Berlin-Vegan: Aktion "Pelz ist peinlich"

Aktion "Pelz ist peinlich"

Wer neben der Arbeit in der Gruppe gerne auch individuelle Aktionen gegen Pelze durchführen möchte, hat Vorteile bei einer Einzelaktion, weil sie weder einer Anmeldung als Demonstration bedarf, noch zeitlich festgelegt ist.

Man nehme einen:

  • möglichst "schicken" und intakten Pelzmantel  (geerbt oder von einer Antipelzorga geliehen)
  • Knochen im Haar (Kunststoffknochen, weiß lackiert)
  • ein Transparent mit einer Aufschrift wie z.B. "Pelz ist peinlich"
  • in der Handtasche mitgeführte Antipelzflyer
  • Bildmaterial zur Veranschaulichung  

Nun putze man sich gepflegt als "edler" Pelzträger auf Einkaufstour heraus und entziehe damit dem Neidargument, das manche Pelzträger bei sonstigen Antipelzaktionen gerne mal bemühen, den Boden. Dann begebe man sich in diejenigen öffentlichen Kulturlandschaften, in denen Pelzträger auf zwei Beinen erfahrungsgemäß gehäuft vorkommen. Noblere Einkaufsstraßen bieten ausreichend Exemplare an. Man flaniere ruhig und beherrscht in dieser Gegend herum, studiere wie die anderen Pelzträger auch mal die Auslagen der Geschäfte und trage dabei auch zur eigenen Gesundheit durch einen ausgiebigen Spaziergang bei.

Wie es sich trifft, kommt man infolge des gehäuften Angebots an Pelzträgern sehr schnell in die Begleitung eines solchen, dessen Person man allerdings überhaupt nicht beachte. Man lasse sich weder überholen noch durch das gesteigerte Schritt-Tempo zurückwerfen, auch nicht durch hektische Fluchtreaktionen (wovor, man ist ja äußerst friedlich!) in nahe Geschäfte aus der Ruhe bringen, sondern genieße den Spaziergang in der Öffentlichkeit, zumal man kaum von den anderen Pelzgewandeten angesprochen wird. Sollte dies doch einmal der Fall sein - so wurde mir schon mal die Frage gestellt, warum ich verfolge (!) -  bleibe man gelassen und beantworte die Frage mit unschuldiger Miene, die man bei dieser sehr friedfertigen und geräuschlosen Aktion auch haben darf. Man nimmt nur das Recht wahr, ebenfalls den Bürgersteig zu benutzen. Andere Pelzträger können nicht verlangen, dass man ihnen aus dem Weg geht, sobald sie auftauchen! Sollte ein Pelzträger dennoch seine Zuflucht im Vorwurf des stalking suchen, sollte man als klügere Person nachgeben, falls man nicht weiß, ab wann sich der andere Pelzträger möglicherweise erfolgreich auf eine für ihn/sie unzumutbare Aktion berufen kann. Besonders nervös werden Pelzträger an Stellen, die zum Verharren zwingen, wie z.B. an Ampelübergängen, an Bushaltestellen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Situationen geben Anderen die Gelegenheit, die Aktion in Ruhe zu bewerten.

Daneben kommt es vor, dass die gezeigte Kombination Pelz und Knochen im Haar für manche seltenen Exemplare exquisiter Dummheit aus sich heraus nicht verständlich ist, auch dann nicht, wenn sie das auf dem Rücken getragene Transparent gesehen haben. So kann man hier bei entsprechender Nachfrage antworten: "Zum Erscheinungsbild eines Menschen der Steinzeit gehört nicht nur der Pelz, sondern auch der abgenagte Knochen als passender Schmuck", oder, "Als Häuptlingsfrau der Steinzeit kleidet man sich angemessen!"

In diese Kategorie gehört auch folgende wohlmeinende Bemerkung einer jungen Frau: "Madame, wissen Sie, dass Sie ein Schild auf dem Rücken haben?" und die freundliche Antwort: "Das  hängt dort genau richtig!".

Man bemühe sich, in allen möglichen Fällen souverän zu bleiben. Den Passanten soll die Rückständigkeit und Lächerlichkeit des Tragens von Pelz bildhaft aufgehen und im Gedächtnis nachwirken. Man spiele die Rolle daher unverbiestert, aber ernsthaft. Intelligente Leute lachen oder schmunzeln folgerichtig, sobald sie die Aktion einordnen können. Vielfach wird der Spruch auf dem Transparent noch nach einiger Entfernung von diesen laut wiederholt.

Die Reaktionen von Nichtpelzträgern bestätigen den Erfolg der Aktion und sind zudem weitaus interessanter zu beobachten, als sich auf womöglich hitzige Gespräche mit den anderen Pelzträgern einzulassen. Von heiterem Schmunzeln und Gelächter bis zu "tolle Aktion" mit gezeigtem Daumen nach oben bietet man eine Straßenattraktion, die ohne Worte viel Aufsehen erregt. Den an der Aktion näher Interessierten drückt man ein in der Tasche mitgeführtes Flugblatt in die Hand – und zeigt somit ergänzend, wie peinlich Pelz ist.


28.02.09 22:06 Alter: 3 yrs

Kategorie: Demonstration, Aktivitäten, Allgemein

Von: BMH