Berlin-Vegan: Gänsereiter blamieren Wattenscheid bundesweit !

Gänsereiter blamieren Wattenscheid bundesweit !

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Liebe WattenscheiderInnen, verehrte Herrschaften!

Ich schreibe Ihnen aus Berlin und bin heute wieder über einen Artikel über das Gänsereiten, einem Relikt aus dem finstersten Mittelalter, gestolpert:

http://www.taz.de/pt/2007/02/20/a0016.1/text

Wie kann es sein, daß in Wattenscheid, wo sich so viele Menschen engagieren, es moderner, musikalischer, sportlicher, gesünder, sicherer, ja einfach attraktiv und lebenswert zu machen, all diese Mühe nur durch die unsägliche Leichenfledderei kaputtgemacht wird??? Warum haben Sie immernoch nicht erreicht, daß das Gänsereiten verboten wird?

Wer kann den Imageschaden bemessen, den Wattenscheid dadurch erleidet? Ist Ihnen bewußt, daß Wattenscheid der Lächerlichkeit preisgegeben wird, wenn Leute an vermeintlichem Kulturgut festhalten, von dem sich der Rest des Landes angewidert abwendet?

Ich bin sicher, daß ich nicht die einzige bin, die beim Gedanken an Wattenscheid lediglich dieses ekelerregende "Ereignis" einfällt, auch, wenn ich vielleicht bisher die einzige bin, die mal darauf hinweist. Was glauben Sie wohl wird den Kindern und Jugendlichen durch solche Aktivitäten vermittelt? Ehrfurcht vor dem Leben bestimmt nicht. Es wundert mich kein bißchen, wenn die Jugend von heute angesichts solcher Abscheulichkeiten die "Achtung vor dem Alter" vermissen läßt. Sie tragen durch Ihre offensichtliche Unfähigkeit/ Untätigkeit zum Werteverfall in unserer Gesellschaft bei.

Ich fordere Sie auf, sich umgehend dafür einzusetzen, daß zukünftig kein Gänsereiter mehr den Glanz von Wattenscheid mit dem Blut unschuldiger Tiere besudelt. Stoppen Sie die Gänsereiterei!!!

Viel Kraft und Mut wünscht Euch dabei  


Datum: Wed, 21 Feb 2007 20:50:06 +0100
Von: "Pressesprecher JU Kreisverband Bochum" <presse@ju-bochum.de>
Betreff: AW: Gänsereiter blamieren Wattenscheid landesweit

Liebe xxx,

aufgrund der Aktualität der Thematik würde ich mich freuen, Sie auf unserer Vorstandssitzung des JU Stadtbezirkverbandes Wattenscheid am 26.03.2007 um 19.30 Uhr im Café LINDO (Alter Markt/Wattenscheid Mitte) begrüßen zu dürfen. Vielleicht könnten Sie kurz über das Thema referieren (Fakten, Hintergrund, Thesen).

Ich finde eine engagierte vorurteilsfreie Diskussion sehr wichtig und würde mich über Ihre Zusage sehr freuen. Im Falle einer Zusage würde ich Sie bitten, mir eine kurze Beschreibung zu Ihrer Person sowie ein Photo zu mailen, welches ich der formellen Einladung an den Vorstand beifügen kann.

Die Thematik stößt bei mir auf offene Ohren.

Einen lieben Gruß

Tino Stöveken
Vorsitzender des JU Stadtbezirksverbandes Wattenscheid
 
Junge Union
Lyrenstraße 11a
44866 Bochum
 
E-Mail     info@ju-wattenscheid.de <mailto:info@ju-wattenscheid.de>
Internet     www.ju-wattenscheid.de <http://www.ju-wattenscheid.de>

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Verehrter Herr Stöveken!

Vielen Dank für Ihre schnelle Nachricht und die Einladung.

Ich kann die Einladung leider nicht annehmen, da ich, wie Sie meiner Nachricht entnehmen können, nicht aus der Nähe bin und mir eine Fahrt nach Wattenscheid schlicht zu teuer ist.

Allerdings will ich Ihnen empfehlen, sich mit ortsnahen Tierrechtsverbänden in Verbindung zu setzen.

Freundliche Grüße

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Datum: Wed, 21 Feb 2007 16:55:41 +0100
Von: "Redaktion wattenscheid.net" <redaktion@wattenscheid.net>
Betreff: Re: Gedanken über Wattenscheid

Liebe xxx,
 
vielen Dank für Deine interessanten Gedanken über Wattenscheid.
 
Ich bin 42 Jahre alt und seit ca. zehn Jahren journalistisch tätig. In dieser Zeit habe ich feststellen müssen, dass vieles nach aussen anders dargestellt wird, als es tatsächlich passiert. So habe ich z.B. über Jahre Berichte über Zwischenfälle mit so genannten "Kampfhunden" verfolgt und feststellen müssen, dass über die Hälfte der Schlagzeilen über Beissvorfälle künstlich stark aufgebauscht waren. Nur ca. zehn Prozent der dargestellten Vorfälle hatten einen wahren Hintergrund.
 
