Die Sinnlosigkeit der Tierversuche
Wichtige Presseerklärung der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. (www.aerzte-gegen-tierversuche.de) aus Mitte 2006 zu den nicht nur ethisch, sondern auch wissenschaftlich mehr als fragwürdigen Tierversuchen
Neue Studie aus Amerika: Haltungsbedingungen verfälschen Tierversuchsergebnisse
Die Standard-Haltungsbedingungen von Ratten, Mäusen und anderen Nagetieren verursachen körperliche und psychische Schäden bei den Tieren. Deshalb muss die Verwendung von Tieren zu Versuchszwecken aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen generell in Frage gestellt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Juli 2006 im Wissenschaftsjournal "Laboratory Animals" erschienene Studie. Ärzte gegen Tierversuche sehen sich in ihrer Kritik am tierexperimentellen System bestätigt.
Verhaltensforscher Dr. Jonathan Balcombe vom Ärztekomitee für verantwortliche Medizin in Washington untersuchte 200 Publikationen bezüglich der Haltungsbedingungen von Versuchsnagern. Normalerweise leben die Tiere in kleinen Plastikschachteln mit Drahtdeckel, die wie Schubladen über- und nebeneinander in großen Regalen stecken. In den Kästen befindet sich üblicherweise außer den Tieren nur Einstreu und sonst nichts. Balcombes Ergebnisse: Ratten und Mäuse sind bereit, für gewisse Annehmlichkeiten Anstrengungen auf sich zu nehmen, z.B. für eine interessantere Umgebung, die Möglichkeit Nester zu bauen und Sozialkontakt zu ihren Artgenossen zu pflegen. Ratten in steriler Haltung haben kleinere Gehirne als Tiere in einer abwechslungsreichen Umgebung. Einzeln gehaltene Ratten versuchen häufiger ihren Käfigen zu entkommen als in Gruppen lebende. Millionen Labormäuse in aller Welt kratzen, graben und drehen sich neurotisch jede Nacht im Kreis, während die Experimentatoren längst nach Hause gegangen sind.
"Diese Ergebnisse sind ein weiterer Beweis dafür, dass es keine harmlosen Tierversuche gibt", schließt Balcombe. "Die Qual der Tiere fängt schon bei der Haltung an", kommentiert Dr. med. vet. Corina Gericke, Fachreferentin bei Ärzte gegen Tierversuche.
Untersuchungen dieser Art gibt es bereits viele. Joseph Garner von der University of California in Davis fand heraus, dass die reizarme Umgebung bei Nagetieren zu gestörten Verhaltensweisen, so genannten
Stereotypien, führt. Ständiges Hin- und Herlaufen oder Im-Kreis-Drehen ist Ausdruck einer dauerhaften Hirnschädigung. "Experimente unter standardisierten Bedingungen sagen noch nicht einmal viel über Mäuse im Allgemeinen aus, geschweige denn über Menschen, die bekanntlich in einer extrem abwechslungsreichen Umwelt leben", erklärt Garner.
In einer anderen Studie legte Verhaltensforscher Balcombe dar, dass schon der Umgang mit Versuchstieren erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse von Tierversuchen hat. Bloßes Anfassen ruft bei Mäusen bereits starke Stresserscheinungen hervor, was die Übertragung der Versuchsergebnisse auf den Menschen noch problematischer macht: die Stresshormone im Blut steigen, der Puls rast, der Blutdruck geht in die Höhe. "Solche Studien sind wichtig, um den Experimentatoren einen Spiegel ihres verwerflichen Handelns vorzuhalten," unterstreicht Gericke, "Allerdings darf daraus nicht gefolgert werden, dass ein paar Papprollen als Beschäftigungsmaterial und ein freundlicherer Umgang mit den Tieren die Lösung wären. Tierversuche sind ethisch nicht zu rechtfertigen und wissenschaftlich unsinnig. Sie müssen daher abgeschafft werden," so die Tierärztin.
Es gibt zudem drei neuere Studien, die genau belegen, dass Tierversuche keine vernünftigen Ergebnisse für den Menschen liefern:
- Die 1. Studie wurde über Tierversuche in drei Unis in Nordbayern durchgeführt, an denen größtenteils Grundlagenforschung betrieben wird. Es wurden 3 Jahre lang alle genehmigten Tierversuche erfasst und nach 10 Jahren die Ergebnisse überprüft. Lediglich 0,4 % davon haben überhaupt etwas gebracht. Und zwar eine Therapie für Kleinnager. Die Artikel, die über diese Tierversuche veröffentlicht wurden, wurden nach diesen 10 Jahren praktisch überhaupt nicht mehr zitiert, was bedeutet, dass sie ebenfalls keinen Einfluss auf andere Forschungsbereiche hatten.
- Die 2. Studie beschäftigte sich mit den Giftigkeitsprüfungen in Nordamerika. Es wurden die Giftigkeitsdatenbanken von zwei verschiedenen Einrichtungen verglichen. Das Ergebnis war ernüchternd. 57 % der Ergebnisse waren nicht übertragbar. Oder wie es der Autor Andrew Knight formulierte: Hätten Sie eine Münze geworfen, wären zuverlässigere Ergebnisse herausgekommen.
- Die 3. Studie wurde in Südamerika durchgeführt und beschäftigte sich mit der Übertragbarkeit von Tierversuchen und klinischen Studien. Wieder wurde der Tierversuch als ungeeignet eingestuft.
Die 1. und die 3. Studie wurden nicht von Tierschützern durchgeführt. Die 2. wurde zwar von einem Tierschützer durchgeführt, sie bekam aber den 1. Preis beim Tierversuchskongress Berlin im Okt. 2005, was beweisst, dass selbst Menschen, die überzeugt Tierversuche durchführen, die Ergebnisse der Studie nicht anzweifeln.
"Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast." Es ist richtig, dass es häufig widersprüchliche Statistiken und Studien gibt. Aber dann dürfte es ja auch kein Problem sein, eine unabhängige Studie zu finden, die sich mit der Übertragbarkeit von Tierversuchen beschäftigt und auf ein Pro-Tierversuch-Ergebnis kommt. Bisher konnte uns jedoch niemand eine solche Studie zeigen. Und dazu gehören auch sogenannte Experten, die selbst Tierversuche durchführen.
Fakt ist aber:
- Die Ergebnisse von Tierversuchen sind nicht auf den Menschen übertragbar (oder genauer: Es lässt sich nicht bestimmen, welches Ergebnis eines Tierversuchs auf den Menschen übertragbar ist, solange das gleiche Experiment nicht am Menschen direkt durchgeführt wurde).
- Tierversuche kosten den Steuerzahler jedes Jahr Milliarden Euro.
- Würde auch nur ein Teil des Geldes in die Prävention fliessen, könnten mehr Leben gerettet werden als durch jedes Medikament. Eine Wunderheilung gibt es nicht.
- In-Vitro-Verfahren liefern in Kombination mit Computermodellen schnellere und billigere Ergebnisse, die besser auf den Menschen übertragbar sind.



