Berlin-Vegan: Berlin-Vegan auf dem 9. Berliner Jugendforum
 

Berlin-Vegan auf dem 9. Berliner Jugendforum

Am 14.11.2009 fand im Abgeordnetenhaus das 9. Berliner Jugendforum statt. Dabei hatte eine Arbeitsgruppe den vielversprechenden Titel "Vegan, Fairtrade vs. Konsum: lebe ich politisch korrekt?", wohlgemerkt "vegan" und nicht etwa "vegetarisch"!

Folglich nahmen auch wir Veganer daran teil, und zwar erfreulich viele. Unser Anteil lag bei fast 50 Prozent, d.h. 7 Veganer "gegen" 10 bis 12 andere, von denen jedoch einige auch Vegetarier waren. Schon bei der Vorstellungsrunde fiel jedoch auf, dass die meisten Nichtveganer angaben, sie seien weniger wegen des Themas Veganismus dort, sondern um zu erfahren, ob und wie es möglich wäre, mehr bzw. nur Produkte aus fairem Handel zu erwerben.

Der Zusammenhang zwischen Veganismus und fairem Handel war leider eigentlich fast keinem bewusst. Und doch ist schließlich gerade die omnivore Ernährung durch die damit verbundene Ausbeutung und erzwungene Abhängigkeit vieler Länder gerade das absolute Gegenteil von Fair Trade.

Allerdings brachte der Moderator das Thema Veganismus immer wieder auf. Und da so viele Veganer anwesend waren, war der Begriff immer im Gespräch, und wir konnten alle Aspekte dieser so viele Bereiche betreffenden Lebensweise ansprechen. Auch die vielen Fragen, sowohl die mit dem Veganismus im Zusammenhang stehenden als auch die anderen, konnten wir weitgehend beantworten.

Die Veranstaltung war in zwei Teile unterteilt. Im ersten Teil sollten wir unsere Anliegen vorbringen, um sie dann zu diskutieren und im zweiten Teil konkrete Fragen an die dann anwesenden Politiker stellen zu können.

Insgesamt war die Atmosphäre sehr gut und offen. Die Jugendlichen zeigten großes Interesse und eine hohe Aufnahmebereitschaft. Auch die Politiker waren sehr aufgeschlossen und bereit, konkrete Handlungszusagen zu machen. Anwesend waren Frau Bärbel Holzheuer-Rothensteiner von der Linken, Daniel Buchholz (tierschutzpolitischer Sprecher der SPD und Vegetarier) sowie Stefan Ziller von den Grünen und Veganer! Vertreter von FDP und CDU waren (nicht wirklich überraschend) nicht da.

Auch hier, wie schon im ersten Teil der Veranstaltung, war die zentrale Frage wieder die nach der Informationsbeschaffung. Zusammenfassend kamen wir zu dem Ergebnis, dass dies eine Aufgabe für alle Seiten darstellt. Jeder muss bereit sein, Zeit zu investieren, um sich selbst zu informieren. Aber die Politik muss auch verstärkt dafür sorgen, dass Informationen bereitgestellt werden, und eine einheitlichere und verlässliche Kennzeichnung durchsetzen, wobei die Vergabe der Siegel nicht durch die Wirtschaft erfolgen darf, sondern von unabhängigen Stellen vorgenommen werden muss. Daniel Buchholz kritisierte, wie schwierig es das derzeitige Vergabesystem mache, nur Produkte aus fairem Handel zu beziehen. Dies hatte sich in Bemühungen der SPD deutlich gezeigt.

Frau Holzheuer-Rothensteiner wies darauf hin, dass der Transport verstärkt von der Straße auf die Schienen verlagert sowie mehr regionale Produkte gekauft werden müssten. Als große Chance sieht sie die derzeitige Evaluierung des Verbaucherinformationsgesetzes, die wir unbedingt nutzen müssten. Auch regte sie die Bildung von Verbraucherbeiräten an und fragte, ob es nicht möglich sein, das Recht auf Information in das Grundgesetz aufzunehmen. Ebenso sollte man überlegen, den Begriff des Betriebsgeheimnisses neu zu definieren, da er oft missbraucht wird, um Kontrollen zu verhindern.

Für ganz wichtig hielten alle Seiten die Änderung der Subventionspolitik. Eine weitere wichtige Einflussmöglichkeit sieht Stefan Ziller auch in den Wahlen, denn die derzeitigen Probleme sind auch durch die Politik bedingt.

Wir können Einfluss nehmen, und wir müssen dies tun, denn, so Herr Ziller, Demokratie bedeutet auch, dass wir selbst die Verantwortung für unsere Entscheidungen haben. Weiterhin forderte er ein Grundeinkommen, damit jeder die Chance hätte, eben auch bewusst die richtigen Konsumentscheidungen zu treffen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Veranstaltung ein großer Informationsgewinn für alle Seiten war.


21.11.09 12:03 Alter: 118 days
Berlin
Jugendliche und Politiker im Gespräch

Jugendliche und Politiker im Gespräch

Kategorie: Aktivitäten, Demonstration, Allgemein, Berlin

Von: DR