Berlin-Vegan: Buchvorstellung: Martin Balluch – "Tierschützer. Staatsfeind", am 12.05.12 auch in Berlin

Buchvorstellung: Martin Balluch – "Tierschützer. Staatsfeind", am 12.05.12 auch in Berlin

Die Tierschutzcausa war das längste Verfahren im österreichischen Justizwesen. Martin Balluch saß als Hauptangeklagter und "Kopf einer kriminellen Vereinigung" über 100 Tage in Untersuchungshaft und hat jetzt ein Buch darüber geschrieben. Dieses Buch wird aktuell auch am 12.05.2012 hier in Berlin von Martin Balluch selbst vorgestellt, und zwar von 20 bis 21:30 Uhr im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, Prenzlauer Berg.

Auf 272 eng beschriebenen Seiten wird einem das gesamte Ausmaß dieser politisch motivierten Justiz-Odyssee näher gebracht. Mit bedrohlich enger Schrift, direkten Worten ohne Schönmalerei und beklemmenden Erfahrungsberichten werden sein Aufenthalt im Gefängnis, die Verhandlung sowie die gesamte Bandbreite der kriminalisierten Tierschutzarbeit veranschaulicht.

Die Zeit in der Haft

Für Martin Balluch beginnt es am 21. März 2008, als er und 23 weitere Aktivist_innen in ihren Wohnungen von vermummten Sondereinheiten zwecks Hausdurchsuchung (der ersten von insgesamt über 30) aus dem Schlaf gerissen werden. Bereits zwei Jahre zuvor hat die "Sonderkommission Tierschutz" mit ihrer Arbeit begonnen, welche im Allgemeinen Überwachung, Lauschangriff, das Abhören von Telefongesprächen, Mitlesen von E-Mails und Videoüberwachung beinhaltet.
All das zu dem Zweck, illegale Aktivitäten von unbekannten Einzeltätern mit der legalen Arbeit von Tierschutzorganisationen zu kreuzen. Die von der SOKO als "Doppelstrategie" bezeichnete Vorgehensweise einer kriminellen Vereinigung. Somit können friedliche Mitarbeiter von NGOs kriminalisiert und von ihrem politischem Gegner an den Pranger gestellt werden – selbst wenn diese Kombination von friedlichen und militanten Aktivitäten nie auch nur bei einer Person nachgewiesen werden konnte.

Wo keine Beweise existieren, werden eben welche erfunden. In dubio pro reo? Nicht mit der SOKO!

Dieses Buch spiegelt auch wie nahe sich die Gesellschaft demokratiepolitisch am Abgrund befindet und wie wenig Rechtssicherheit dem einzelnen oder einer Gruppe AktivistInnen gewährt wird, wenn sie mit starken Interessensgruppen in Konflikt geraten.
Aus dem Umschlag

Mit starken Interessensgruppen kommt Martin Balluch im Rahmen seiner Tätigkeit im Tierschutz immer wieder in Kontakt. Nicht selten endet dies auch in Handgreiflichkeiten.
So schildert er im Buch unter anderem seine Recherchen auf finnischen Nerzfarmen. Diese enden scheinbar prinzipiell auf der Polizeiwache, wobei ihn das nicht immer stört, denn seine Lage als offensichtlicher Fremder vor Ort spitzt sich so sehr zu, dass er am Ende von circa 30 aufgebrachten Nerzzüchter_innen aus der Dorfgemeinschaft mit Knüppeln und anderen Waffen gejagt wird.
Dieser unmenschliche Hass und die darin enthaltene Mordlust haben mich zutiefst schockiert und ich empfinde einen starken Respekt vor dem Mut derer, die sich wissentlich solchen Situationen aussetzen, um anderen Lebewesen zu helfen!

Es braucht schon viel schwarzen Humor, um die eigene Situation des unverschuldeten Eingesperrtseins mit dem allgegenwärtigen Tierleid in Verbindung zu setzen. So sieht sich Martin Balluch durch die eigene Erfahrung der unmündigen Abhängigkeit und Unterdrückung von Staatsanwaltschaft, Richter, SOKO und Gefängnisleitung in seiner Arbeit bestätigt und bestärkt. Er muss am eigenen Leib fühlen, was Legehennen, Lämmer, Schweine in Kastenständen oder Pelztiere in viel zu engen Käfigen ihr Leben lang ertragen müssen.

