Berlin-Vegan: Resumee zum Kongress der Grünen

Resumee zum Kongress der Grünen

Wenn sich eine bürgerliche Partei "Tierschutz neu denken" vornimmt und sich herausstellt, dass der Versuch zwar ernst gemeint scheint, aber in Ansätzen stecken bleibt, ist das Glas dann halb voll oder halb leer?

Kongress "Tierschutz neu denken" der Grünen Fraktion
Halb voll oder halb leer?

Organisation und Podien des Tierschutzkongresses der Grünen warfen diese Frage in zahlreichen Varianten auf. Konventionell erzeugtes Fleisch sei sehr fragwürdig - man müsse die Leute dazu bringen, bio zu kaufen. Vielleicht solle man über eine vegetarische Gesellschaft nachdenken - wobei so richtig vorstellen könne man sich das nicht. "Tierschutz" war in aller Munde - "Tierrechte" gingen nur über wenige spitze Lippen. Es gab Rufe und Klatscher für ein konsequentes Ende der Tierausbeutung - aber auch für den speziesistischen Vertreter des Deutschen Bauernverbands (und damit der industriellen Landwirtschaft). Die TeilnehmerInnen konnten vegan zu Mittag essen - oder Kuhmilch und Hühnereier zu sich nehmen. Ein Eintritt von 10 Euro inklusive Essen und Trinken ist nicht horrend - grenzt aber schonmal die aus, die nur kurz gucken wollen, welcher illustre Kreis sich da anschickt, Tieren großzügig Schutz zu gewähren.

Die Tagung war mit etwa 100 Interessierten, vornehmlich aus Tierschutz- und Tierrechtsinitativen, gut besucht. Initiiert und moderiert wurde sie von ausschließlich weiblichen Bundestagsabgeordneten der Grünen-Partei. In einheitlich langweiliger Form waren die Podiumsdiskussionen gehalten, auf moderne partizipative Gruppenarbeitsformen wurde verzichtet. Die Podien waren durchschnittlich interessant und in zwei Fällen sogar kontrovers besetzt. Mit kompetenterer und weniger parteiischer Moderation hätten sich teilweise spannende Diskussionen entwickeln lassen. So allerdings saßen KritikerInnen meist nur im Publikum, das selten und dann nur kurz nach seiner Meinung gefragt wurde.

Um die Entwicklung hin zu mehr grüner Nachdenklichkeit zu honorieren: Das Glas wird wohl doch halb voll gewesen sein. Der Veganismus wurde durchweg nicht beschmäht, sondern als kuriose Alternative neugierig betrachtet. Auf einem der Podien durfte immerhin ein Veganer, der Bodybuilding-Weltmeister Alexander Dargatz, zu Wort kommen, der dann gelassen so gar nicht in das Bild des verbissen missionierenden Asketen passte. Die Grüne Jugend verteilte Zeitungen, in denen das heutige Mensch-Tier-Verhältnis kritisiert wird. Und Renate Künast stellte fest, dass wir die schlimmen Auswüchse von Tierhaltung bekämpfen müssen, aber womöglich gar noch viel weiter zu gehen haben. Schließlich seien draußen vorm Eingang AktivistInnen, die noch viel mehr als nur Tierschutz fordern. Ein direkt wahrnehmbarer Erfolg der Aktiven von Berlin-Vegan und anderen Gruppen!

Nicht zuletzt deshalb zogen die Grünen selbst das Resümee, die Konferenz sei der "Beginn eines Diskussionsprozesses" (siehe www.gruene-bundestag.de/.../200319.htm). Wenn sich die skeptische Scheu gegenüber dem Veganismus dabei zu Unvoreingenommenheit wandelt, darf mensch auf die weitere Diskussion gespannt sein.


31.10.07 15:39 Alter: 4 yrs