschiedene Walarten übermäßig gefangen und daher wirksame Maßnahmen für den Schutz bedrohter Arten gefordert wurden. Jedoch hat sich seit den achtziger Jahren die Situation verändert, nachdem auch nicht ge­fährdete Walarten durch das IWC geschützt wurden, obwohl das Wissenschaftliche Komitee des IWC Berechnungen angestellt hatte, denen zufolge bestimmte Walarten in großen Beständen vorhanden waren.

Wir wissen Ihr Interesse in Bezug auf dieses Thema sehr zu schätzen und Japan wird sich stets dafür einsetzen, einen konstruktiven Meinungsaustausch über den Walfang zu ermögli­chen. Ich hoffe, dass meine Ausführungen dazu beitragen konnten, das Verständnis für die Position Japans zu fördern und

verbleibe mit freundlichen Grüßen

 Kazuya OTSUKA

1. Botschaftssekretär

Abteilung für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit

P.S.:    Weitere detaillierte Informationen erhalten Sie unter www.icrwhale.org (Institute of Cetacean Research [Institut für Walforschung], Tokyo, Japan), sowie unter www.iwcoffice.org  (Internationale Walfangkommission, Cambridge, Groß­britannien).

 

 

info(at)botschaft-japan.de;

Stoppen Sie Japans Walfang!

 

Ihre Exzellenz Toshiyuki Takano,

im Hinblick auf die IWC in St. Kitts (Karibik), möchte ich Sie auffordern, dass der Walschutz auch von Japan eingehalten wird. Die momentane Situation ist alarmierend.

Es muss mehr zum Schutz der Wale getan werden:

- weil sich die Bestände vieler Walarten noch immer nicht von den intensiven Fangaktivitäten der früheren Jahre erholt haben.

- weil Japan das grausame Abschlachten von Walen trotz offiziellen internationalen Resolutionen und trotz eines weltweiten Walfang-Moratoriums fortsetzt. Darüber hinaus hat Japan in diesem Jahr insgesamt die Jagd auf Wale drastisch ausgeweitet. Mehr als 860 wurden in dem internationalen Schutzgebiet Southern Ocean getötet. Damit hat Japan die Jagdquote gegenüber 2005 nahezu verdoppelt.

-weil die Behauptung Japans, die Wale zu "wissenschaftlichen Zwecken" zu töten, lediglich ein Vorwand ist. Das "Forschungsfleisch" gelangt auf den freien Verkaufsmarkt und wird zur Absatzsteigerung durch Marketingmaßnahmen unterstützt.

Es muss aufhören, dass Japan armen Entwicklungsländern Subventionen für ihr Fischereigewerbe bietet, wenn sie an der IWC teilnehmen und ihre Stimme für den Walfang abgeben.

Mit freundlichen Grüßen,