Meatout: Kuhdamm lahm gelegt!
Weit hallten die Klänge von Albinos Liedern über dem Kuhdamm (Kurfürstendamm), zur weltweiten MEATOUT-Kampagne am 21. März 2009, als sich gegen 14 Uhr als Kühe, Schweine und ein kleines Huhn verkleidete Tierrechtsaktivisten zu einer ergreifenden Szenerie auf die Straße legten.
Umgeben von Transparenten und vielen neugierigen Passanten stellten sie sich tot, um damit die Situation von Milliarden fühlenden Lebewesen zu verdeutlichen, die für den kurzen Gaumenkitzel ermordet werden. Das regelmäßige Klicken von Fotokameras zeigte das deutliche Interesse auch der Medien.
Fast war Erleichterung zu spüren, als sich die „Tiere“ dann doch erhoben, um - flankiert von fleißigen Flyerverteiler_innen – ihrer Forderung nach Beachtung grundsätzlicher ethischer Werte - „Was Du nicht willst, das man Dir tu’, das füg auch keinem andern zu“ auf einem Demozug auf dem Kurfürstendamm Nachdruck zu verleihen. Anschließend bildeten die ca. 100 beteiligten Tierrechtsaktivisten mit Transparenten eine Menschenkette auf dem Breitscheidplatz vor der Gedächtniskirche.
Dass es bei dieser Aktion aber nicht nur um das bloße „Weglassen“ von Fleisch in der Ernährung ging, zeigte die mit Transparenten und Infomaterial dargebotene Themenvielfalt sowie das Bezugnehmen auf direkt mit der Tierausbeutung verbundenen anderen dringenden Themen dieser Erde. Diese reichten vom Welthunger über den Klimawandel bis zur Gesundheit. Tierzirkusse wurden als das dargestellt, was sie sind: unzivilisierte, tierausbeutende Freizeiten.
In Rede- und Musikbeiträgen (der Tierversuchsgegner-Band ) wurde die Tierausbeutung mit allen dahinterstehenden Fakten thematisiert; Interessierte konnten sich am Infostand reichhaltig mit Informationsmaterial eindecken.
Die MEATOUT-Aktion in Berlin wurde gemeinschaftlich von dem Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan, den Tierversuchgegnern Berlin/Brandenburg e.V., der Berliner Regionalgruppe des Vebu, der Tierschutzpartei-Berlin und der nandu Ortsgruppe Berlin organisiert. Teilgenommen haben ebenso die AG Tierschutz Büdnis90/Die Grünen, die Löffelrevolution und viele einzelne Beteiligte.
Wir, das Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan, werten die Aktion als Erfolg und danken allen Teilnehmenden. Wir freuen uns auf MeatOut2010!
Weitere Bilder, Berichte von den Vorträgen und ein Video der Aktion werden folgen.
Medienresonanz:
- rbb-Abendschau Bericht zur Aktion
- Mitteldeutsche Zeitung: Demonstration im Schweine-Kostüm für vegetarisches Leben
- bild: Demonstration für vegetarisches Leben
- Welt: Demonstration für vegetarisches Leben
- TAZ: Sterben auf dem Kurfürstendamm
- Berliner Zeitung: Demonstration für vegetarisches Leben
Meatout – was ist das denn?
Redebeitrag von Barbara Hohensee
Ja sind die denn verrückt? Die wollen uns erzählen, dass wir mit dem Fleischessen aufhören sollen? Wir haben doch schon immer Fleisch gegessen! Wir sind von Natur aus Allesfresser! Tiere fressen doch auch andere Tiere! Uns schmeckt Fleisch! Uns tut Fleisch gut! Daher gehört Fleisch (und Wurst) mit auf den Teller! Es ist natürlich, dass wir Fleisch essen. Wenn wir damit aufhören, werden wir krank. Warum sollten wir das also sein lassen? Diese und ähnliche Argumente sind typisch für menschliche Fleischesser. Ab und zu kommt ein mehr oder weniger leichtes Bedauern über das Schicksal der zu Fleisch verarbeiteten Tiere auf, doch vom Fleisch lassen will keiner so recht. Denn da gibt es ja auch noch Biofleisch als Beruhigungspille. Die menschlichen Fleischesser dieser Welt würden ihren Konsum mit Zähnen und Klauen verteidigen, wenn sie tatsächlich über entsprechende Zähne und Klauen verfügten.
