Jagd auf Lausitzer Wölfe
Staatsminister Stanislaw Tillich
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
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Vorstand Prof. Dr. Harald Kächele, Burkhard Jäkel, Michael Spielmann
Sehr geehrter Herr Staatsminister Tillich,
laut diesem Zeitungsbericht wollen Jäger die Lausitzer Wolfspopulation erschießen. Versuche in dieser Richtung wurden schon im Jahr 2004 unternommen, doch dank Ihres Vorgängers im Amt, Herrn Staatsminister Flath, und diverser Protestschreiben kam es nicht soweit.
Wölfe sind strenggeschützte Tiere. Sie dürfen nach Anhang IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat Richtlinie (92/43/EWG) nur bei Vorliegen besonders schwergewichtiger Gründe getötet werden.
Für den Jäger Lissina ist ein besonders schwergewichtiger Grund schon dann gegeben, wenn ein Wolf nicht mehr besonders kontaktscheu ist. Er will damit offenbar sagen, dass der Wolf sich gegenüber dem Menschen nicht artgerecht, nahezu krankhaft, verhält, und deshalb mit Gewalt auf Distanz zu halten ist. Wie diese Forderungen ausgehen, wissen wir spätestens seit dem Bär Bruno.
Wildlebende Tiere verlieren ihre Scheu vor Menschen, wenn sie spüren, dass Menschen ihnen nicht nach dem Leben trachten. Das ist ein ganz natürliches Verhalten aller intelligenten Lebewesen. Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass diese Tiere mangels genügender Scheu gegenüber dem Menschen sich nun automatisch in eine Gefahr für Menschen verwandeln, zeugt von einem mangelnden Naturverständnis. Die restliche belebte Natur ist nicht Feind des Menschen, allerdings wurde dieses Bild von interessierten Kreisen in die Köpfe der inzwischen weitgehend naturentfremdeten Menschen gesetzt.
Wer daher etwas zu lernen hat, sind nicht die Wölfe, auf deren Speiseplan der Mensch nicht steht, sondern die Menschen, und zwar wie sie zukünftig richtig mit den freilebenden Geschöpfen der Natur umzugehen haben. Tun sie das, droht ihnen auch keine Gefahr. JägerInnen sind zur Lösung dieser Probleme denkbar ungeeignet, denn ihnen mangelt es an Vernunft, wie dies schon Paul Parin, Ethnologe, Psychologe und leidenschaftlicher Jäger bereits zutreffend festgestellte: „Die größte Gefahr für das Bestehen der Jagd ist die Vernunft.“ Und der Historiker Friedrich Heer, der den engen Zusammenhang von Jagd und Krieg, Tierjagd und Menschenjagd besonders im adligen Leben seit „Karls des Großen“ Tagen betont, fordert, die „mörderische Jagdlust dieser hohen Herren“ einmal tiefenpsychologisch und metapolitisch zu untersuchen.
Sehr geehrter Herr Staatsminister, aus Ihrer Personenbeschreibung geht hervor, dass Sie Sorbe und römisch-katholischen Glaubens sind. Für mich ein Widerspruch und ein Verrat an den eigenen Ahnen, den ich Ihnen gerne erklären möchte. Die rk Kirche bzw. der mit ihr korrespondierende weltliche Arm begann ab der Karolingerära massiv die slawischen Stämme, damit auch die Sorben, zu bekämpfen. Karl d. Gr. eröffnete 789 den ersten Kriegszug gegen die Wilzen und Havel-Spree-Stämme u.a. Im Jahre 815 schickte Kaiser Ludwig der Fromme sein Kriegsvolk gegen die Sorben u.a. und verwüstete deren Heimat mit missionarischem Eifer. Sorben waren wie andere slawische Völker dem Kaiser tributpflichtig. Ludwig II.der Deutsche führte diese Politik der verbrannten Erde fort und führte fast unentwegt Krieg, auch gegen die Sorben. Dieser Ludwig galt geradezu als Lenker und Verteidiger der Kirche! Natürlich verteidigten die Slawen (Obodriten, Sorben, Mähren, Awaren, letztere wurden wie andere von den römisch Katholischen aus der Geschichte getilgt) ihren angestammten Glauben, allerdings vergeblich, da sich die Franken völlig hemmungslos austobten, wenn sie sich mit Heiden schlugen.