Ich finde es bezeichnend, dass die Kritik am Gänsereiten meist von aussen kommt, d.h. von Menschen, die noch nie Kontakt zu den Gänsereitern hatten. Am Rosenmontag habe ich einen Beitrag im Bürgerfunk unseres Lokalradios gehört. Dort wurden die Gänsereiter sogar mit den Nazis, die in einem Ortsteil von Wattenscheid zum Leidwesen der meisten Wattenscheider ein Büro betreiben, gleichgestellt. Ich weiss aus sicherer Quelle, dass dieser Zusammenhang an den Haaren herbeigezogen ist.
 
Auffällig ist auch, dass es nur eine sehr kleine Anzahl von Aktivisten ist, die gegen das Gänsereiten demonstriert. Wenn es aber doch derart pervers ist, wieso geht denn nicht ein Aufschrei durchs Volk?
 
Ich selbst habe keine Bedenken bezüglich des Gänsereitens. Das mag daran liegen, dass ich es selbst als schon Kind erlebt habe. Die oft zitierte  Gewaltdarstellung habe ich nie so empfunden. Auch bin ich aufgrund des  Erlebnisses im Kindesalters nicht gewalttätig geworden oder irgendwie verroht. Gewalt an Tieren sehe ich an anderen Stellen im täglichen Leben genauso deutlich, dort demonstriert niemand. Wieso zum Beispiel geht kein Aufschrei durch das Volk, wenn in einer Imbissbude tote Hähnchen gegrillt werden, dekorativ mit einem Edelstahlspieß im Po? Das passiert zu Werbezwecken im Schaufenster, aber niemand demonstriert dagegen.
 
Dass aber die Gänsereiter als aktiver Verein am sozialen Leben teilnehmen und u.a. für Caritative Zwecke sammeln, steht natürlich nirgendwo. Das will ja niemand wissen, das könnte ja das negative Bild beeinträchtigen, dass sich taz und Co. zurechtlegen. Wer sich wirklich mit Wattenscheid beschäftigt, wird zuerst an den Sport denken, in dem Wattenscheider Vereine führend sind. Interessant ist aber auch, dass die Gänsereiter selbst ihre Termine nicht im Internet veröffentlichen, weil es schon vorgekommen ist, dass einzelne Besucher der Feiern überfallen wurden. Ich selbst habe daneben gestanden, als das Kinderkönigspaar der Gänsereiter von einem Demonstranten mit einer leeren Bierflasche beworfen wurde. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?
 
Ich würde es begrüssen, wenn die aktiven Tierschützer, die dort den Tod von insgesamt vier Gänsen pro Jahr in Wattenscheid so laut betrauern, aktiv z.B. gegen tausendfache europaweite Tiertransporte vorgehen würden. Wenn jemand etwas gegen Gewaltdarstellungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen tun will, könnte er sich mit dem Fernsehprogramm beschäftigen, in dem der gewaltsame Tod erschreckend selbstverständlich ist.
 
Herzliche Grüße aus Wattenscheid
 
Ulli Weber
Redaktion wattenscheid.net


Verehrter Herr Ulli Weber!

Vielen Dank für die schnelle Nachricht.

Daß Berichte in einer gelenkten Presse fast nie ganz der Wahrheit entsprechen, mußte ich auch bereits feststellen. Nichtsdestotrotz habe ich über die Gänsereiterei bereits mehrere Berichte gelesen und einen Filmbeitrag gesehen und fand das, im Gegensatz zu Ihnen, ekelerregend. Inwieweit Sie verroht sind, vermag ich nicht zu ermessen, weiß aber aus Erfahrung, daß niemand sich selber als verroht bezeichnen würde, selbst die Gänsereiter nicht.

Insofern ist auch Ihr Ablenkmanöver auf scheinbar wichtigere Dinge nur folgerichtig, wenn Sie auf Tiertransporte und Grillhähnchen verweisen.
Seien Sie versichert, daß ich nicht nur die Gänsereiterei verurteile, sondern jegliche Gewalt, die Wehrlosen, insbesondere Tieren von den vermeintlich höherstehenden Menschen angetan wird und daß ich dagegen ebenso entschieden protestiere.

Was mich an der Gänsereiterei so erbost, ist, daß hier versucht wird, diese Abscheulichkeit als ein zu pflegendes Kulturgut hinzustellen, was es einfach nicht ist.

Wenn die Herrschaften Gänsereiter für soziale Zwecke spenden, versuchen sie damit lediglich, ihr berechtigterweise schlechtes Image aufzupolieren sowie möglichen Kritikern von vornherein den Mund zu stopfen, was ihnen bei Ihnen offensichtlich sogar gelungen ist.  Wes' Brot ich eß', des' Lied ich sing.

Gute Besserung!

<hr />

Datum: Wed, 21 Feb 2007 19:14:32 +0100
Von: "Redaktion wattenscheid.net" <redaktion@wattenscheid.net>
Betreff: Re: Gedanken über Wattenscheid

Hallo xxx,

Kulturen unterscheiden sich unter anderem dadurch, inwieweit einzelne Formen von Gewalt gesellschaftlich akzeptiert sind.

Bitte gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang eine presönliche Frage: Sind Sie Veganerin oder zumindest Vegetarierin?

Glück Auf

Ulli Weber

<hr />

Verehrter Herr Weber!

Ich lebe seit nunmehr 14 Jahren vegan.

Freundliche Grüße