Aachen die Stadt der Pferdeschänder?
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Liebe Zuständige bei der Stadt Aachen!
Auch ich habe den folgenden Artikel gelesen und bin entsetzt:
http://www.an-online.de/sixcms/detail.php?template=an_detail&id=104832&_
(als Kopie nochmal hinterher, falls der Artikel nicht mehr verfügbar sein sollte)
Das Ganze erinnert tatsächlich an den Fall Marc Dutraux, den belgischen Kinderschänder, der jahrelang, gedeckt von untätigen Behörden, seinem mörderischen Treiben nachgehen konnte, weil die Behörden alle irgendwie selbst mit verstrickt waren.
Hier ist es ähnlich: der im Artikel benannte "Fritz B." aus Krauthausen verstößt seit Jahren mit Wissen der Behörden gegen das Tierschutzgesetz und es passiert von Behördenseite irgendwie nichts... Woran liegt das bloß? Auch ich bin sehr nachdenklich und vor allem besorgt und erwarte Ihre Stellungnahme zu Ihrer beschämenden Untätigkeit. Und Dank an die Aachener Nachrichten, die dies sehr ausführlich abgedruckt haben, so muss Journalismus funktionieren!
Mit tierfreundlichen Grüßen,
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Wo Pferde wie im Mülleimer leben
Von unserem Redakteur Ernst Schneiders 21.12.2006, 17:49
Aachen. Mit dem Prädikat «pferdefreundliche Stadt» schmückt sich die Stadt Aachen gerne. Damit scheint bisweilen, so steht zu befürchten, nur die jährliche Hochglanz-Veranstaltung in der Soers gemeint zu sein. Was sich seit Jahren mit Wissen von Justiz und Verwaltung im Stadtteil Krauthausen abspielt, rechtfertigt diesen Titel keinesfalls.
In Krauthausen lebt Fritz B. mit seinem Clan, züchtet und verkauft Pferde, was weiter nicht zu beanstanden ist. Die Art und Weise, wie das dort geschieht, empört Tierschützer beinahe pausenlos, lässt Polizisten ungläubig blicken und ruft in den Amtsstuben Kopfschütteln hervor. Außer den Köpfen hat sich im Rathaus allerdings kaum etwas bewegt - bisher.
Auf städtischem Grund und Boden, den Fritz B. gepachtet hat, ist aus Holz, Schrott und Wellblech ohne Genehmigung eine große Halle errichtet worden, in der Pferde unter unmöglichen Bedingungen vegetieren müssen. Das beklagen Tierschützer und das wird auch im Rathaus nicht bestritten.
Öffnet man die Tür zu dieser Halle, berichten Augenzeugen, so ist das wie der Eintritt in einen Mülleimer. In der Halle dampfen Misthaufen vor sich hin, lagern ungesichert teilweise brisante Abfälle und Schrott. Das Futter, das den Tieren angeboten wird, ist nach einem Gutachten der Tiermedizinischen Fakultät der Uni Hannover, das der Redaktion vorliegt, «Kompost» und als Tierfutter ungeeignet.
Keinerlei Schutz
Die Pferde, die im Freien gehalten werden, haben Sommer wie Winter keinerlei Schutz vor Sonne, Regen oder Wind. In den Wasserstellen, meist alte Badewannen oder Metallbehälter, findet man entweder grün veralgten Matsch oder braun-rostfarbene Brühe. Wasser sucht man zumeist vergebens. Bis vor kurzem lag auf einer abschüssigen Wiese ein ungesicherter, etwa 80 Kubikmeter großer Misthaufen, dessen Ausfluss ungehindert in das sensible Ökosystem Indetal ablaufen konnte, kritisieren mehrere Umweltschützer übereinstimmend.
Obwohl diese Missstände den zuständigen Stellen im Rathaus nachweislich zum Teil seit Jahren bekannt sind, halten sich die Bürokraten bisher merklich zurück. Um den Schwarzbau hat sich, im Gegensatz zu anderen Schwarzbauten in Aachen, lange Zeit niemand gekümmert. Erst jetzt, nachdem das öffentliche Interesse an den Vorgängen wieder zunimmt, hat sich eine bereits vor Monaten gebildete Kommission unter Leitung des Dezernenten Hein Lindgens mal wieder zusammengesetzt und beschlossen, Fritz B. mit einer Abrissverfügung auf den Pelz zu rücken. Ob die Verwaltung Nägel mit Köpfen macht, wird bereits von Tierschützern und Kennern der Szene bezweifelt. Fritz B. werde eine Ordnungsverfügung zugestellt, gegen die werde er Widerspruch einlegen und das sei´s dann gewesen, so ein zynischer Kommentar aus dem Rathaus.
Exklusiver Vorgang
Am großen Misthaufen hat die umweltschützende Verwaltung lange Zeit vorbeigeschaut. Jeder x-beliebige Landwirt, der an verbotener Stelle Mist auftürmt, bekommt eine Strafe aufgebrummt, die sich gewaschen hat. Nicht so Fritz B., im Gegenteil: Weil er sich nicht darum kümmerte, dass die Pferdeweiden vernünftig eingezäunt waren und die Tiere immer wieder über die viel befahrene B258 liefen, wurde ihm seinerzeit vom zuständigen Bezirksamt eine stabile Umzäunung auf Kosten der Steuerzahler spendiert. Ein sicherlich nicht nur in Aachen exklusiver Vorgang.
Eine ausgesprochen unglückliche Rolle spielt in der ganzen Affäre auch das Liegenschaftsamt. Als die Veterinäre der Stadt seinerzeit unter Polizeischutz anrückten, um wegen eines abgelaufenen Pachtvertrages das Gelände zu räumen und Pferde abzuholen, hielt Fritz B. ihnen triumphierend einen Stunden zuvor vom Leiter des Liegenschaftsamtes verlängerten Pachtvertrag hin.