Insbesondere den zwischen Elbe und Saale siedelnden Sorben gegenüber wurde die Strategie der Vernichtung ihrer Felder und Ernten verfolgt, so auch 851. Es ging um Festigung, Erweiterung, Ausdehnung, um das „Vordringen deutschen Elementes und der Kultur“, deutlich gesagt: um weiteren mörderischen Raub. Hingegen haben die Slawen sich selbst nie so, sondern Slowenen genannt. Slawen schienen den Christen nur als „Sklaven“ tauglich – ein ja von slavus abgeleitetes Wort – oder reine Mordobjekte zu sein. Leute, die von frommen Katholiken etwa als „Wurmzeug“ verhöhnt und „wie das Gras auf der Wiese gemäht“ worden waren, Untermenschen eben, Tiere. Auch bildeten die Gebiete der Slawen stets ein Reservoir für Hilfstruppen und Sklaven (s. Anl.). Anfang des Jahres 874 weigerten sich die Sorben und Susler an der thüringischen Grenze, den ihnen aufgezwungenen üblichen Zins zu zahlen. Darauf überschritten Erzbischof Liutberg von Mainz und Ratolf, der Markgraf der Sorbenmark, mit einem Heer im Januar die Saale und schlugen durch Brand und Plünderung die Erhebung ... nieder. (vgl. KH Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band V, S.149, 151, 153). Usw.usf.
Denken Sie bitte dran, dass die Jagd nichts anderes ist, als die Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln. Die Strategie des Jägers Lissinas spiegelt lediglich die blutigen Spuren der kriegslüsternen Vorfahren wieder. Alles ausmerzen, womit man aufgrund einer Herrenmentalität nicht umgehen will. So einfach kann man es sich auch machen!
Mit freundlichen Grüßen
Jäger wollen die Lausitzer Wölfe erschießen - Sonst töten die Tiere bald Menschen
Marion Klemp Forst
Dass Wölfe wieder in der Lausitz heimisch sind, erfüllt viele Menschen mit Stolz. Doch jetzt wollen Jäger die Tiere erlegen. Sie behaupten nämlich: "Sonst töten in den nächsten zwei Jahren Wölfe bei uns den ersten Menschen!" Wölfe am Hundezwinger, ein Wolf, der einer Reiterin bis zum Hof folgt und einer, der sich aus nur zehn Meter Distanz fotografieren lässt. Diese Meldungen über kontaktfreudige Wölfe aus der Muskauer und Neustädter Heide sind für Jäger Christian Lissina (53) alarmierend: "Die Tiere verlieren die Scheu zum Menschen. Von kanadischen Experten wissen wir inzwischen: Von den sieben Annäherungsstufen, bis ein Wolf einen Menschen angreift, ist bei uns die Stufe sechs erreicht. Damit die Tiere wieder auf Distanz gehen, müssten sie bejagt werden." 24 bis 26 Wölfe streifen durch die Region und sind streng geschützt.
Gezählt werden sie von "Lupos". Ein wildbiologisches Büro, in dem zwei Expertinnen seit 2002 für das sächsische Umweltministerium die Tiere erforschen und um deren Akzeptanz werben. Die Zahl halten die Jäger für untertrieben. Sie vermuten 40 Wölfe und wollen nun eine eigene Studie erarbeiten. "Lupos"-Expertin Gesa Kluth weist Manipulation von Daten zurück. "Und wird ein Wolf zur Gefahr, greifen wir ein." Dagegen Lissina: "Die Wölfe müssen schon jetzt spüren, dass mit Menschen nicht gut Kirschen essen ist. Man könnte sie mit Gummigeschossen abschrecken. Wiederholungstäter müssen erschossen werden."
Berliner Kurier, 30.01.2007