Bes. großes soziales Engagement bei reichen Kirchgängern mit großem Freundeskreis?
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Sehr geehrte Damen und Herren,
selten habe ich so gelacht wie über das Fazit der Bundesregierung (16/4256) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/3924) zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements. "Ein freiwilliges bürgerschaftliches Engagement ist überwiegend bei Menschen mit hohem Bildungsniveau, hohem Einkommen und guter persönlicher wirtschaftlicher Lage, hoher Kirchenbindung und einem großen Freundes- und Bekanntenkreis anzutreffen."
Woher beziehen Sie Ihre Erkenntnisse? Aus den abgegebenen Steuererklärungen? Die Realität sieht anders aus!
Ich arbeite seit Jahren ehrenamtlich und auf eigene Rechnung, ebenso wie fast alle Menschen, mit denen ich regelmässig bundesweit zusammenarbeite. Überwiegend rekrutieren sie sich aus
1) kirchenklerusfernen,
2) einkommensschwachen Situationen, mit
3) gemischten Bildungsniveaus und unterschiedlichsten Ausbildungsstandards, damit
4) aus Individualisten,
5) aus Idealisten, die keine Zeit zur Pflege eines großen Freundes- und Bekanntenkreises oder zur Weltenbummelei haben.
Die Hauptarbeit wird somit von Bürgern der sog. Unter- und Mittelschicht geleistet, Bürgern also, die nicht in Form von steuerbegünstigten Modellen bequeme und einkommenssteuersenkende Ablässe tätigen können bzw. deren Einkommen zu gering ist, um Steuersparmodelle praktizieren zu können. Damit wird die Arbeit von Bürgern mit genügend empathischen Fähigkeiten getan, anstatt dass sie sich auf die eigennützerische Jagd nach steuerlichen Euronen begeben würden.
Auch bei der Straßen- und Aufklärungsarbeit, beim Zupacken vor Ort, sind die ehrenamtlichen Steuersparmodell-Schreibtischtäter in der aller Regel nicht zu finden.
Sie schreiben:"Auch wer in einem größeren Haushalt lebt, seinen Wohnsitz in den alten Bundesländern hat, erwerbstätig und männlich ist, engagiere sich häufiger für die Gesellschaft."
Es besteht m.E. ein großer Unterschied zwischen denjenigen Engagierten, die sich schwerpunktmässig für Menschenschutz-Anliegen und denjenigen, die sich mit Tierschutz beschäftigen. Im praktischen Tierschutz engagieren sich überwiegend Frauen. Das scheint mir eine empirische Tatsache zu sein. Das gesellschaftliche Engagement erwerbstätiger Männer im Tierschutz ist überwiegend theoretischer Natur – Ausnahmen bestätigen die Regel.
Sie schreiben: Die ehrenamtlich Engagierten wünschen nach Angaben der Regierung eine bessere "Anerkennungskultur". Unterstützung könnten sie etwa durch die Mitwirkung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in verschiedenen Projekten und Initiativen finden.
Die "Anerkennungskultur" ist nicht unser Problem. Tierschützerisches ehrenamtliches Engagement ist gesellschaftlich anerkannt. Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU finden wir so schöne Aussagen wie die Beibehaltung der Abschaffung der tierquälerischen Käfighaltung von Legehennen. Unsere maßgeblichen Politiker halten es in bewährter, gut bezahlter, Praxis mit euphemistischen Erklärungen, die den Bürgern bis zur nächsten Wahl Sand in die Augen streuen!
Die Unterstützung, gerade von den von Ihnen genannten Stellen, fehlt nicht nur im Tierschutz, sondern konterkariert durch die tradierten Gewohnheiten, auch durch den eigenen Konsum, die jahrzehntelangen Bemühungen engagierter Bürger! Ebenfalls sind die historischen, bis in die Neuzeit vorhandenen Verflechtungen staatlicher und klerikaler Interessenträger bekannt! Der gesetzlich immer noch unzureichende und schwer errungene Tierschutz wird von diesen hohen Herrschaften bereits wieder massiv ausgehebelt.
