Schreibtischtäter gg. Wildvögel und besonders Krähen
derk.ehlert(at)senstadt.verwalt-berlin.de, wildtiere(at)senstadt.verwalt-berlin.de, sabine.kopetzki(at)senstadt.verwalt-berlin.de, ingrid.cloos(at)senstadt.verwalt-berlin.de, FoA_Tegel(at)senstadt.verwalt-berlin.de, FoA_Pankow(at)senstadt.verwalt-berlin.de, FoA_Koepenick(at)senstadt.verwalt-berlin.de, FoA_Grunewald(at)senstadt.verwalt-berlin.de, berliner_forsten(at)senstadt.verwalt-berlin.de, redaktion(at)tagesspiegel.de, leserbriefe(at)tagesspiegel.de, redaktion(at)meinberlin.net
Sehr geehrter Herr Ehlert,
sehr geehrte weitere Bedienstete der Stadt Berlin,
auch ich habe den Artikel über Sie im Tagesspiegel gelesen:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/23.12.2006/2982792.asp
(falls nicht mehr verfügbar, als Kopie unten angefügt)
Ich habe mich anfangs ziemlich über Ihre Zuneigung und Ihr Verständnis zu den Vögeln gefreut, mußte dann aber entsetzt feststellen, daß Sie als Jagdreferent über Leben und Tod anderer unschuldiger Tiere entscheiden- vom Schreibtisch aus; und sich dann den Anschein eines Tierliebhabers geben. Das ist falsch und verlogen und das wissen Sie auch.
JEDES Tier hat ein Recht auf Leben, auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die in ihrer Überheblichkeit glauben, die Natur regulieren zu müssen, durch die sie selbst erst auf die Erde kamen.
Ihre feinen Herren Jagdkollegen sind es aber auch, die die Natur erst durch Eingreifen in die natürlichen Abläufe aus dem Gleichgewicht gebracht haben und sich weiterhin vehement dagegen wehren, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen bzw sich selbst einpendeln zu lassen.
So haben die Lustmörder die natürlichen Feinde abgeschafft und ermorden sie noch immer (Bruno!), regulierende Mechanismen ausgeschaltet (Abschuß von alten Bachen), es werden Tiere über den Winter gefüttert, um sie im nächsten Jahr abknallen zu können. Fuchsreviere werden leer geschossen, um die durch bei folglich vermehrten Revierkämpfen unter Füchsen erst recht verbreiteten Tollwut wiederum den Füchsen zu Lasten legen zu können, um dann noch mehr abzuknallen. Dies sind nur einige Beispiele.
Ich fordere Sie auf, sich auf den einschlägigen AntiJagdSeiten im Internet ausführlich zu informieren und Ihr mörderisches Treiben einzustellen.
Für ALLE Tiere
(23.12.2006)
Der Krähen-Versteher
Derk Ehlert ist Ornithologe. Derzeit beobachtet und belauscht er gerne gefiederte Weihnachtstouristen
Von Daniela Martens
Der Himmel ist schwarz: Hunderte dunkler Vögel flattern in der Abenddämmerung aufgeregt über der Spree, dort, wo sie unter der Jannowitzbrücke hindurchfließt. Einige lassen sich auf den Bäumen am Ufer nieder – und heben gleich wieder ab. Auf dem Dach daneben sieht man für kurze Zeit kaum noch das Rot der Pfannen, so viele Dohlen und Saatkrähen sitzen dort. Da fällt einem gleich Hitchcocks unheimlicher Thriller „Die Vögel“ ein.
Derk Ehlert überhaupt nicht. Er ist in seinem Element. „Jetzt kommt noch ein Schwarm. Da vorne fliegen ungefähr 300, und da hinten noch mal 70“, ruft er, ein 39-Jähriger bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Vögel zählen. Um die Zahl eines Schwarms abzuschätzen, braucht er nur einen kurzen Blick. Er muss noch nicht mal zu dem Fernglas greifen, das um seinen Hals hängt.
3000 bis 4000 „Weihnachtstouristen“ zählt er an diesem Abend – so nennt er die Saatkrähen und Dohlen. „Das sind alles Osteuropäer oder Russen, und sie kommen jedes Jahr nach Berlin ins Warme, genauso wie wir gern mal nach Spanien fahren.“ Wenn er von ihnen spricht, bekommen sie fast menschliche Züge. Die Tiere gehören so selbstverständlich zu seinem Leben wie Freunde und Nachbarn für andere Leute.
Genau das sind die Touristen-Krähen im Moment für ihn. Seit ein paar Wochen schlafen sie in der Nähe von Ehlerts Büro in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Köllnischen Park. Jeden Abend suchen sie lange nach einem gemütlichen Schlafbaum. „Gegen 21 Uhr ist Zapfenstreich – es ist so spannend zu sehen, wo sie am Ende runtergehen.“ Oft vertritt sich der Biologe und Landschaftsplaner während der Arbeit kurz die Beine und sieht den schwarzen Vögeln bei der Suche zu. Zurück am Schreibtisch kümmert er sich als Jagdreferent um neue Verordnungen. Gerade hat er zum Beispiel dafür gesorgt, dass die Berliner Stockenten nie mehr auf der Hut vor Jägern sein müssen, Wildschweine dafür umso häufiger.
Vor ihm persönlich sind alle Tiere sicher. Er geht auf eine andere Art auf die Pirsch: Er spürt seine Lieblinge auf, wenn er vogelkundliche Wanderungen leitet, etwa im Freilichtmuseum Düppel.
Mit fünf Jahren hat Ehlert sein erstes Vogelbuch gelesen – und so die große Leidenschaft entdeckt. „Dahinter steckt der Traum vom Fliegen“, sagt er. Deshalb ist sein Lieblingsvogel nicht die Krähe, sondern der Mauersegler. „Das ist ein Extremist. Permanent in der Luft, hundertausende Kilometer im Jahr.“ Sein großer Traum: einmal diesen Luftakrobaten in Afrika besuchen. Dort überwintert der Langstreckenflieger. Es wäre nicht seine erste große vogelkundliche Reise: In Lappland hat er Sterntaucher und Eulen beobachtet, auf Island Papageientaucher. Genauso gern sieht Ehlert aber auch dem Wanderfalken vom Alexanderplatz bei der Taubenjagd zu. Und natürlich den Krähen. Gerade ist es still geworden am Köllnischen Park. Anscheinend suchen sich die „Touristen“ an diesem Abend doch einen anderen Schlafplatz. Das kommt vor. Ein einzelner Vogel fliegt vorbei. „Hören Sie, er macht ,arrarr, arrarr’ …“ Ehlert kräht ohne Scheu drauflos. „Das ist eine heimische Nebelkrähe. Die freut sich, dass sie allein ist. Für die sind die Dohlen und Saatkrähen wie nervige Partygäste in der eigenen Wohnung.“
Der Mann spricht die Sprache der Tiere. „Die Dohlen unterhalten sich mit ,tschiktschik’ oder ,jäjäh’. Und die Saatkrähen begrüßen sich mit ,krakra’.“ Neulich hat die Stimme eines Vogels ihn richtig glücklich gemacht: Mitten im Dezember hörte er eine Amsel singen wie sonst nur im Frühling. „Das war mein Weihnachtswunder. Mein schönstes Geschenk.“
Im Januar leitet Derk Ehlert eine Exkursion zu den Singschwänen im Odertal: Anmeldung unter www.vhs.berlin.de