Wäre das Fleischessen eine biologische Notwendigkeit des Menschen, würde er zu recht derartig reagieren. Denn wer lässt sich schon gerne vorenthalten, was er tatsächlich zum Leben braucht.
Doch Fleisch gehört nicht dazu. Der Mensch ist von Natur aus Vegetarier. Seine Vorfahren lebten Millionen Jahre, ohne Fleisch zu essen. Dann gab es Zeiten, in denen sie aufgefundenes Aas zu sich nahmen, um zu überleben. Deshalb wurde der Mensch nicht zum Fleischesser von Natur aus. Er behielt seine Pfoten und abgestumpften Mahlzähne und entwickelte keine Tatzen und Reißzähne. Die schlechten Zeiten gingen vorüber, die Angewohnheit des Fleischessens aber blieb erhalten. Denn einmal auf den Geschmack des Fleisches gekommen, sann man darüber nach, wie man regelmäßig zu Fleisch käme. Daraus entwickelte sich die Jagd, und daraus wiederum die Idee, dass es doch einfacher wäre, Tiere zu züchten und auf einem Gebiet festzuhalten, als ihnen gefahrvoll und mühsam nachjagen zu müssen. Das war die Geburtsstunde der Sesshaftigkeit und der dauernden Landnahme des Menschen und begann im vorderen Orient vor rund 12.000 Jahren.
Das bald danach künstlich erzeugte Schlaraffenland mit der beginnenden sog. Viehzucht sorgte für ein stetiges Bevölkerungswachstum, das weder durch Kriege noch durch andere Feindseligkeiten dauerhaft gebremst werden konnte. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Menschen wollte diejenigen nicht dulden, die weiter im Einklang mit der Natur leben wollten. Die wandernden Völker wurden eines nach dem anderen von den sich ausmehrenden Landbesetzern vernichtet, wo das nicht ganz gelang, sperrte man ihre Reste in Reservate oder trieb sie auf wenige Flecken zusammen, überließ ihnen Gebiete, die für die Sesshaften noch nicht interessant genug waren. Je mehr Fleisch es bequem an Ort und Stelle zu essen gab, umso mehr Nachkommen erzeugten die Sesshaften. Sie fingen mit ihren Überschüssen untereinander einen schwunghaften und lukrativen Handel an, und so begannen sie auch das kulturelle Erbe derjenigen zu vergiften, die bis dahin trotz ihrer Sesshaftigkeit noch weitgehend vegetarisch gelebt hatten. Denn nicht alle, die sesshaft wurden, betrieben Ackerbau und Viehzucht. Einige betrieben nur Ackerbau.
Alle Sesshaften aber kannten keine Geburtenbeschränkung mehr, denn Nahrung war zunächst in Hülle und Fülle und jederzeit greifbar da. Und wo viel Nahrung ist, findet eine Bevölkerungsexplosion statt, die nicht sofort aufhört, wenn die ehemals reichhaltig vorhandene Nahrung nun infolge der Bevölkerungsexplosion knapp wird. Langlebigere Tiere sind an dieses Gesetz der Umweltkapazität gebunden. Sie können sich nicht über ein gesundes und damit ökologisch verträgliches Maß hinaus vermehren. Menschen und kurzlebige Mäuse können sich kurzfristig übervermehren. Deren Populationen brechen zusammen, wenn Seuchen und Krankheiten infolge dieser Entwicklung über die Grenzen der Umweltkapazität hinaus ausgelöst werden. Aber der Mensch stand, anders als die Maus, nie zuoberst auf der Speisekarte von natürlichen Fleischfressern. Wesen, die auf zwei Beinen gehen, sind ihnen nämlich nicht ganz geheuer. Zu Recht!
