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HappyCow – Die Mutter der Veggie-Restaurantdatenbanken

1999 schuf Eric Brent die Restaurantdatenbank HappyCow. Als viel reisender Veganer wünschte er sich eine Plattform, auf der man nach vegetarischen und veganen Restaurants suchen kann – weltweit. Inzwischen ist HappyCow viel mehr als nur eine Datenbank: Eine lebhafte Community, viel Infomaterial zum Veganismus und ein Online-Shop gehören dazu. Die Smartphone-User werden auch die Apps von HappyCow zu schätzen wissen. Berlin-Vegan sprach mit dem US-Amerikaner, als er sich kürzlich in Berlin aufhielt.

Eric Brent von HappyCow

Eric Brent von HappyCow

Eric, was führt dich nach Berlin?

Ich bin gerade mit Kent, dem Sales-Manager von HappyCow in Europa unterwegs. Wir waren zunächst in England beim VegFest in Bristol und dann in Brüssel und nun haben wir noch einen Abstecher nach Berlin gemacht. Wir möchten uns mit verschiedenen Leuten treffen – heute z.B. haben wir uns das Veganz angesehen und mit Jan Bredack ein Interview geführt. Und wir wollten uns mit euch austauschen, denn immerhin führt ihr auch eine Restaurantdatenbank!

Konntest du schon einen Eindruck vom veganen Leben in Berlin bekommen?

Ehrlich gesagt, konnte ich aus Zeitmangel bisher noch nicht so viel vom veganen Leben hier mitkriegen. Heute Abend wollen wir aber ins La Mano Verde essen gehen und auch das Lucky Leek steht ganz oben auf unserer Liste – die beiden Restaurants wurden uns sehr empfohlen. Insgesamt bin ich echt beeindruckt von der veganen Szene – ich wünschte, ich könnte länger bleiben, um sie intensiver zu erkunden. Und ich liebe die kurzen Wege hier in der Stadt! Man kann alles so gut erreichen. Gerade im Vergleich zu L.A. ist das ein Riesenvorteil!

Du hast HappyCow vor inzwischen 14 Jahren gegründet. Was war die größte Herausforderung damals? Und welche ist es jetzt?

Damals war es wirklich am schwierigsten, die Seite online zu kriegen. Allein der Upload hat zwei Tage gedauert. Ich hatte zunächst auch keine Ahnung von all diesen technischen Fragen und musste mir HTML aneignen. Unsere größte Herausforderung heute ist es aber, wie wir unser kleines Unternehmen dauerhaft erfolgreich führen können. Wir haben so viele Ideen, was noch gemacht werden könnte und wir wollen weiter wachsen.

Kannst du von deiner Arbeit leben?

Ja, ich und sogar noch 15 Mitarbeiter leben von ihrer Arbeit bei HappyCow. Reich werden wir davon allerdings nicht. Zum Glück ist das aber auch kein Anreiz für die Arbeit unseres Teams!

Wie wird HappyCow finanziert?

Ein Großteil unserer Einnahmen stammt aus Werbung. Wir bewerben größtenteils vegane Produkte. Dabei fällt uns auf, dass es kaum große vegane Unternehmen gibt, deren Führungskräfte auch vegan leben. Das finden wir wirklich schade. Es scheint so, als bräuchten vegane Unternehmer noch ein bisschen Unterstützung, um nachhaltiger bestehen zu können.

Kannst du durch deine Arbeit bei HappyCow einen Trend erkennen, ob es inzwischen mehr neue vegane als vegetarische Restaurants gibt?

Das ist schwer zu sagen. Die Zahlen weisen nicht darauf hin. Aber wenn man sich Städte wie z.B. Berlin anschaut, dann fallen die vielen neuen veganen Restaurants und Cafés natürlich schon auf. Nur ob diese dann Bestand haben, ist die nächste Frage. In der Gastronomie ist das nämlich gar nicht so leicht, da spielen so viele Faktoren rein. Stimmt die Location? Ist die Karte nicht zu kompliziert? Und sind die Gewinnmargen groß genug, um das Ganze zu finanzieren? Und dann gibt es noch das Problem, dass viele Restaurantbesitzer glauben, sie müssten unbedingt Milchprodukte anbieten, weil sie ohne keine Chance hätten zu bestehen. Das macht sie dann natürlich nicht zu rein veganen Restaurants. Es gibt ja auch wirklich viele Hardcore-Vegetarier, die vielleicht so um die 50 sind, seit Jahren vegetarisch leben, aber gar nicht hinterfragen, dass sie Milchprodukte zu sich nehmen. Die glauben, die machen alles richtig, weil sie vegetarisch leben. Aber sie essen noch ihren Käse und trinken Kuhmilch und sind nicht einsichtig, dass Milchprodukte absolute Qualprodukte sind. Bei den jüngeren Menschen ist das zum Glück anders!

Wie bist du eigentlich Veganer geworden, Eric?

Ich bin mit schlechten Essgewohnheiten groß geworden, ich habe Gemüse wirklich gehasst. Auf dem College war ich dann aber mal in einem veganen Fast-Food-Restaurant. Ich aß einen Veggie-Burger dort und auf einmal habe ich verstanden, was ich bisher gegessen habe. Vorher habe ich niemals darüber nachgedacht, woher Fleisch eigentlich kommt. Danach lebte ich beinahe vegan, nur Eier habe ich noch gegessen. Bis ich dann nach Taiwan gegangen bin, als ich 21 war. Dort habe ich Ching Hai, der Gründerin von Loving Hut [Anm. der Redaktion: Nach eigenen Angaben die größte internationale vegane Restaurant-Kette der Welt] Englischunterricht gegeben. Sie hat mehr für den Veganismus getan als alle anderen. Durch sie habe ich gelernt, dass Hühner für die Eierproduktion leiden müssen und man beim Verzehr von Eiern dieses Leid in Form von bestimmter Energie aufnimmt. Seitdem bin ich Veganer.

Zum Schluss: Was wünschst du dir für die Zukunft von HappyCow?

Angesichts der vielen neuen Webseiten, die das gleiche anbieten wollen wie HappyCow, wünsche ich mir eine stärkere Zusammenarbeit statt eine wachsende Konkurrenz untereinander. Warum können wir nicht alle kooperieren, statt immer wieder von vorne anzufangen? So könnten wir unser Wissen, unsere Ideen und unsere Kräfte teilen, statt uns vielleicht gegenseitig Energien abzuschöpfen.