Die Truppe konnte geschlossen kehrtmachen und sich ein nettes CafŽ suchen. Als Oberbürgermeister Jürgen Linden im Frühjahr 2006 nach massiver Intervention von Tierschützern befand, die Indizien würden ausreichen, um das Tun des Fritz B. sofort zu stoppen, gab das Liegenschaftsamt eine rechtsfehlerhafte Kündigung der Pacht heraus. Inzwischen ist diese «Panne» nach offizieller Auskunft aus dem Rathaus behoben.
Wie das Presseamt auf Anfrage mitteilte, ist die Pacht für einige Wiesen zum 31. Oktober gekündigt worden, die restlichen Pachtverträge laufen im nächsten Jahr aus und werden nicht verlängert.
Auch das ist eine Anordnung des OB, denn der weiß, mit wem er es zu tun hat. Schon vor 20 Jahren vertrat nämlich ein Rechtsanwalt namens Dr. Jürgen Linden vor Gericht eine Tierschützerin gegen Fritz B. und obsiegte.
Warum man die Stadtverwaltung zum Jagen tragen muss, warum die zuständigen Bürokraten jahrelang weggeschaut haben, auf diese Fragen erhält man im Rathaus keine plausiblen Antworten. «Das weiß ich in der Tat auch nicht», heißt es mit Schulterzucken.
«Aber Fritz B. hat ja auch einen guten Anwalt.» «Fragen Sie mich bitte etwas Leichteres!» «Wir haben ja immer Versuche unternommen.» «Wir haben ja etwas getan, aber wir sind der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet. Da gibt es Widerspruchsfristen und festgelegte Verfahrensabläufe.»
Die Tierschützer jedenfalls sind nicht gewillt, die Stadtverwaltung «aus der Nummer noch mal raus zu lassen». Denn, so eine Tierschützerin, deren Name der Redaktion bekannt ist, «die Gesetze reichen aus, es muss sie nur endlich jemand anwenden».
Eklatanter Verstoß
Letzten Endes sind Fritz B.´s Widersacher also auf die Justiz angewiesen, und die tut sich bisher reichlich schwer mit diesem Thema. Für einen Eklat sorgte noch zu D-Mark-Zeiten eine Richterin am Amtsgericht, berichten Tierschützer. Dort waren zehn bis zwölf Verfahren gegen Fritz B. zu einer Sammelklage zusammengefasst worden. Unter anderem ging es darum, dass angeblich auf einer Weide des Fritz B. ein Pferd, vermutlich an einer Kolik, drei Tage lang elendig verreckt war, ohne dass Fritz B. sich darum gekümmert hatte. Wenn dem so gewesen sein sollte, dann wäre das ein eklatanter Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gewesen. Geklärt wurde dieser Fall bis heute nicht.
24 Zeugen waren geladen, darunter Vertreter von Polizei und Behörden. Wie damals Anwesende berichten, sah die Richterin die Menschenschar, zog sich mit Fritz B.´s Anwalt zurück und stellte schließlich gegen eine Zahlung von 1000 DM alle Verfahren ein, ohne jegliche Verhandlung.
Ein Augenzeuge: «Viele Zeugen waren außer sich vor Wut, und die Polizisten und Behördenvertreter sind mit dicken Frusthälsen und völlig konsterniert wieder abgezogen." Polizeisprecher Paul Kemen mochte diese Darstellung nicht kommentieren, betonte aber, die Ordnungshüter würden, sobald sie von derlei Dingen erführen, alles Erforderliche in die Wege leiten und ihre Ermittlungsergebnisse an Justiz und Verwaltung weiterleiten. Kemen: «Dort endet unsere Zuständigkeit.»
Zuständig waren die Ordnungshüter zuletzt wieder Ende November, als auf einer von Fritz B. gepachteten städtischen Wiese an der B258 Pferde in den Stacheldraht gelaufen waren und sich eines der Tiere dabei erheblich verletzt hatte.
Die Beamten nahmen sich der Sache an. Ein Vertreter des städtischen Veterinäramtes schaute einen Tag später vorbei und musste feststellen, dass das Pferd noch nicht tierärztlich versorgt worden war. Wie die Pressestelle der Polizei auf Anfrage erklärte, ist das eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz und hat eine Strafanzeige gegen Fritz B. und dessen Tochter Elke B. zur Folge.
Fritz B., mit den Vorwürfen von Tierschützern und Behörden sowie den Plänen der Stadt konfrontiert, reagierte am Telefon unwirsch: «Hier wird nichts abgerissen! Das steht alles schon seit 40 Jahren. Hier wird überhaupt nichts abgerissen! Was soll das alles? Die wollen uns doch nur platt machen!» Zu weiteren Auskünften war Fritz B. nicht bereit.
Insider sind überzeugt, dass «nur ein richterliches Tierhaltungsverbot für Fritz B. und seinen ganzen Familienclan» die «unsägliche Pferdehaltung» beenden kann.
Ein anderer Fall wird für Fritz B. auf jeden Fall ein Nachspiel haben: Nachdem er vor einiger Zeit in Krauthausen mit seinem Traktor auf einen Polizisten zugehalten hat, der sich ihm in den Weg stellte, muss er sich vor Gericht verantworten. Beschuldigt wird er der Verkehrsunfallflucht, des Widerstands gegen die Staatsgewalt, der Nötigung, der versuchten schweren Körperverletzung und einiger anderer Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung. Polizeisprecher Paul Kemen: «Da kommt was auf ihn zu!» Konkret kommt das am 9. Februar 2007 um 8.25 Uhr in Zimmer 444 (2. Etage) des Gerichts am Adalbertsteinweg auf Fritz B. zu.