Die eisernen Gesetze der Natur und damit auch der Umweltkapazität sind heute vielfach vom Menschen vergessen, - Umweltkapazität hä, was soll das sein? - ebenso wie das Gesetz, dass nur Vielfalt des Lebens Leben ermöglicht. Menschen haben bis heute nicht begriffen, was die immense Landnahme und der Landverbrauch des Menschen unter Zurückdrängung und Ausrottung der anderen Tiere einerseits und deren massenhafte und konzentrierte Gefangenhaltung und Manipulation andererseits für das ökologische Gleichgewicht bedeuten.
Die Mehrheit der Menschen hat sich außerhalb der ökologischen Gesetze der Welt gestellt. Sie hat sich zum eigenen Gesetz gemacht. So schwillt die Menschheit immer mehr an und der Fleischverzehr mit ihr. Um das mal ganz deutlich zu sagen: Unsere Kultur besteht aus den Nachfahren der Kultur von Räubern und Totschlägern. Und diese Kultur landet seit ihren Anfängen vor rund 12.000 Jahren folgerichtig bei der ökologisch verheerenden und tierquälerisch extremen Massentierhaltung, um den inzwischen Milliarden gewohnheitsmäßigen Fleischessern weiter ihr Fleisch und sog. tierliche Produkte zur Verfügung stellen zu können.
Julian Huxley, Biologe und ehemaliger Generalsekretär der UNESCO, sagte um 1960 wörtlich: "Wenn nichts getan wird, um dieser Bevölkerungsentwicklung Einhalt zu gebieten, wird die Menschheit in ihrer eigenen Flutwelle ertrinken oder zum Krebsschaden unseres Planeten werden." Um den Beginn unserer Zeitrechnung gab es weltweit rund 200 Millionen Menschen. Zur Zeit Huxleys waren es schon 2,5 Milliarden Menschen. Heute nähern wir uns der 7 Milliarden Grenze an. In gerade mal 50 Jahren hat sich die gesamte Menschheit fast verdreifacht. Und die Bevölkerungsexplosion geht munter weiter! Und das ist so, weil wir unsere westliche Kultur und unseren westlichen Lifestyle bis in die letzte Ecke der Erde exportieren!
Die Generationen der Landräuber und Tiermörder brauchten gerade einmal lächerliche 12.000 Jahre, um die Erde an den Abgrund zu führen, ein winziger Zeitraum, wenn man gelernt hat, in evolutionären Bahnen zu denken.
Bevölkerungswachstum und schwindendes Wohl der Erde und aller darauf befindlichen Lebewesen sind untrennbar miteinander verbunden. Entweder beginnen die Nationen mit einer vernünftigen Bevölkerungspolitik, oder sie ändern massiv ihre Nahrungsgewohnheiten und werden konsequente Vegetarier. Und wären unsere Politiker wirklich vernünftig, würde beides geschehen. Bislang gilt aber nach wie vor: Wachse oder weiche! Mit Volldampf in den Untergang! Nach mir die Sintflut!
Deshalb meatout! Damit Leben und ein lebenswertes Leben auf diesem Planeten noch eine Chance haben. Denn wenn unsere an der Lobby industrieller Tierausbeuter hängenden Politiker nicht in der Lage und willens sind, den Bürgern unbequeme Notwendigkeiten zu vermitteln, müssen die Bürger schlauer sein als ihre Politiker. Oder sie müssen akzeptieren, dass sie, wie Julian Huxley es formulierte und wie es immer mehr eintrifft, "zum Krebsschaden unseres Planeten werden."