Als jüngste Beispiele dienen die neue HennenhaltungsVO unseres allseits unbeliebten Hühner-Horstis, der letztverantwortlichen Spanferkelliebenden Meneterkel des sog. christlichen Abendlandes, das Schächturteil des Scharfrichters Kley, etc.pp. Wie viele Bundestagsabgeordnete, Minister und hohe Ministerialbeamte sind JägerInnen, AgrarlobbyistInnen, JuristInnen ohne Ethik? Wie viele Bundestagsabgeordnete sind Vegetarier aus ethischen Gründen oder gar Veganer? Wenn Sie diese Fragen zutreffend beantworten, wissen Sie, wie es um unser Land und um die Unterstützung ehrenamtliches Engagements auf dem Gebiet des Tierschutzes bestellt ist und dass wir auf Ihre schönfärberischen "Erhebungen" beunruhigt pfeifen.
So wie "HERR"-schaften auf den drohenden Klimakollaps auch dank ihres verderblichen Viehzüchterwahns pfeifen, solange mit den Machenschaften gegenüber der Natur, wehrlosen Tieren und Menschen noch Profit erwirtschaftet werden kann. Auf pfaffenartiges Geschwätz fallen wir jedenfalls schon lange nicht mehr herein.
Gute Besserung!
heute im Bundestag Nr. 037 - Pressedienst des Deutschen Bundestages
Fr, 09. Februar 2007 Redaktionsschluss: 11:45 Uhr
Regierung: Bürgerschaftliches Engagement bei Gebildeten höher
Finanzen/Antwort
Berlin: (hib/VOM) Ein freiwilliges bürgerschaftliches Engagement ist überwiegend bei Menschen mit hohem Bildungsniveau, hohem Einkommen und guter persönlicher wirtschaftlicher Lage, hoher Kirchenbindung und einem großen Freundes- und Bekanntenkreis anzutreffen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung (16/4256) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/3924) zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements hervor. Auch wer in einem größeren Haushalt lebt, seinen Wohnsitz in den alten Bundesländern hat, erwerbstätig und männlich ist, engagiere sich häufiger für die Gesellschaft.
Diese Einzelmerkmale hingen oft miteinander zusammen. So seien Männer öfter erwerbstätig, und in den neuen Ländern sowie bei Migranten seien die Einkommen meist niedriger. Menschen mit höherer Bildung hätten höhere Einkommen, zeigten ein höheres Engagement und ein stärkeres politisches Interesse. Die Erklärungskraft des Haushaltseinkommens sei allerdings zwischen 1999 und 2004 gesunken, während die Bedeutung des Bildungsstatus zugenommen habe, schreibt die Regierung. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, waren im Jahr 2004 in der Gruppe der Erwerbstätigen 40 Prozent freiwillig engagiert (1999: 38 Prozent), bei den Arbeitslosen 27 Prozent (23 Prozent). Der Anteil freiwillig engagierter bei Hausfrauen und Hausmännern liege bei 37 Prozent (38 Prozent). In der Gruppe der Schüler, Auszubildenden und Studenten hätten sich 38 Prozent (37 Prozent) freiwillig engagiert. Wie bei den Arbeitslosen sei auch bei den Rentnern und Pensionären der Anteil freiwillig engagierter gegenüber 1999 von 24 auf 28 Prozent gestiegen. Die verschiedenen Formen der Förderung bürgerschaftlichen Engagements im Steuerrecht, im Sozial- und im Arbeitsrecht seien als Anreize zu freiwilligem Engagement gedacht. Diese könnten im Steuerrecht aber nur gegeben werden, wenn die Betroffenen steuerpflichtige Einkünfte erzielen.
Die ehrenamtlich Engagierten wünschen nach Angaben der Regierung eine bessere "Anerkennungskultur". Unterstützung könnten sie etwa durch die Mitwirkung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in verschiedenen Projekten und Initiativen finden.