Der Mammut-Prozess

Mit der Freilassung aus der Untersuchungshaft beginnt der elend lange und zähe Prozess mit all seinen zermürbenden und skurrilen Anklagepunkten. Die Tatvorwürfe, die Martin Balluch bereits in der Haft vorgelegt wurden, werden hier noch mal im Detail aufgezeigt. So werden unter anderem etliche E-Mails und Foreneinträge aus über einem Jahrzehnt als Beweis für extremes Gedankengut aufgeführt und Stück für Stück auf die Grundhaltung des Hauptangeklagten untersucht. Dabei geht es jedoch nie um konkrete Tatvorwürfe und somit sind die angeblichen Beweise und Gutachten der Anklage teilweise schier unfassbar. Nachzulesen u.a. auch auf dem eigens dafür eingerichteten Blog www.tierschutzprozess.at.

Tierrechte vs. Wirtschaft

Die Beteiligten des Buches lassen sich prinzipiell in zwei Gruppen aufteilen: für oder gegen den Tierschutz.
Scheinbar scheint sich Zweitere in der heutigen Zeit so effektiv in ihrer politischen und wirtschaftlichen Macht bedroht zu fühlen, dass sie mit allen Mitteln versucht, wieder Oberhand zu gewinnen. Ähnliches gab es bei der französischen Revolution 1789 oder der deutschen Märzrevolution 1848. Es lassen sich hierfür mannigfaltige Beispiele finden, die alle zum selben Ergebnis führen: die moralisch-ethische Weiterentwicklung unserer Gesellschaft lässt sich nicht durch regressive Machtinstanzen an ihrer Ausweitung über Grenzen der Hautfarbe, Rasse oder Zugehörigkeit hindern!
Somit ist diese juristische Farce als ein letztes Aufbäumen einer einflussreichen Lobby- und Interessensvertretung zu sehen, die auch im 21. Jahrhundert noch auf Kosten anderer Individuen lebt, aus ihnen Profit schlägt oder sich an ihrem Leid ergötzt.

Aus diesem Grund wäre es wünschenswert, wenn der Ausgang des Prozesses stellvertretend für eine Wende steht!

Es ist allerdings sehr zu bedauern, dass es dafür Märtyrer braucht. Martin Balluch (und seine Mitangeklagten) musste sein gewohntes Leben durch diesen Prozess nicht nur aufgeben, viel mehr wurde es ihm ungefragt und plötzlich entrissen. Seine Arbeit und finanzielle Grundlage wurden ihm genommen; seine Wohnung, sein Hab und Gut. Sein Vertrauen in einen Rechtsstaat, in die Gleichheit aller Menschen. Seine Gesundheit, seine Freizeit, Freunde, Schlaf und psychische Unversehrtheit sowie die Arbeit vieler Jahre.

Einen Lichtblick gab es allerdings zu jeder Zeit: die allgegenwärtige Solidarität von Freund_innen, Unterstützer_innen, kritischen Menschen und demokratieliebenden Helfer_innen. Sei es in Form von Sprechchören vor den Gefängnissen, mittels Briefen, Protestmails, Radiosendungen etc. pp.
Sie gibt allen Betroffenen Halt und Kraft, weiterzumachen und den Mut nicht zu verlieren. Doch auch jetzt, nach Beendigung des Prozesses, stehen die ehem. Angeklagten vor einem finanziellen Fiasko und sind weiterhin auf Unterstützung angewiesen. 

Die Schulden der Hauptangeklagten durch den über ein Jahr laufenden Prozess belaufen sich pro Person auf bis zu 500.000€!

Das Buch "Tierschützer. Staatsfeind" ist allen Tierschützer_innen und Tierrechtler_innen ans Herz zu legen. Es liefert nicht nur einen detaillierten Bericht über den konkreten Fall des Prozesses in Österreich, sondern bietet ebenso einen tiefen Einblick in das Leben und Schaffen eines der aktivsten Tierrechtsaktivisten.

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Zweck: Rechtshilfe
Kontoinhaber: Jagschitz, Siegenfeld 80, 2500 Baden, Österreich
IBAN: AT09 1200 0503 9412 5801
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Das Buch "Tierschützer. Staatsfeind" ist im Promedia Verlag erschienen, hat 272 Seiten und kann für 15,90€ bestellt werden.

Verfilmung

Ebenso gibt es einen Film unter dem Titel "Der Prozess" (siehe Trailer).