Demobericht vom Tag der offenen Tür im Tierheim
Unsere Aktion am Tag der offenen Tür des Berliner Tierheims (17.5.2009) verlief sehr erfolgreich. Die Besucher konnten sich auf unseren Transparenten sowie auf über 1.000 ausgeteilten Flyern über unser Anliegen informieren und machten von der Möglichkeit, Fragen zu stellen, regen Gebrauch.
Kernpunkt unserer Kritik war die gelebte Unterscheidung zwischen "Kuscheltieren" und "Nutztieren" durch das Tierheim Berlin. Wir halten es für verheerend, wenn die gewaltsame und vor allem unnötige Tötung eines fühlenden Lebewesens als Tierschutz verkauft wird.
Bei aller guten Arbeit, die das Tierheim Berlin bei der Unterbringung und Vermittlung von Tieren leistet, ist dieses Vorgehen nicht zu aktzeptieren.
Wir fordernd daher das Tierheim Berlin nachdrücklich auf, sich seiner Verantwortung bewusst zu werden und auf den Verkauf von Produkten aus dem Bereich der Tierausbeutung zu verzichten!
Das Tierheim seinerseits reagierte auf unsere Aktionsankündigung mit einem eigens erstellten Flyer, den wir hier kommentieren möchten.
"Vegetarische Kost ist für uns eine Selbstverständlichkeit!"
Vegetarische Kost ist frei von eigens dafür getöteten Tieren, dies war auf dem Tag der Offenen Tür des Berliner Tierheims jedoch nicht der Fall, denn:
"Bei unseren Veranstaltungen setzen wir konsequent darauf, dass ein Großteil der von unseren Partnern angebotenen Imbiss- Angebote zu 90 Prozent aus vegetarischer Kost besteht ..."
Diese 90% sind nicht nachvollziehbar. Unsere Aktivisten haben sich auf dem Gelände umgeschaut und neben einem großen HARIBO-Stand (Stichwort Gelatine) und einem Stand für erhitzte Tierleichenteile (mit optionalen vegetarischem Angebot) nur noch einen Donut-Stand entdecken können, bei dem die Zusammensetzung unklar ist.
" ... und der Tierschutzverein für Berlin damit einen aktiven Beitrag zur Senkung des Fleischkonsums leistet."
Indem Teile von getöteten Tieren angeboten werden, leistet man ganz gewiß keinen Beitrag zur Senkung des Fleischkonsums.
"Doch wir können und wollen unsere Besucher nicht bevormunden, was ihre Ernährungsgewohnheiten betrifft. Deshalb bieten unsere Partner zu einem ganz kleinen Teil auch tierische Produkte wie Bratwürste oder Wiener Würstchen an."
Es hätte dem Wohlbefinden der Besucher ganz gewiß keinen Abbruch getan, wenn sie für wenige Stunden einmal keine toten Tiere im Mund haben. Von Bevormundung kann man also nicht sprechen.
"Alle diese Erzeugnisse stammen ausnahmslos aus artgerechter und umweltschonender Tierhaltung."
Alle diese Tiere waren eingesperrt und wurden gewaltsam getötet. Was ist daran artgerecht? Tierhaltung ist generell nicht umweltschonend, wie die FAO in ihrem Klimabericht eindrucksvoll bewiesen hat.
"Die Tiere können sich bewegen und ihren Bedürfnissen ohne Einschränkung nachgehen."
Das grundlegende Bedürfnis dieser Tiere, keines gewaltsamen Todes sterben zu wollen, wurde und wird bei NEULAND in eklatanter Weise eingeschränkt. Diese Einschränkung ist bei NEULAND systemimmanent.
"Das Programm des NEULAND-Vereins entspricht den strengen Regeln des Tierschutzes."
Falls mit der verwaschenen Floskel "Regeln des Tierschutzes" etwa das Tierschutzgesetz gemeint sein sollte, dann möchten wir darauf hinweisen, daß dieses einzig die möglichst geregelte Tierausbeutung vorsieht. Tierschutz kann nicht bedeuten, fühlende Lebewesen einer antropozentrischen Verwertung zuzuführen.
"Und der NEULAND-Verein ist kein Unbekannter, war er doch bei seiner Gründung vor mehr als 20 Jahren die Antwort auf die tierquälerische Massentierhaltung in der Bundesrepublik."
Der Neuland-Verein hat dem Tierschutz sehr geschadet, indem er die Tötung manifestiert. Seit seiner Gründung verschafft er den Menschen, die sich teurere Tierleichenteile leisten können, ein gutes Gewissen, wo sie keines haben dürften. Statt die wirkliche Alternative voranzubringen, schlägt er aus einer unbedeutend weniger brutalen Verwertung von fühlenden Lebewesen Profit.
"Keines der von uns aufgenommenen Tiere wird vom Tierschutzverein an Tierhalter vermittelt, die sie allein zum Fleischverzehr halten möchten."
Also vorher noch anderweitig ausbeuten (z.B. zum Vorführen, Reiten, Melken) und dann ist das Schlachten ok?
"Der Tierschutzverein für Berlin leistet - im Gegensatz zu anderen Organisationen und so genannten Tierrechtlern - einen aktiven und wichtigen Beitrag, Verbraucher über die artgerechte Haltung von Tieren aufzuklären."
Und genau dieser Beitrag ist im Interesse der Tiere, der Umwelt und der Gesundheit der Verbraucher vollkommen kontraproduktiv, denn
- auch "glückliche" Lebewesen wollen nicht geschlachtet werden
- auch "glückliche" "Nutztiere" beanspruchen enorme Flächen für Futtermittel, produzieren Mist und Gülle, tragen maßgeblich zum Klimawandel bei
- auch ehemals "glückliche" Tiere begünstigen nach Verzehr im Menschen eine ganze Reihe von Krankheiten
"Er handelt und verbessert unter dem Motto „Tierschutz mit Herz und Verstand" die Haltungsbedingungen von Tieren, egal ob in Privathaushalten, in Zirkussen oder in der Landwirtschaft.
Dies ist unser Verständnis von Tierschutz: Nicht immer mit dem Zeigefinger auf andere hinweisen, sondern sinnvoll handeln."
Wenn es das Verständnis des sich Tierschutzverein nennenden Konglomerates ist, die Haltungsbedingungen zu verbessern, das Unrecht der Ausbeutung aber unangetastet zu lassen, dann sprechen wir dem Konglomerat das Recht ab, einen Namen zu führen, in dem das Wort Tierschutz auch nur vorkommt.
Schließlich setzt sich der Kinderschutzbund auch nicht "mit Herz und Verstand" für eine schonendere Behandlung bei der Mißhandlung von Kindern ein, sondern für die Verhinderung.
Update (September 2009):
Das Tierheim hat reagiert und bietet nun ausschliesslich vegetarische/vegane Kost auf seinen Festen an. Wir begrüßen diesen Entschluss und hoffen, dass dies auch ein Zeichen für andere Tierheime ist.


